Jede Person soll einem Gebäude, jede Liegenschaft einer Ortschaft zugeordnet werden können, damit Verwechslungen künftig ausgeschlossen sind. Soweit die Vorgaben des Bundes. Zuständig für die Umsetzung sind die Kantone - auch der Kanton Appenzell Innerrhoden.

Zwar halten sich die rund 15'000 Innerrhödler seit eh und je für unverwechselbar; Zäuerli und Rugguserli sowie ausgeprägte Charakterköpfe gibt es halt nur rund um den Säntis. Doch markante Gesichtszüge reichen zur Identifizierung nicht aus - in Todesanzeigen erscheinen darum nicht selten Spitznamen wie «Büscheli» oder «Boggli», damit klar ist, welcher der vielen Inauen, Manser und Neff das Zeitliche gesegnet hat. In Adressen sorgen auch Mal Flurnamen für Eindeutigkeit - leider nicht immer. Denn die Bezeichnungen «Chapf» und «Sonnenhalden» tauchen gleich mehrfach auf - ein Alptraum für überregionale Blaulichtorganisationen. Strassen und Hausnummern sollen den Missstand künftig beheben.

Adel verpflichtet

Mit dem Verschwinden von Flurnamen scheint man leben zu können. Hingegen braust ein Proteststurm durch den Bezirk Appenzell, der aus dem Hauptort Appenzell und den Dörfern Meistersrüte, Rinkenbach und Kau besteht. Für alle Dörfer lautet die Postleitzahl: 9050 Appenzell. Neu soll nur noch der Hauptort die Adresse «9050 Appenzell» tragen; die anderen Orte würden mit 9050 Meistersrüte, 9050 Kau, 9050 Rinkenbach adressiert. «Da geht die Marke Appenzell verloren», moniert Grossrätin Rahel Matzenauer. Zudem würden neue Firmenlogos, Werbeflyer und Autobeschriftungen eine Stange Geld kosten.

Was die Marke «Appenzell» wert ist, weiss die Internetzeitung «Appenzell24»: «Ein Produkt, das offiziell mit der Bezeichnung ‹Appenzell› geadelt wird, kann am Markt kaum scheitern.» Und der «Volksfreund» erinnert daran, dass Marketingfachleute «Appenzell» zwischen Hamburg und Sizilien bekannt gemacht haben.

Ob wegen der neuen Adressen der Siegeszug der Appenzeller Spezialitäten wie Siedwurst, Pantli und Biberli in Palermo zum Stillstand kommt und der boomende Verkauf von Säntis-Malt-Whisky sowie Vollmond-Bier auf der Reeperbahn einbricht, bleibe dahingestellt. Doch die Lage ist so ernst, dass Regierungsrat Melchior Looser die Vorlage zurückgezogen hat. Über das weitere Vorgehen entscheidet nun die Standeskommission, wie die Gesamtregierung des unverwechselbaren Fleckchens Erde heisst.

Quelle: Appenzellerland Tourismus
Anzeige