Dodo Hug sei die «Ulknudel der Schweizer Kleinkunst», schrieb einmal ein Kritiker. Der Versuch, ihrem sardischen Ehemann, dem Gitarristen Efisio Contini, diesen Begriff zu übersetzen, misslingt: Er kann weder mit «pasta comica» noch mit «tagliatelle scherzose» etwas anfangen. Ist auch egal, Dodo Hug findet die Bezeichnung «sowieso doof». Immerhin sind wir mit dieser Diskussion beim Essen angelangt.

Dodo Hug hat sich für ein leichtes Mittagsmahl entschieden – «nicht zuletzt meiner Figur zuliebe». Sie wisse sehr wohl, was kalorienarm, gesund und trotzdem fein sei, sagt sie. Dennoch kämpfe sie unentwegt gegen ihr Übergewicht. «Die meisten Leute meinen, ich hätte kein Problem damit. Doch das stimmt nicht.» Als sie vor ein paar Jahren mit dem Rauchen aufhörte, büsste sie das mit vielen zusätzlichen Kilos. «Das hat mir zu schaffen gemacht.»

In Hugs Kindheit war das Essen nicht immer ein Spass; oft wurde es als Druckmittel verwendet. Entweder hiess es, die Sonne werde nicht scheinen, wenn sie den Teller nicht leer esse – oder sie wurde bestraft, indem man sie ohne Essen ins Bett schickte. Trotz allem isst Dodo Hug heute sehr gerne und empfindet den Genuss als sinnliche Erfahrung, auf die sie nicht gänzlich verzichten möchte.

Ihre Liebe zum Entertainment konnte Dodo Hug schon in jungen Jahren ausleben. Als 14-Jährige trat sie zum ersten Mal im elterlichen Wirtshaus in Schindellegi vor Publikum auf und imitierte Roy Black, Caterina Valente und Edith Piaf. Später erweiterte sie das Repertoire um die Beatles und die Bee Gees sowie unzählige Folkmusiker. An eine musikalische Karriere habe sie damals aber keine Sekunde gedacht: «Meine Freunde und ich waren Hippies und standen jeglichem Starkult skeptisch gegenüber.»

Griechischer oder japanischer Gratin?
Hug bereitet einen Gratin zu, der den exotischen Namen «Za-Zu-To» trägt. Das töne ein wenig nach dem griechischen «Tsatsiki», findet sie, während Efisio eher etwas Japanisches herauszuhören glaubt. Doch in Wirklichkeit hat Dodo den Namen aus den Hauptzutaten zusammengesetzt: Zander, Zucchetti und Tomaten. Und schon sind wir wieder bei Sprachakrobatik und Wortspielen, was für das Duo, das privat und musikalisch seit vielen Jahren zusammenhält, zum täglichen Brot gehört.

Hug lebt in einem Mietshaus, dessen Wohnungen sie fast alle schon einmal bewohnt hat. «Hin und her und rauf und runter bin ich gezügelt.» Nach einem kurzen Abstecher nach Thalwil Mitte der neunziger Jahre kam sie zurück nach Zürich-Enge, wo sie vor Jahrzehnten mit ihrem damaligen Partner, dem Theaterregisseur und Musiker Christoph Marthaler, eine Künstler-WG gegründet hatte.

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Von Interpretin zu Vollblutmusikerin
Dodo Hugs Leben ist die Musik. Man möchte präzisieren und den Gesang, den sie in allen Ton- und Spielarten so perfekt beherrscht, an vorderster Stelle sehen. Sie aber sieht ihren Beruf als «vielseitige Herausforderung» – was heisst: Sie behält immer und überall die Fäden in der Hand. Für die neuste CD, «kiné, kinà, kinò?», hat sie, gemeinsam mit Efisio Contini, Texte und Arrangements geschrieben, Studiosessions geleitet, das Cover gestaltet, Interviews gegeben – bei allem ist sie mit viel Liebe zum Detail dabei. «Pingelig?» Ja, das sei sie schon, gibt Hug nach kurzem Zögern offen zu. «Von den beiden Bands ‹Tarot› und ‹Mad Dodo› bis zur heutigen Formation mit Efisio habe ich mich von der Interpretin zur Vollblutmusikerin entwickelt.»

