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Quelle: Markus Bernet

Gefahrenkarte: Wo grosse Risiken lauern

1. Tanklager Vernier: In Vernier GE wird derzeit über die Sicherheit eines riesigen Tanklagers mitten im Siedlungsraum diskutiert. Bei einem Unfall könnten Hunderte Menschen umkommen.

2. Raffinierie Collombey: Die Erdölraffinerie liegt im Siedlungsgebiet an der Rhone. Eine Überflutung droht alle 100 Jahre. Oberhalb der Raffinerie befinden sich Staudämme.

3. AKW Mühleberg: Das AKW liegt unterhalb einer Staumauer (siehe Seite 36). Bei einem schweren Erdbeben würden voraussichtlich zahlreiche Sicherheitssysteme ausfallen.

4. Grand Dixence: Bräche die Staumauer, würde eine Flutwelle das Unterwallis inklusive Sion verwüsten. Die Wahrscheinlichkeit einer Katastrophe ist indes gering (siehe «Staumauern»).

5. Chemische Industrie Lonza: Das Industrieareal liegt in einem Erdbebengebiet direkt an der Rhone. Die Firma hat mittlerweile viele ihrer Gebäude erdbebensicher saniert.

6. Basel: Mit einer überdurchschnittlichen Erdbebenhäufigkeit, vielen Chemiebetrieben in der Region und der Nähe zu einem Flughafen und drei AKW ist die Zahl der Risiken in Basel gross.

7. Sihlsee: Würde der 1937 fertiggestellte Staudamm brechen, würde das Sihltal überflutet, und Teile der Stadt Zürich stünden bis zu acht Meter tief unter Wasser.

Die Schweizer Atomkraftwerke sind nicht so sicher, wie lange angenommen wurde. Eine 2007 veröffentlichte Studie namens «Pegasos» kam zum Schluss, dass die Meiler nicht genügend gegen starke Erdbeben gesichert sind. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) ordnete daher an, dass alle AKW neu überprüft und nachgerüstet werden müssen. Diese Arbeiten sind derzeit im Gang.

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Quelle: Markus Bernet

In der Schweiz stehen über 1000 Staumauern, von denen rund 200 über fünf Meter hoch sind. Experten kamen vor einigen Jahren zum Schluss, dass die Mehrzahl dieser Bauten bezüglich Erdbebensicherheit nach veralteten Methoden überprüft wurde. Eine Neuprüfung läuft derzeit und soll bis 2013 abgeschlossen sein. Dass bei einem Erdbeben eine ganze Mauer einstürzt, ist allerdings unwahrscheinlich. Am ehesten möglich wären Risse, durch die grössere Mengen Wasser austreten könnten. Ein Alarm­system ist nur bei 66 Anlagen installiert.

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Quelle: Markus Bernet

Insgesamt 258 chemische Betriebe und Tanklager weisen in der Schweiz ein höheres Un­fallpotential auf. Das bedeutet, dass bei einem Unfall mit über zehn Toten und/oder einer schweren Schädigung der Umwelt zu rechnen wäre. Ein solcher Ernstfall trat 1986 mit dem Grossbrand von Schweizerhalle ein. Die Betriebe sind heute verpflichtet, die Risiken zu ermitteln und alle geeigneten Massnahmen zur Vermeidung von Unfällen zu treffen

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Quelle: Markus Bernet

Die massiven Überschwemmungen vom August 2005 haben gezeigt, dass viele Flüsse nach tage- oder wochenlangen Niederschlägen über die Ufer treten. Die Kantone erstellen derzeit detaillierte Gefahrenkarten; viele Kantone lassen sich allerdings erstaunlich viel Zeit damit. Auch mehrere grosse Hochwasserschutzprojekte sind zurzeit im Gang, so an der Rhone, der Thur und der Linth.

Quelle: Markus Bernet
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Erdbeben

Hier bebt es am häufigsten

Die Karte zeigt alle spürbaren Erdbeben von 1975 bis 2009 (Stärke 2 oder mehr).

