«Anfragen werden nur von unserem Anwalt beantwortet», heisst es bei der Dorfkorporation Trübbach SG. Dafür redet Alfio Caria (Bild) Klartext. Der Eigentümer des Restaurants Bahnhof befindet sich im Streit mit den Dorfgewaltigen. «Im Kanton St. Gallen darf eine Dorfkorporation offenbar tun und lassen, was sie will. Schliesslich sitzt sie am Stromschalter und kann jedermann einfach den ‹Saft› abdrehen.» Die Oberen würden dann schon Wege finden, «dem kleinen Bürger so viele Steine in den Weg zu legen, dass sich ein Prozessieren nicht mehr lohnt».

Der Streit zwischen der Dorfkorporation und der Familie Caria begann vor anderthalb Jahren. Alfio Carias langjähriger Pächter hatte sich klammheimlich abgesetzt und hinterliess mehrere tausend Franken Mietschulden. Kurze Zeit später schickte die Dorfkorporation Caria einen eingeschriebenen Brief und forderte Fr. 10914.60 – für offene Strom- und Wasserbezüge des verschwundenen Mieters.

Präsident droht mit Stromboykott Doch Caria fühlt sich nicht verantwortlich. «Die Leistungen hat ausschliesslich mein ehemaliger Mieter bezogen.» Dann taucht der Präsident der Dorfkorporation im Restaurant auf und droht mit dem Abstellen von Strom und Wasser, falls Caria nicht sofort 10000 Franken hinblättere. Der bedrängte Eigentümer bezahlt unter Protest und nimmt sich einen Anwalt.

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Zuerst werden die Reglemente zum Wasser- und zum Strombezug überprüft. Tatsächlich haftet der Eigentümer für offene Wasserrechnungen des Mieters, was Caria wohl oder übel akzeptiert. Im «Reglement über die Abgabe elektrischer Energie» findet sich jedoch kein entsprechender Passus. Bezahlen muss der Bezüger. Nur wenn keine Zuordnung möglich ist, geht die Rechnung an den Hauseigentümer.

Dorfkorporation blockt Rekurs ab

Alfio Caria wittert Morgenluft und fordert sein Geld zurück. Doch die Parteien können sich nicht einigen. Der Ton wird schärfer, und die Dorfkorporation weigert sich, eine rekursfähige Verfügung über die eingeforderten Beträge zu erlassen. Später bezeichnet sie einen eingeschriebenen Brief als «Verfügung», obwohl dort kein Hinweis auf eine Rekursmöglichkeit steht.

Nächste Runde: Alfio Caria klagt beim St. Galler Regierungsrat, doch dieser tritt nicht auf die Klage ein. Zuerst müsse eine Verfügung erlassen werden, verlangt das zuständige Baudepartement. Als Carias Anwalt erneut in Trübbach insistiert, tut er dies offenbar ein paar Tage zu spät.

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Alfio Caria zieht die Notbremse, denn weiter zu prozessieren bringt nichts. Als Draufgabe muss er der Dorfkorporation 1500 Franken an die Prozesskosten zahlen. «Jetzt habe ich die Zwei am Rücken», sagt Caria, «alles in allem müssen wir rund 70000 Franken abschreiben.» Nur moralisch kann er sich als Sieger fühlen. Denn «der vorliegende Fall gab Anlass, das Reglement für die Energieabgabe zu verdeutlichen», schreibt der Anwalt der Dorfkorporation Trübbach. Neu haften jetzt die Grundeigentümer Trübbachs solidarisch für die Energiekosten ihrer Mieter.

Wie viele Eigentümer in der Vergangenheit ohne Rechtsgrundlage zur Kasse gebeten wurden, will man in Trübbach nicht beziffern. Es komme sehr selten vor, und «Anstände konnten bisher immer einvernehmlich gelöst werden». Den Fall Caria hat man dabei wohl ausgeklammert.

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