Psychex tritt unzimperlich auf. Unter dem Slogan «Raus aus dem Irrenhaus» leistet der Verein Zwangspsychiatrisierten anwaltschaftliche Dienste. In seinen Worten «befreit» er «psychiatrisch Verfolgte» aus der Klinik.

Doch nun fühlt sich Psychex selbst als Opfer: Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) fordert, Psychex solle 413000 Franken Subventionen zurückzahlen. So viel bekam die Beratungsstelle von 2011 bis 2014 aus dem Topf der Invalidenver­sicherung. Anrecht darauf haben Organisationen mit mehr als 50 Prozent IV-Bezügern unter den Klienten.

Es steht Aussage gegen Aussage

Laut Harald Sohns vom BSV kamen bei der Kontrolle der von Psychex gelieferten Daten Zweifel an der Subventions­berechtigung auf. Darauf hätte Psychex belegen müssen, dass 50 Prozent der Klienten IV-Bezüger seien. Doch die Belege seien nicht vollständig gewesen.

Roger Burges, Generalsekretär des Vereins Psychex und Anwalt, stellt die Sachlage anders dar. Konkret hätte der Verein Namen und Geburtsdaten seiner Klienten ans BSV liefern sollen. Da dies das Anwaltsgeheimnis verletzt hätte, habe man erst die Herausgabe eines Teils der Daten verweigert. Nachdem die St. Galler Anwaltskammer aber grünes Licht gegeben habe, habe man die geforderten Informationen geliefert.

Das BSV verneint das: «Trotz mehrmaliger Aufforderung und entgegen den vertraglichen Vereinbarungen sind die Daten nur unvollständig zugestellt worden.» Das BSV sei gesetzlich verpflichtet, die Subventions­berechtigung zu kontrollieren, und habe die rechtliche Kompetenz, diese Informationen einzufordern.

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Psychex bekommt seit über 15 Jahren Beiträge aus dem IV-Topf. Gemäss Jahresrechnung waren es 2013 rund 118'000 Franken – die Hälfte der Einnahmen des Vereins. Der Verlust dieser Gelder dürfte schwer zu kompensieren sein.

Psychex-Sekretär Burges vermutet «politische Interessen» hinter dem Subventionsentzug – Kritiker bezeichnen den Verein als fundamentalistisch. Burges: «Psychex wird es trotzdem weiterhin geben. Kapituliert wird nicht.» Der Verein hat nun vor Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhoben.