Rümlang ZHTagesmütter legen sich mit Gemeinde an

«Wir weigern uns»: Tagesmutter Marion Vogt und Maria Rodriguez (rechts), Mutter zweier Kinder. Bild: Ornella Cacace

Eltern sollen für Tagesmütter doppelt so viel zahlen. In Rümlang ZH wehren sich Betroffene gegen diese Pläne.

von Rebecca Wyssaktualisiert am 2017 M06 22

Auf dem Papier hat die Zusammenarbeit der Gemeinde Rümlang mit dem Verein Tagesfamilien Zürcher Unterland (TFZU) nur Vorteile: Rümlang muss sich nicht mehr um die Administration kümmern, die Tagesmütter arbeiten nicht mehr als Selbstständige, sondern erhalten die Vorteile der Angestellten. Im Gegenzug müssen sie Betreuungskurse absolvieren und werden beaufsichtigt. Das soll den Eltern die Sicherheit geben, dass die Kinder in kompetenten Händen sind.

Doch das von der Gemeinde eingefädelte Modell stösst bei Tagesmüttern und Eltern auf breiten Widerstand. Der Hauptgrund: Die Kosten für die Eltern sind plötzlich doppelt so hoch.

Bisher kostete die Betreuung 54 Franken pro Tag und Kind, egal, wie lang es bei der Betreuerin weilt. Neu zahlen die Eltern mindestens 11.25 Franken pro Stunde und Kind – also rund 113 Franken pro Zehnstundentag. «Preise wie in einer Kita. Wir werden uns die Betreuung schlicht nicht mehr leisten können», kritisiert Maria Rodriguez, Bäckerin und Mutter zweier Kinder, die seit Jahren von einer Tagesmutter betreut werden. Für sie steht fest: «Wir treten dem Verein auf keinen Fall bei.»

So denken viele Eltern. Andere aber können es sich nicht leisten, aufmüpfig zu sein. Denn Rümlang setzt Druck auf: Subventionen soll künftig nur noch erhalten, wer dem Verein beitritt.

Die Tagesmütter selbst stecken in der Zwickmühle. Treten sie dem Verein bei, verlieren sie Kinder, zu denen sie langjähriges Vertrauen aufbauen konnten, bleiben sie draussen, verlieren sie Schützlinge, deren Eltern Subventionen erhalten. Laut Tagesmutter Marion Vogt zeichnet sich aber ein klarer Trend ab: «Die meisten von uns melden sich nicht an.» Tatsächlich haben sich beim TFZU bislang gerade mal zwei der rund zehn Tagesmütter aus dem Dorf beworben.

Geld für Lohn, Werbung und Kurse

In den Nachbargemeinden hat man keine solchen Probleme. Niederhasli und Oberglatt bleiben vorerst beim alten System. «Es ist nicht in unserem Interesse, dass sich die Kinderbetreuung für die Eltern verteuert», sagt Daniel Frei, Niederhaslis Sozialvorsteher. Auch er wundert sich: «Warum verteuert sich die Betreuung so stark?» Am Lohn alleine kann es nicht liegen. Im Verein verdienen die Tagesmütter ein bis zwei Franken mehr pro Stunde und Kind. Der TFZU rechnet vor, dass er für Sozialleistungen, Ferien, Kurse, Mitarbeitergespräche und Werbung aufkommen muss.

Im Rümlanger Gemeinderat versteht man den Ärger nicht. «Überraschend, dass die Tagesmütter so wenig Interesse am Verein zeigen», sagt Sozialvorsteherin Rosita Buchli. Zumal sie damit besser abgesichert wären. Sie bestreitet, die Betroffenen übergangen zu haben. «Der Gemeinderat hat einen Beschluss gefällt und die Tagesmütter früh informiert.»

Die sehr wohl, nicht aber die Eltern. «Uns hat keiner gefragt, was wir wollen», sagt eine Mutter, die anonym bleiben will. Die Eltern seien zwei Wochen vor der offiziellen Zusammenarbeit mit dem TFZU informiert worden. «Plötzlich standen wir vor vollendeten Tatsachen – und doppelt so hohen Kosten.»