«Ich wollte nur eine alltägliche Situation mit Anstand lösen.» «Ich wollte nur eine alltägliche Situation mit Anstand lösen», sagt Franz Ineichen zum Fall, der vor vier Jahren einen völlig banalen Anfang nahm. Im Juni 2002 spielt Ineichens neunjähriger Sohn Adrian Fussball. Zwei ältere Buben kommen hinzu und kicken den Ball weg, der unauffindbar bleibt. Mit den Müttern wird vereinbart, jeder der drei Buben solle sieben Franken an einen neuen Ball zahlen. Damit wäre die Geschichte zu einem guten und vernünftigen Ende gekommen. Einige Tage später teilt der Vater eines der Buben Ineichen jedoch mit, sein Sohn zahle nicht.

Drei Monate später nimmt dieser Knabe Adrian wiederum den Ball weg. Adrian ruft seinen Vater zu Hilfe. «Als der Junge nach zweimaliger Aufforderung nicht fortging, führte ich ihn am Arm weg», so Ineichen. Der Knabe hatte Ineichen zuvor den Stinkefinger gezeigt und ihn beschimpft. Der Arzt stellt zwei Tage nach dem Vorfall Flecken und Druckstellen am Oberarm des Jungen fest. Ineichen sagt: «Ich habe ihn aber weder geschlagen noch verletzt. Zudem habe ich mich beim Jungen auch noch entschuldigt.» Der Vater des Betroffenen verlangt von Ineichen, dass er die Arztrechnung von 131 Franken zahlt. Als dieser sich weigert, klagt er gegen Ineichen wegen Tätlichkeit und einfacher Körperverletzung.

Zuerst stellt das Amtsstatthalteramt Hochdorf das Verfahren mangels Beweisen ein, doch Ineichens Gegner zieht den Fall weiter. Das Amtsgericht Hochdorf schlägt einen Vergleich vor: Ineichen hätte die Hälfte der Kosten übernehmen, der ganzen Siedlung einen Apéro spendieren und sich entschuldigen sollen. Er lehnt ab, weil er sich schon entschuldigt habe.

Nun verurteilen die Richter Ineichen wegen Nötigung und Tätlichkeit zu 300 Franken Busse. Indem er den Knaben weggeführt habe, habe Ineichen nicht angemessen reagiert, stellt das Gericht fest. Selbst die Provokation durch den Knaben rechtfertige es nicht, Gewalt anzuwenden.

Ineichen zieht das Urteil weiter ans Luzerner Obergericht, doch dieses lehnt die Beschwerde ab. «Ich habe nichts anderes versucht, als einen Konflikt auf vernünftige Weise zu lösen», sagt er. Das wolle das Gericht nicht anerkennen, deshalb ist sein Vertrauen ins Rechtssystem «aufs Schwerste erschüttert». Ineichen kann nach dem, was ihm widerfahren ist, verstehen, dass Leute, denen Unrecht geschehen ist, ausrasten können.

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