Ein Knall, ein Treffer. Die Tontaube zersplittert und prasselt mitsamt der Schrotmunition auf die Jagd- und Sportschiessanlage Bergfeld in Hinterkappelen BE. Seit 1961 betreiben die Schützen hier ihren Sport. Das Schiesstraining bedeutet für etliche Dorfbewohner unerträglichen Lärm. «Zumal hier im­mer mehr geschossen wird», wie Anwohner Bruno Bachmann sagt. Sport­schützen und Jäger schiessen an vier Tagen pro Wo­che. Bachmann hat deshalb im Dorf 1100 Unterschriften für bessere Lärm- und Umweltschutzmassnahmen ge­sammelt. «Je mehr Schiessplätze zugehen, desto mehr Schützen kommen hierher – sogar aus dem Ausland», beklagt er sich.

Laut dem Berner Schiessplatzexperten Walter Meer wird der Schiesstourismus ins Bergfeld dadurch gefördert, dass hier kantonale Jungjäger-Prüfungen abgenommen werden. Zudem verpflichten viele Kantone ihre Jäger zu häufigeren Übungen. Diese können auf irgendeiner Anlage in der Schweiz absolviert werden.

Ob in der Anlage tatsächlich immer mehr geschossen wird und woher die Schützen kommen, ist indes nirgends dokumentiert. Der Betreiber, der Jagdschüt­zenverein Bern, führt darüber keine Statistik. Vereinspräsident Walter Ramseier macht eher einen Abwärtstrend aus: «Es gibt immer weniger Sportschützen.» Doch zugleich seien die Anwohner weniger tolerant. «Die Klagen kamen mit der Bauerei», so Ramseier. In den letzten 20 Jahren sind der Siedlungsrand von Hinterkappelen und die Schiessanlage beinahe zusammengewachsen. Ein Umzug kommt nicht in Frage, aus umwelttechnischen Gründen: Rudolf Kläy vom kantonalen Amt für Wasser und Abfall hält es für kaum denkbar, dass heute eine Anlage in dieser Grösse an einem neuen Ort bewilligt würde.

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Lärmschutz mit Gratismaterial?

Die Betreiber der Schiessanlage wollen zwar sanieren: Neben der amtlich geforderten Umzäunung des mit Blei kontaminierten ­Ge­ländes wollen sie alte Autobahn-Lärmschutzwände aufstellen – ein Geschenk des Kantons. Dies, obwohl Experte Walter Meer betont, das Bergfeld entspreche den Lärmschutzvorschrif­ten. Gegen das Bau­gesuch haben die Anwohner Einsprache erhoben. Sie vermuten eine «Mogelpackung». Denn ob die Wände zum Schutz gegen Schiesslärm geeignet sind, ist unklar. Ein schwacher Trost für jene Dorfbewohner, die effektivere Massnahmen fordern: Der Kanton Bern will sämtliche Jagd- und Sportschiess­anlagen auf ihren Sanierungsbedarf hin über­prüfen – bis spätestens 2016.