An Interessenten mangelte es nicht. Sie kamen aus Deutschland, aus Polen aus aller Welt: Journalisten und Verleger, die sich beim Beobachter eine tolle publizistische Idee erhofften.

Unvergesslich etwa der Besuch einer Delegation aus Aschchabad das liegt in Turkmenistan, am Kaspischen Meer. Es war eine fröhliche Runde, die da zusammensass. Glasnost in Glattbrugg, dem damaligen Redaktionssitz des Beobachters. Kurz vor dem dritten Wodka erkundigten sich die wissensdurstigen Apparatschiks nach wirklich Hochprozentigem: «Und wie seid ihr Journalisten am Kapital beteiligt?» Uns blieb nur der Blick ins leere Glas, und die turkmenischen Berufskollegen kontrollierten, leicht ernüchtert, die Rückflugtickets der Aeroflot.

Sind wir Schweizer so einzigartig oder so eigenartig? Oder vielleicht beides? Jedenfalls gibt es bis heute, weit über unsere Alpenrepublik hinaus, keine Einrichtung, wie sie der Beobachter darstellt: populäres Magazin und erfolgreicher Buchverlag, grosses Beratungszentrum und gemeinnützige Stiftung. Und als ganze Institution von jeher dem Einsatz für Recht und Gerechtigkeit verpflichtet.

«Im Ausland», sagt der Medienwissenschaftler Roger Blum, «ist mir nur ein einziges Medium bekannt, das sich teilweise mit dem Beobachter vergleichen lässt: Argumenti i Fakti in Russland.» Das Wochenblatt verdankt seine Millionenauflage einer speziellen Mission: «Ziel ist es, den Menschen zu helfen».

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Den Menschen helfen: Dem hat sich auch der Beobachter verschrieben, seit 75 Jahren. Da war die Sorge breiter Bevölkerungsschichten um ihre materielle Existenz; da gabs den Kampf ganzer Bevölkerungsgruppen um Bildung und Rechte. Und heute? Überall wird dereguliert und globalisiert in rasendem Tempo. Die Welt wird immer komplexer, mobiler, unpersönlicher. Was gibt uns Halt? Wer bietet Orientierung? Wo bleiben die verbindlichen Werte?

Der deutsche Kommunikationstheoretiker Norbert Bolz ist überzeugt: «Wir alle sind durchdrungen von einer Sehnsucht nach Transparenz, Klarheit, Ehrlichkeit.» Die Sehnsucht ist seit dem 11. September 2001 brennender denn je. Nötig sind glaubwürdige Informationen und verlässliche Werte nicht aufgeregte Thesen oder schöne Beliebigkeit. An dieser Sehnsucht orientiert sich der Beobachter. Kaum je in Turkmenistan. Doch um so engagierter in der Schweiz.

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