Quellen: Schweizerischer Erdbebendienst, BAFU

Quelle: Markus Bernet

Viele Häuser weisen Mängel auf

Die Angaben der Gebäudeversicherungen geben zu denken: Bei über 70 Prozent der Gebäude in der Schweiz wurden keine besonderen Massnahmen zur Erdbebensicherheit getroffen. Lediglich 10 Prozent sind nach modernen Erkenntnissen erdbebensicher. Nur für Gebäude wie Spitäler oder Schulen, in denen sich viele Menschen aufhalten, gelten besondere Vorschriften.
Das sind die häufigsten baulichen Mängel:

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Ein «weiches» Zwischengeschoss ohne Wände kann bei einem Erdbeben das ganze Gebäude zum Einsturz bringen.

Quelle: Markus Bernet

Aneinandergebaute Häuser oder Gebäude mit komplexen Formen sind gefährdet, weil die einzelnen Teile bei einem Erdbeben unterschiedlich stark schwingen.

Quelle: Markus Bernet
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Bauten, die nur auf Stützen stehen, ­wackeln bei einem Erdbeben hin und her. Zu schwache Stützen können einknicken.

Quelle: Markus Bernet

Gebäude aus unbewehrtem Mauerwerk sind besonders heikel, da verbindende Elemente wie Armierungseisen in den Backsteinmauern fehlen. Sogar Hochhäuser wurden früher so gebaut.

Quelle: Markus Bernet
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Auch Fassadenteile und andere nichttragende Bauelemente können gefährlich sein. Sind sie nicht richtig verankert, ­können sie bei einem Beben hinunterfallen.

Quelle: Markus Bernet

Atomkraftwerke

Alle Schweizer AKW liegen in besiedeltem Gebiet. Bei einem atomaren GAU müssten bis zu einer halben Million Menschen evakuiert werden; von einer allfälligen Strahlenwolke wäre aber das ganze Mittelland betroffen. Die Karte zeigt die Windrichtungen, die an den AKW-Standorten vorherrschen.

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Quelle: Markus Bernet
Quelle: Markus Bernet
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Kritisch: AKW Mühleberg

Das AKW Mühleberg steht 1,3 Kilo­meter unterhalb einer 90 Jahre alten Staumauer. Gemäss Dokumenten des AKW-Betreibers BKW könnte das Werk bei einem Dammbruch überflutet werden. Bei einem schweren Erdbeben könnten laut dem ENSI 17 der 37 mechanischen Sicherheitssysteme ausfallen. Das AKW wird derzeit überprüft und nachgerüstet.

Quelle: Markus Bernet

Staudamm

Beispiel Sihlsee: Was geschieht, wenn der Staudamm bricht?

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Quelle: Markus Bernet

Zwar liegt der Sihlsee 40 Kilometer von Zürich entfernt und ist im Vergleich zum Zürichsee winzig. Trotzdem stellt er für die Grossstadt ein nicht zu vernachlässigendes Risiko dar. Die 1937 fertigge­stellte Staumauer des Sihl­sees ist 33 Meter hoch. Würde sie brechen, flössen die Wassermassen durch das Sihltal in Rich­tung Zürich. Bei einer vollständigen Zerstörung des Staudamms würden weite Teile der Stadt bis zu acht Meter unter Wasser gesetzt (rote Bereiche auf der Karte). Die Häuser würden unterspült; viele würden ganz einstürzen. Immerhin könnten sich wohl die meisten Menschen retten: Die Flutwelle würde die Stadt erst 1 Stunde und 25 Minuten nach dem Dammbruch erreichen. Mit dem Wasseralarm könnte die Bevölkerung ­rechtzeitig informiert werden. Damit es nicht zum Notfall kommt, wird die Staumauer regelmässig überwacht.

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Katastrophen in der Schweiz

Die zehn schlimmsten Katastrophen der vergangenen 50 Jahre in der Schweiz

30. August 1965
Eissturz von Mattmark
  Oberhalb von Saas-Fee VS lösen sich plötzlich riesige Eismassen des Allalingletschers und stürzen auf die Baustelle des Staudamms von Mattmark. Von den 700 im Einsatz stehenden Arbeitern verlieren 88 ihr Leben.
     
