Patientenverfügung und VorsorgeauftragIch sage, was mit mir passiert

Sollten Sie aufgrund eines Unfalls nicht mehr in der Lage sein, selbst zu entscheiden, kann ein Vorsorge-Beauftragte zum Beispiel Zahlungen für Sie erledigen. Bild: Getty Images

Schwere Erkrankung, Unfall oder Tod: Wer dafür Vorkehrungen trifft, stellt sicher, dass sein Wille weiter gilt – und erspart Angehörigen manches Ungemach.

von Alexandra Gavriilidisaktualisiert am 2016 M05 20

Für Notfälle alles regeln, so wie ich es will: Das ist nicht immer einfach – das Gesetz setzt ein relativ enges Korsett. Eine gewisse «mass­geschneiderte» Selbstvorsorge ist aber möglich. Die wichtigsten Fragen und die Antworten dazu finden Sie im Folgenden.

Was, wenn ich nicht mehr urteilsfähig bin?

Vorsorgen für medizinische Behandlungen

Was würde passieren, wenn Sie einen schweren Autounfall oder Hirnschlag erleiden und nicht mehr ansprechbar wären? Wer bestimmt über Ihr Leben?

In Notfällen entscheiden die behandelnden Ärzte über die medizinischen Massnahmen beim nicht ansprech­baren Patienten – in dessen Interesse und gemäss seinem mutmasslichen Willen. In nicht dringlichen Fällen klärt das Behandlungsteam ab, ob der Patient eine Patientenverfügung hat, in der er Anordnungen getroffen hat.

Tipp: In einer Patientenverfügung können Sie eine medizinische Vertretungsperson bestimmen und andere Anweisungen festhalten.

Keine Patientenverfügung: Wer entscheidet?

Wenn Sie das nicht tun, gilt die folgende gesetzliche «Rangordnung» für Ansprechpartner als medizinische Vertretungsperson:

  1. der Beistand oder die Beiständin mit einem Vertretungsrecht bei medizinischen Massnahmen;
  2. der Ehegatte/die Ehegattin, die eingetragene Partnerin oder der eingetragener Partner;
  3. der Konkubinatspartner/die Konkubinatspartnerin;
  4. die Nachkommen;
  5. die Eltern;
  6. die Geschwister

Medizinische Vertretungsperson werden die genannten Personen nur, wenn sie sich regelmässig und persönlich kümmern und Beistand leisten. Sonst werden es die sich kümmernden Angehörigen der nachfolgenden Kategorie.

Im Zentrum stehen immer der mutmassliche Wille und die Interessen des urteilsunfähigen Patienten. Die vertretungsberechtigte Person hat das zu beachten und darf nicht nach eigenem Gutdünken entscheiden.

Tipp: Wenn Sie nichts schriftlich festhalten wollen, sollten Sie mit Angehörigen darüber reden, welche Behandlungen Sie wünschen oder ablehnen – und wie Sie sterben wollen. Die Angehörigen müssen natürlich Ihren Willen kennen, um Ihnen in Ihrem Sinne beistehen zu können.

Vorlagen: Muster von Patientenverfügungen finden Sie unter anderem bei Caritas, Pro Senectute oder Dialog Ethik. Ein komplettes Dossier mit weiteren hilfreichen Dokumenten und Mustervorlagen für die persönliche Vorsorge finden Sie auch im Beobachter-Ratgeber «Ich bestimme».

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Mehr zu Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Wird eine Person urteilsunfähig, empfiehlt es sich, rechtzeitig einen Vorsorgeauftrag sowie eine Patientenverfügung zu erstellen. Guider stellt seinen Mitgliedern dafür nicht nur eine praktische Vorlage zur Verfügung, sondern erklärt auch, welche Pflichten vorsorgebeauftragte Personen haben.

Vorsorgen, damit die Steuern und Rechnungen immer erledigt sind

Sollten Sie einmal nicht mehr in der Lage sein, die Steuererklärung auszufüllen, Rechnungen zu bezahlen oder Guthaben bei der Krankenkasse einzufordern, können Sie für diesen Fall per Vorsorgeauftrag eine Vertrauensperson bestimmen: Das Gesetz nennt diese die «Vorsorge-Beauftragte».

