Der Anblick frisch gezogener Zähne ist nicht jedermanns Sache. Die meisten Patienten wenden sich angewidert ab – obwohl dabei auch schon mal Edelmetall ans Tageslicht kommt.

Was viele nicht wissen: Das Recycling von Zahngold bringt Geld, das einem guten Zweck zukommt. Rund die Hälfte aller Schweizer Zahnärzte empfehlen ihren Klientinnen und Klienten, die Goldkronen, -plomben und -brücken der Aktion «Altgold für Augenlicht» zu spenden, einem Gemeinschaftswerk des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) und der Schweizerischen Zahnärztegesellschaft. Letztes Jahr kamen aus Zahn- und Schmuckgoldspenden über 40 Kilo zusammen. Laut Beatrix Spring, Projektleiterin der Aktion beim SRK, trug Zahngold einige Kilogramm dazu bei. Der Erlös wird seit über 20 Jahren für Staroperationen und Präventionsmassnahmen gegen die Erblindung in Asien und Afrika eingesetzt.

Zahngold gehört Patienten
Wie die andere Hälfte der Zahnärzte das Zahngold verwerte, lasse sich nicht eruieren, sagt Max Schatzmann, ehemaliger Zahnarzt und Initiant von «Altgold für Augenlicht». Grundsätzlich gehört das Gold den Patienten. Diese können es mit nach Hause nehmen oder sich den Gegenwert vergüten lassen. Fragt sich allerdings, wie viele Zahnärzte ihre Patienten darauf hinweisen. Schatzmann: «Es gibt sicher ein paar schwarze Schafe, die das Gold in die eigene Tasche stecken.»

Nach einigen Jahren Praxistätigkeit kommen rasch ein paar hundert Gramm des Edelmetalls zusammen. Zahnärzte, die das Gold nicht spenden wollen, müssen nicht lange nach Abnehmern suchen: Spezialisierte Firmen grasen regelmässig sämtliche Praxen der Schweiz ab, um das Edelmetall aufzukaufen.

So gibt beispielsweise ein Aargauer Zahnarzt an, allein im letzten Herbst fünf Telefonanrufe von deutschen Vertretern bekommen zu haben, die einen guten Preis für Zahngold anboten. Ein Zürcher Berufskollege erhält vor allem Anfragen aus Frankreich.

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4000 Franken Gewinn pro Kilo
Die Vertreter, in der Regel Mitarbeiter von Edelmetall-Schmelzfirmen, kaufen die Zahnkronen zum Altgoldpreis von rund 12'000 Franken pro Kilogramm ein und bringen es nach der Raffinierung wieder als Neugold für 16'000 Franken pro Kilogramm auf den Markt. «Grundsätzlich ist dieses aggressive Geschäftsgebaren nicht unlauter», sagt Paul Marti, Leiter der schweizerischen Edelmetallkontrolle. Die Firmen müssen allerdings im schweizerischen Handelsregister eingetragen sein und den rechtmässigen Erwerb des Goldes belegen können.

Doch nicht alle Firmen arbeiten mit sauberen Methoden. So sind dem SRK Vertreter einer britischen Firma bekannt, die auf ihrer Sammeltour angegeben hatten, den Erlös «Altgold für Augenlicht» zukommen zu lassen. Beatrix Spring: «Das traf sicher nicht in jedem Fall zu.»

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