Seit 30 Jahren beweist Dodo Hug nicht nur ihre musikalischen und sprachlichen, sondern auch ihre mimischen und tänzerischen Talente. Sie sei eben ein Bewegungsmensch, sagt sie – «viel unterwegs und mindestens zweimal pro Woche im Fitnesstraining». In diesen Bereich investiere sie beinahe ebenso viel Zeit wie in die Musik, sagt die Künstlerin. Daher rührt wohl auch das Graziöse und Elegante in ihrem Auftreten.

Wir schichten Gemüse und Fische in die Backform. Auch hier zeigt sich Madame Dodo als genaue Handwerkerin. Minuziös kontrolliert sie die Reihenfolge von Zander, Zucchetti und Tomaten – auf dass das dreifarbige Muster nicht durchbrochen werde: Grün, Rot, Weiss.

Während der Gratin im Ofen schmort, reden wir über Hugs Rolle als Jurymitglied des Prix Courage, den der Beobachter am 27. September zum sechsten Mal verleiht. Gemeinsam mit Jacqueline Fehr, Myrtha Welti, Ralph Krueger, Franz Steinegger, Bruno Franzen und alt Bundesrat Otto Stich wird sie entscheiden, wer unter den zehn nominierten Kandidaten den Preis erhält.

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Welche Art von Mut imponiert Dodo Hug? «Ich finde, dass Zivilcourage ausgezeichnet werden sollte, denn solcher Mut hat einen nachhaltigen Charakter. Ich habe vor jenen Menschen am meisten Respekt, die sich ohne Rücksicht auf eigene Nachteile wiederholt für eine Sache oder jemand anderen einsetzen.» Leider interessierten sich viele Menschen nur für sich selbst, meint sie und präzisiert ihr Gefühl mit einer spielerischen Wortschöpfung: «Ich empfinde unsere Gesellschaft als ziemlich egoleptisch.»

Efisio Contini, der sich während des Kochens zurückgezogen hat, stösst wieder zu uns und erzählt aus seiner ehemaligen Heimat. Einmal pro Jahr reist das Paar nach Cagliari, um Efisios Mutter, Bruder und Verwandte zu besuchen. Dodo Hug liebt Sardinien, nicht zuletzt wegen des hervorragenden Essens: «Aber man muss aufpassen, sonst wird man voll gestopft – aus lauter Liebe.»

Repept: Gratin «Za-Zu-To»

Zutaten für 4 Personen

  • 600 Gramm Zanderfilets
  • 400 Gramm Zucchetti
  • 400 Gramm Tomaten


Marinade
:

  • 1,5 Deziliter Milch
  • 3 Knoblauchzehen, gepresst
  • 1 Hand voll Basilikumblätter
  • geriebene Schale einer halben Zitrone


Guss:

  • 250 Gramm Magerquark, wenig Milch,
  • 1 verquirltes Ei
  • 1 Briefchen Safran, 2 gepresste Knoblauchzehen, Basilikumblätter, Pfeffer und Salz


Zubereitung:

  • Fischfilets marinieren und eine Stunde im Kühlschrank ziehen lassen.
  • Zucchetti der Länge nach in zirka vier Zentimeter dicke Scheiben schneiden, leicht salzen und al dente dämpfen.
  • Tomaten häuten, in Scheiben schneiden, salzen und mit den Zucchetti und dem Fisch in einer mit Olivenöl ausgepinselten, feuerfesten Form aufschichten und den Guss darüber verteilen.
  • 20 Minuten bei zirka 220 Grad gratinieren.


Servieren
: Mit Gschwellti oder Reis und einem trockenen Weisswein servieren.

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