«Die Zeit ist reif, jetzt müssen wir loslegen», sagt Peter Schlegel, Vorstandsmitglied der Umweltorganisation Frequencia. Er spricht von der Unterschriftensammlung für die Mobilfunkinitiative Safer-Phone. Das Volksbegehren will die Bevölkerung vor Elektrosmog und insbesondere vor Mobilfunkstrahlung besser schützen.

Zentrales Element der Initiative ist ein neues Versorgungskonzept: Innenräume sollen über Kabel erschlossen werden. Die Anbieter werden verpflichtet, das Glasfasernetz bis in alle Gebäude auszubauen. So müssten die Mobilfunkwellen nicht mehr dicke Mauern durchdringen. Darum könnte die Antennenleistung reduziert und die Strahlenbelastung gesenkt werden.

Betreiber winken ab

Ein ähnliches Kleinzellenkonzept hat die Stadt St. Gallen in einem Pilotprojekt in einigen Teilen der Altstadt bereits umgesetzt (der Beobachter berichtete Vorbild St. Gallen Weniger Strahlenbelastung wäre machbar ). Die Strahlenbelastung soll gemäss den Projektverantwortlichen um rund einen Drittel gesunken sein. Die Mobilfunkbetreiber erachten das Konzept aber als untauglich. Eine flächendeckende Versorgung mit 5G sei nur mit grossen Anlagen zu erreichen.

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Die Safer-Phone-Initiative startet aus der zweiten Reihe, denn beim Mobilfunk gibt es eine regelrechte Initiativflut. Bereits gesammelt wird seit einem Jahr für die Mobilfunkhaftungs-Initiative. Sie will die Betreiber für Personen- oder Sachschäden verantwortlich machen, die durch Mobilfunk-Sendeanlagen verursacht werden.

Seit einem Jahr sammelt auch das Komitee der Mobilfunk-Initiative. Sie will verhindern, dass die heute gültigen Grenzwerte erhöht werden können, verlangt, dass Daten über die Elektrosensibilität erhoben werden und in Schulen über die Auswirkungen des Mobilfunks auf die Gesundheit informiert wird.

Bei der Bundeskanzlei hängig ist schliesslich die Initiative des Komitees Stop 5G. Ihr Kernanliegen: Niemand darf einer nichtionisierenden Strahlungsintensität von mehr als 0,6 Volt pro Meter pro Sekunde ausgesetzt sein. Das entspricht etwa der aktuellen Belastung. Start der Unterschriftensammlung soll im Dezember sein. In Ausarbeitung ist zudem die Initiative «Gemeinde-Autonomie für Mobilfunk-Abdeckung» der Freiheitlichen Bewegung Schweiz.

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Gleichzeitige Unterschriftensammlungen: «Ein strategischer Fehler»

Dient diese Initiativflut den Anliegen der Mobilfunkkritiker? Kommunikationsfachleute äussern sich skeptisch. «Das Sammeln für Initiativen ist aufwendig. Und Unterschriften für so viele Initiativen parallel und isoliert zu sammeln, zersplittert die Ressourcen erheblich», sagt Georg Lutz, Professor für Politikwissenschaft an der Uni Lausanne.

Der Berner Politikberater Mark Balsiger spricht gar «von einem strategischen Fehler». «Die einzelnen Lager sind vergleichsweise klein, ihnen fehlt die Erfahrung für solche Herausforderungen. Mindestens 100'000 gültige Unterschriften hinzubringen, ist ein Chrampf.» Wer nicht grosse Adresssätze habe oder ein eigenes Magazin, müsse das Gros der Unterschriften auf der Strasse sammeln. «Das braucht viele Engagierte und eiserne Disziplin. Passantinnen und Passanten haben keine Zeit mehr, sie wollen so schnell wie möglich von A nach B.»

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Zerstrittenheit und Futterneid in der Szene

Felix Hepfer von der Haftungs-Initiative sagt, er arbeite sehr gut zusammen mit Ursula Niggli, Initiantin von «Für einen gesundheitsverträglichen und stromsparenden Mobilfunk». Er beklagt Zerstrittenheit und Futterneid in der Szene.

Charly Pache von der Initiative 5G sagt, man kooperiere nicht, weil die Stossrichtung der übrigen Initiativen nicht zielführend sei. Peter Schlegel sieht in der Safer-Phone-Initiative vor allem den Vorteil der Kräftebündelung: «Wir haben unsere Initiative mit verschiedenen Nationalräten, Fachleuten sowie Ärztinnen und Ärzten für Umweltschutz koordiniert.»

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