1. Home
  2. Ernährung
  3. Ernährung: So finden Sie versteckten Zucker

ErnährungSo finden Sie versteckten Zucker

Schokolade und Schleckzeug sind ungesund, das weiss jedes Kind. Doch Zucker versteckt sich auch da, wo wir ihn nicht erwarten. Zum Beispiel in Zwieback.

Würden Sie ein Glas voller Würfelzucker trinken? Das passiert schneller, als Sie ahnen.
von und aktualisiert am 21. August 2017

Wussten Sie, dass in einer Packung gedörrter Äpfel 35 Stück Würfelzucker stecken? Und dass ein Glas Granini-Orangensaft so viel Zucker liefert wie ein gleich grosses Glas Coca Cola? Dass klebrige Donuts und cremige Torten ungesund sind, ist bekannt. In vielen Fällen wird Zucker aber auch unbewusst konsumiert: Versteckter Zucker befindet sich in Lebensmitteln, die wir nicht primär zu den Süssigkeiten rechnen würden.

Besteht gerade kein Energiebedarf, werden die Depots (Glykogenspeicher) gefüllt und der Körper bildet Fettzellen. Dadurch können Übergewicht und Folgeerkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen entstehen. Ausserdem schädigt ein regelmässig hoher Blutzuckerspiegel Gefässe und Nerven.

Gute Gründe, den Zuckerkonsum einzuschränken. Das ist jedoch gar nicht so einfach.

Lesen Sie die Fortsetzung des Artikels unter der Bildergalerie. 

Versteckter Zucker

1|6
Die Tomatensauce mit Basilikum von Barilla enthält 7,2 Gramm Zucker auf 100 Gramm – also fast 2 Würfelzucker à 4 Gramm. Auch Salatsaucen können viel Zucker enthalten: Im italienischen Dressing von M-Budget wird bei zwei Esslöffeln schon ein halbes Stück Zucker mitgeliefert.
Getty Images

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, höchstens zehn Prozent der täglichen Kalorien in Form von Zucker aufzunehmen. Bei 2000 Kalorien Grundbedarf wären das maximal 50 Gramm. Wer zum «Zmorge» also ein Glas Orangensaft (26,4 Gramm) und ein Fruchtjoghurt (17 Gramm) zu sich nimmt, hat diesen Wert schon beinahe erreicht.

So finden Sie versteckten Zucker

Es lohnt sich deshalb, auch einen Blick auf  vermeintlich gesunde Lebensmittel zu werfen. Wer ein Produkt auf seinen Zuckergehalt prüfen will, hat zwei Möglichkeiten:

Die Nährwerttabelle

In den meisten Fällen wird Zucker auf der Nährwerttabelle unter den Kohlenhydraten separat ausgewiesen (vergleiche Bild). Ansonsten werden Zucker und Zuckerarten den Kohlenhydraten zugerechnet.

Die Zutatenliste

Nährwerttabellen können auf Verpackungen fehlen, die Angabe der Inhaltsstoffe ist jedoch obligatorisch. Die Zutatenliste kann Aufschluss über den Zuckergehalt geben. Allerdings nur, wenn man weiss, dass Zucker verschiedene Namen hat, drunter Saccharose, Rübenzucker, Vollrohrzucker, Kokosnektar, Blütennektar, Invertzucker, Melasse, alle Siruparten, Honig, Traubenzucker, Glucose, Fructose, Fruchtzucker, Malzzucker, Birnendicksaft (Birnel) oder weitere Dicksäfte. 

Je weiter vorne der Zucker erwähnt ist, desto mehr davon ist im Produkt enthalten. Doch Vorsicht: Werden verschiedene Zuckerarten in kleineren Mengen verwendet, rutschen diese auf die hinteren Plätze der Zutatenliste.

Welche Verantwortung hat der Staat?

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat den stetig zunehmenden Zuckerkonsum als ernstzunehmende Gefahr für die Volksgesundheit eingestuft. Die neue Lebensmittelverordnung, welche per 1. Mai 2017 in Kraft getreten ist, verspricht Konsumenten einen besseren Schutz vor Täuschung. Genau das ist aber nicht der Fall – wir haben in «Die Zuckerlobby hat gewonnen» darüber berichtet. So wird Zucker zwar wie vorgeschrieben auf der Zutatenliste deklariert, in vielen Fällen jedoch nicht in den Nährwertangaben, dem sogenannten «Foodprofil». Das Fehlen der exakten Mengenangabe wird mit «Platzmangel auf der Etikette» erklärt.

Letztendlich bleibt es in der Eigenverantwortung des Konsumenten, seinen Konsum kritisch zu hinterfragen. In weniger Selbsttäuschung liegt das grösste Verbesserungspotenzial, wenn es um Zuckerreduktion geht.

«Jeden Freitag direkt in Ihre Mailbox»

Jasmine Helbling, Online-Redaktorin

Jeden Freitag direkt in Ihre Mailbox

Der Beobachter Newsletter

Bitte melden Sie sich an, um zu diesem Artikel zu kommen­tieren.

2 Kommentare

Sortieren nach:Neuste zuerst
mondai
Die andere Seite der Medaille ist, dieses Jahr habe ich mich wie die Jahre zuvor auf die grossen Zimtsterne, Brunsli usw. der Migros gefreut. Aber hoppla, dieses Jahr habe ich mir sie gleich wieder abgewöhnt, weil das nicht mehr Weihnachtsguezli waren - es fehlte die vollmundige Süssigkeit, obwohl sie zu rund 50% aus Zucker und -derivaten bestanden! Irgendwas läuft da nun völlig schief!
mondai
Die Empfehlung der WHO bezüglich raffiniertem Zucker ist zwischenzeitlich bei 25g pro Tag angelangt. Der Becher mit 9g Zucker müsst da also knallrot als Farbe haben und nicht das unbedenkliche grün wie auf dem Bild! Die SSG hat 50g raffinierte Zufuhr von Zucker als tägliche Maximalempfehlung. Die 9g Zucker des Bechers, also 3 Würfelzucker, wären also knapp 20%. Einzig die Etiketten von Lebensmitteln beinhalten jedoch die Empfehlung von 90g Zucker täglich! Das entspricht 3 kg Zucker pro Monat, also gleichviel, wie 1850 pro Jahr und Person durchschnittlich konsumiert wurde! Nur mit "Eigenverantwortung" wird das Thema zuviel konsumierte raffinierte Lebensmittel und steigende KK-Prämien nicht zu lösen sein. Da wird es den Weg übers Portemonnaie zugunsten der KK-Prämien brauchen, damit Zucker in spürbaren Mengen vermindert konsumiert wird. Denn noch zuviele Produkte, wie z.B. Frühstücksflocken, Fruchtsäfte, Konfitüre, Müesliriegel, Süssgetränke, Fruchtjoghurts usw., die im Prinzip als Desserts behandelt werden müssten, werden als "gesund", "ausgewogen" usw. z.B. fürs Frühstück beworben - solche Werbekonzepte sind doch völlig krank, das die Konsumierenden krank machen darf auf lange Sicht.