Es gibt Autoren, die in ihr Pseudonym geradezu hineinwachsen. Der Gatte von Bundesrätin Simo­netta Sommaruga hiess Hans-Rudolf Lehmann, bevor er Bücher zu schreiben begann. Er tat es so erfolgreich, dass der fiktive Name Lukas Hartmann mittlerweile gar in seinem Pass steht. Dann gibt es jene, die ihr Pseudonym so geschickt benutzen, dass sie eben anonym bleiben. Und es gibt solche, die mit ihrem Pseudonym auffliegen.

Frederik Briner gehört in diese Kategorie. Der Lokalpolitiker aus Windisch bescherte der «Aargauer Zeitung» (AZ) eine Schlagzeile, weil er als «Hans Peter Schär» Leserbriefe und Onlinekommentare verfasste – und dabei ertappt wurde. Vielleicht blöd, vielleicht naiv, aber keine Staatsaffäre, also Schwamm drüber. Doch Briner erfand darauf einfach ein neues Pseudonym («Yves Dupont») – und flog prompt ein zweites Mal auf.

Er habe schlechte Erfahrungen mit der Presse gemacht und wolle sich vor persönlichen Angriffen schützen, argu­mentiert Briner. Es fragt sich nur, wer ihn angreifen sollte: Die Leserbriefe sind allesamt harmlos, ob es nun um Griechenland oder die Fifa geht. Unter Pseudonym zu schreiben sei «weder ein Verbrechen noch ein Vergehen», sagt Briner. Wenn er hätte betrügen wollen, hätte er die Mails kaum vom eigenen Computer aus verschickt und auch nicht seine Handynummer angegeben. Unter anderem deswegen kam ihm die Zeitung auf die Schliche.

Trotzdem ist sein Vorgehen ungewöhnlich, weil Politiker in der Regel die Publizität geradezu suchen. Erst recht im Wahlkampf – als er die Briefe schrieb und die Sache zum ersten Mal publik wurde, kandidierte er für das Lokalparlament in Windisch. Er wurde trotzdem gewählt und amtiert jetzt auch als SVP-Ortspräsident.

Jetzt legt er ein Geständnis ab

Briner reagiert empfindlich, als ihn der Beobachter (wo er als «Hans Peter Schär» auch zwei Leserbriefe unterbrachte) auf die Geschichte anspricht. Auf fünf kurze Fragen reagiert er mit einer 28-seitigen Stellungnahme, die in den siebziger Jahren beginnt und damit endet, dass er der AZ Rufmord vorwirft. Immerhin gibt er erstmals zu, die Briefe selber geschrieben zu haben – gegenüber der AZ hatte er noch behauptet, es sei sein Cousin gewesen.

Briners Kernaussage: Pseudonyme seien weitherum akzeptiert. «Weder Lukas Hartmann noch Mark Twain, weder Lys Assia noch Ephraim Kishon, nicht einmal Stalin mussten sich für ihr Pseudonym rechtfertigen.» Fraglich, ob sich die Genannten über den Vergleich geschmeichelt fühlen würden. Aber sehr bemerkenswert, in welcher Liga sich der Lokalpolitiker sieht.

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