Der gelernte Hypnosetherapeut Heiko Richard Sobel ist eine charismatische Figur. Mit 27 kam der Deutsche in die Schweiz und wurde Pfarrer in Thalwil. 1987 trat er seine Stelle als «erster Aidspfarrer Europas» am Universitätsspital Zürich an. 1992 bis 1997 war Sobel am Lighthouse tätig.

Heute führt er die Firma Connecta für «Beratung und Dienste» und sitzt in sozialpädagogischen Institutionen. Heiko Sobel kann Menschen gewinnen und abstossen. Viele Anhänger, Freunde, Patienten – vor allem aus der Homosexuellenszene – verehren ihn, manche Mitarbeiter sind ihm fast hörig.

Mit dem von ihm herausgegebenen Buch «Ich kann nicht mehr leben wie Ihr Negativen» (1990) brach er eine Lanze für die Aidskranken – und zugleich liess er sich darin in Wort und Bild als ungewöhnlichen Seelsorger feiern. Ehemalige Mitstreiter sehen ihn kritischer. In der Öffentlichkeit weniger bekannt ist etwa seine geschäftstüchtige Seite.

  • Nach seinem Austritt aus dem Lighthouse gründete Sobel zusammen mit den Lighthouse-Stiftungsräten Max Wiener und Hans-Peter Portmann sowie Opernhausdirektor Alexander Pereira die Stiftung «Stunde des Herzens». Deren Hauptzweck ist die Durchführung einer Benefizgala in der Oper am Bettag. Der «Reinerlös» der Veranstaltung geht jeweils an gemeinnützige Werke wie das Lighthouse. Was die Besucher des teuren Anlasses aber kaum wissen: Geschäftsführer Sobel erhält zehn Prozent der Nettoeinnahmen als «Honorar». Kommentar von Isabelle Merk, Geschäftsführerin der Zentralstelle für Wohlfahrtsunternehmen (Zewo): «Solche Prozentabmachungen sind sehr problematisch.»

  • Als Seelsorger besuchte Heiko Sobel auch den Aidspatienten Alain A. Am Krankenbett lernte er dessen Mutter Hedy kennen. Wenige Wochen nach dem Tod des Sohns suchte der Pfarrer Hedy A. auf. Er interessierte sich für Alain A.s Haus. «Er würde gerne darin wohnen, erzählte er mir, da es in seiner jetzigen Wohnung zu lärmig sei.» Die Frau verkaufte die Liegenschaft zum Preis von 525'000 Franken, wovon sie 520'000 Franken zur Tilgung der Hypothek brauchte. Vom «Gewinn» von 5000 Franken zog ihr Sobel noch 400 Franken «Reinigungskosten» und 960 Franken für eine Hausschätzung ab, die sie nie bestellt und nicht gesehen hat. Zudem überwälzte er der 78-jährigen Erbin auch noch die gesamten Notariats- und Handänderungskosten von 7200 Franken. Statt eines möglichen Gewinns von rund 100'000 Franken musste sie beim Hausverkauf draufzahlen. Am meisten aber enttäuscht die trauernde Mutter, dass Sobel gar nie in das Haus einzog, sondern es ein halbes Jahr später weiterverkaufte.

  • Sobels neuste Kreation ist eine Firma, die er diesen Juli im steuergünstigen Zug gründete – zusammen mit einem befreundeten Psychotherapeuten. Die Zimpel AG führt als Firmenzweck neben Beratung auch den «Handel mit materiellen und immateriellen Gütern» auf. Was damit gemeint ist und wie er sich zu den Vorwürfen über den Hauskauf stellt, konnte der Beobachter von Heiko Sobel nicht erfahren. Er liess ausrichten, dass er sich für ein paar Tage zu einer «Meditationsphase» zurückgezogen habe und nicht zurückrufen wolle.
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