Noch ein alter Bunker, den die Militärs nicht mehr gebrauchen können. General Guisan wollte zu Beginn des Zweiten Weltkriegs hier seinen Kommandoposten einrichten, und später war das Riesenloch in der Nähe von Bern sogar als Bundesratsbunker vorgesehen.

Stattdessen werden in diesem einstigen Steinbruch jetzt Designmöbel und trendige Lichtkonzepte ausgestellt. Design ist die Fortsetzung der Armee mit modischen Mitteln. Denn wenn wir genau hinschauen, hatten unsere Militärs in den letzten Jahrzehnten viel mehr Erfolge mit ihren Designstücken als mit kriegerischen Taten. Die Bezeichnung Eidgenössisches Militärdepartement war ja eigentlich nur eine Tarnung.

In Wirklichkeit stand die Abkürzung EMD für Eidgenössisches Militärdesign. Geheimhaltungsdesign der subtilen Art. Denn was kennt die Welt von der wehrhaften Schweiz? Das Swiss Army Knife, genau. Und vielleicht den löchrigen Landistuhl, das Symbol der Wehrwillenschau von 1939. Der steht auch da in der Höhle, in einer langen Reihe mit weiteren Kulthockern. Das andere Wahrzeichen jener Landi, der legendäre Schifflibach, lebt eher in Wirtschaft und Politik weiter: Dort erleiden gegenwärtig viele Projekte Schifflibruch und gehen den Bach runter.

Die neu entdeckte Designhöhle liegt bei Geristein zwischen Bolligen und Krauchthal. Eine wehrhafte Region: Gleich nebenan liegt das Gebiet Harnischhut, wohl eine alte Bezeichnung für Stahlhelm, und der Ger in Geristein, wir habens damals in der Schule gehört, war der Speer der alten Germanen, unserer kämpferischen Vorfahren. Ein paar Kilometer weiter steht ein alter Wehrbau, der Thorberg, einst eine stolze Burg, heute ein Gefängnis. Er gilt im Bernbiet als höchster Berg des Kantons: Die meisten brauchen Jahre, um von dort wieder herunterzukommen.

Doch unserer Armee war die Gegend trotzdem zu unsicher. Sie lochte weiter und arbeitete sich in Richtung Berner Oberland vor. Man munkelt, beim Neat-Tunnel durch den Lötschberg müsse besonders sorgfältig gebohrt werden, um nicht plötzlich aus Versehen im aktuellen Bundesratsbunker zu landen. Aber aufgepasst: Für das Ausplaudern solch allgemein bekannter Geheimnisse geriet man vor noch nicht allzu langer Zeit ins Visier der Militärjustiz. Wie sagte doch einst der französische Ministerpräsident Georges Clemenceau: «Militärjustiz ist Justiz wie Militärmusik Musik.»

Der Bundesrat ist nie bei Geristein in den Berg gegangen. Dafür ging der Berg zum Bundesrat, denn einige der Sandsteinklötze, die hier herausgehauen wurden, stecken heute in den Mauern des Bundeshauses. Ob es uns passt oder nicht: Unser Parlament ist auf Sandstein gebaut. Und die Fotografie mit der Reihe leerer Stühle tief im Berg ist die perfekte Illustration dazu. Sie erinnert an den Nationalratssaal während einer Routinesitzung.

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