Als das Postauto bei der Kirche Dornach ankam, war es bereits übervoll. Vorn war kein Platz, deshalb stiegen die zwei zehnjährigen Mädchen hinten ein – doch dort gibt es keinen Entwertungsautomaten. Mit ihren Musikinstrumenten und dem Schulsack am Rücken kamen sie jedoch nicht zum Automaten vorn beim Fahrer durch. Deshalb wollten sie ihre Mehrfahrtenkarte am Bahnhof nachträglich entwerten. 

«Völlig verängstigt»

Doch dann stiegen zwei Kontrolleure ein. Was folgte, schildern die Eltern der Mädchen als erniedrigend. Die Kontrolleure hätten erst das Alter der Mädchen angezweifelt und ihnen dann in harschem Ton vorgeworfen, sie würden schwarzfahren. Eines der Mädchen hatte eine fünf Jahre alte, aber noch gültige Stempelkarte dabei. Das andere habe vor Schreck nicht gewusst, wo es seine Karte eingesteckt hatte.

Für die Kontrolleure war der Fall klar. Einer habe sogar den Verdacht geäussert, das Mädchen mit der alten Mehrfahrtenkarte fahre seit Jahren ohne gültigen Fahrausweis. «Meine Tochter kam völlig aufgelöst und verängstigt nach Hause», berichtet die Mutter der Zehnjährigen.

Postauto Schweiz beharrt auf der Zahlung des Zuschlags von je 100 Franken: «Alle unsere Fahrgäste werden gleich behandelt, deshalb ist unser Vorgehen konsequent und nicht willkürlich.» Man könne von zehnjährigen Mädchen erwarten, dass sie sich zum Entwertungsautomaten durchkämpfen. «Fahren ohne gültigen Fahrausweis ist keine Bagatelle. In der Schweiz gelten Kinder ab dem zehnten Lebensjahr als strafmündig.»

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«Mit Fingerspitzengefühl»

Für die Argumente der Eltern hat Postauto Schweiz kein Verständnis. Auf die Frage des Beobachters, ob Vorgehen und Strafe nicht unverhältnismässig seien, geht man nicht ein: «Unsere Kontrolleure werden regelmässig im Umgang mit Kindern und Jugendlichen geschult.» Sie behandelten Kinder mit «Fingerspitzengefühl».

Die Eltern sind mit dem Vorgehen von Postauto Schweiz nicht einverstanden. Sie fordern «Augenmass für die Umstände» und haben deshalb die Ombudsstelle des öffentlichen Verkehrs eingeschaltet.