21. Januar 1969
Atomunfall von Lucens
  Im Versuchsatomkraftwerk von Lucens VD explodiert eines der Brennelemente. Es handelt sich um den schwersten nuklea­ren Unfall der Schweiz. Der in einem unterirdischen Stollen angelegte Reaktor wird darauf stillgelegt.
     
8. April 1969
Explosion in Dottikon
  In der Schweizerischen Sprengstofffabrik in Dottikon AG kommt es zu einer gewaltigen Explosion, die noch im 15 Kilometer entfernten Aarau zu ­hören ist. 18 Menschen werden getötet und mehrere verletzt. Zahlrei­che Häuser werden beschädigt.
     
21. Februar 1970
Flugzeugabsturz von Würenlingen
  Neun Minuten nach dem Start in Zürich Kloten explodiert im Laderaum eines Swissair-Flugzeugs eine Bombe. Die Maschine stürzt bei Würenlingen AG in den Wald, 47 Menschen sterben. Es handelt sich um einen Terroranschlag der Volksfront zur ­Befreiung Palästinas (PFLP).
     
1. November 1986
Brand in Schweizerhalle
  In einer Lagerhalle des Agro- und Pharmakonzerns Sandoz in Schweizerhalle kommt es zum Grossbrand. Wegen der giftigen Abgase wird Sirenenalarm gegeben. Verseuchtes Löschwasser gelangt in den Rhein und löst ein grosses Fischsterben aus.
     
24. September 1993
Hochwasser von Brig
  Die Saltina tritt über die Ufer und überschwemmt Brig VS und weitere Orte in der Umgebung. Die Briger Innenstadt wird verwüstet, zwei Menschen sterben. Die Schäden belaufen sich auf 650 Millionen Franken.
     
26. Dezember 1999
Orkan Lothar
  Am Stephanstag 1999 fegt der Orkan Lothar durch die Schweiz und verwüstet zahlreiche Wälder. Strassen und Bahnlinien werden blockiert, Häuser zerstört. 29 Menschen kommen um. Die Schadensumme beläuft sich auf 1,78 Milliarden Franken – verursacht in nur zwei Stunden.
     
14. Oktober 2000
Katastrophe von Gondo
  Nach heftigen Regenfällen zerstört ein Erdrutsch die Hälfte des Dorfes Gondo VS auf der Südseite des Simplonpasses. 13 Menschen kommen um, der Wiederaufbau des Dorfes dauert sechs Jahre.
     
24. Oktober 2001
Brand im Gotthardtunnel
  Beim bisher schwersten Unfall im Gotthard-Strassentunnel kommt es nach dem Zusammen­stoss zweier Lastwagen zu einer Brandkatastrophe, zahlreiche Fahrzeuge gehen in Flam­men auf. Elf Menschen verlieren ihr Leben, der Tunnel bleibt zwei Monate lang geschlossen.
     
20. August 2005
Jahrhunderthochwasser
  Anhaltender Regen führt auf der ganzen Alpennordseite zu grossflächigen Überschwemmungen und Erdrutschen. ­Mindestens sechs Menschen sterben, zahlreiche werden ­verletzt. Die Schäden werden auf 2,5 Milliarden Franken geschätzt.

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Quelle: Markus Bernet

Risiko-Wahrnehmung

Da Erdbeben relativ häufig sind und viel Schaden anrichten, ist das Risiko diesbezüglich gross. Die Wahrscheinlich­keit einer Kernschmelze veranschlagten Fachleute bisher auf ein Ereignis in einer Million Jahre. Entsprechend wurde das Risiko geringer eingestuft.


Weitere Infos


Nationale Plattform Naturgefahren:
www.planat.ch

Karte zum Umweltzustand der Schweiz:
umweltzustand.admin.ch

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Schweizerischer Erdbebendienst:
www.seismo.ethz.ch

Dossier zum GAU in Japan:
www.beobachter.ch/gau

Quelle: Markus Bernet