Kein Vorsorgeauftrag: Berechtigte Vertreter?

Ohne Vorsorgeauftrag können nur Ehegatten und eingetragene Partner/-innen den urteilsunfähig gewordenen Partner in alltäglichen finanziellen Angelegenheiten vertreten. Deshalb ist ein Vorsorgeauftrag gerade für Konkubinatspartner wichtig, die später nicht einen staatlich bestellten Beistand erhalten wollen.

Wichtig: Der Vorsorgeauftrag steht exklusiv jenen zur Verfügung, die sich erst ab ihrer allfälligen Urteilsunfähigkeit vertreten lassen wollen – und wird erst bei Urteilsunfähigkeit der «Auftraggeberin» wirksam.

Sich mit einer Vollmacht zu begnügen kann unzureichend sein, auch wenn Sie darin explizit festhalten, dass sie weitergelten soll, falls Sie urteilsunfähig werden. Die bevollmächtigte Person muss der Erwachsenenschutzbehörde die Urteilsunfähigkeit des Vollmachtgebers melden – so sieht es eine neuere Bestimmung im Auftragsrecht vor. Die Kesb prüft dann Schutzmassnahmen.

Hier hilft der Vorsorgeauftrag: Die früher von Ihnen eingesetzte Vorsorgebeauftragte kann ab Ihrer Urteilsunfähigkeit für Sie handeln.

Was, wenn ich sterbe?

Rascher Zugriff auf das Konto für den Lebensunterhalt

Banken sperren in der Regel das Konto verstorbener Kunden vorsorglich und verlangen für Bezüge einen Erbschein und die Zustimmung aller Erben. Das kann natürlich Hinterbliebene in finanzielle Nöte bringen.

Tipp: Setzen Sie Ihren Liebsten oder Ihre Liebste testamentarisch als Willensvollstrecker ein: So erhält er oder sie nach Ihrem Tod mit dem Willensvollstreckerzeugnis raschen Zugriff auf Ihr Konto.

Die letzte Ehre, die Wünsche für die eigene Bestattung

Die nächsten Angehörigen organisieren die Bestattung der verstorbenen Person. Wer keine Angehörigen hat, wer ganz bestimmte Personen mit der Organisation seines Begräbnisses betrauen will oder wer bestimmte Wünsche hat, sollte das in einer Bestattungsanordnung festhalten.

Tipp: Notieren Sie Ihre Bestattungs­anordnung mit Ihren Wünschen und Anweisungen zu Todesanzeige, Sarg, Grab, Bestattungsfeier nicht in Ihrem Testament, sondern separat. Das gilt besonders, wenn Sie das Testament amtlich aufbewahren lassen. Dass an Ihrer Beerdigung Frank Sinatras «I did it my way» abzuspielen sei, würde sonst zu spät bekannt. Beim Bestattungsamt Ihrer Wohngemeinde erfahren Sie, ob Sie Bestattungswünsche dort hinterlegen können.

Merkblatt: Ein Formular, wie Bestattungswünsche vereinbart werden können, finden Sie unter www.stadt-zuerich.ch

Der eigene Nachlass

Wenn man im Hinblick auf seinen Tod zu seinem Vermögen nichts vorkehrt, tritt die vom Zivilgesetzbuch vorgesehene Erbfolge mit den entsprechenden Erbteilen ein. Bei Verheirateten kommt zudem das Ehegüterrecht zur Anwendung.

Auch Alleinstehende, die keine Kinder haben und deren Eltern gestorben sind, wollen aber oft andere Personen oder Institutionen begünstigen als ihre Geschwister oder deren Nachkommen. Das können sie mittels Testament oder Erbvertrag tun.

Patchworkfamilien tun ebenfalls gut daran, Vorkehrungen zu treffen, wenn Ehe- oder Konkubinatspartner – Letzterer ist kein gesetzlicher Erbe – abgesichert werden sollen: unter anderem mit Erbeinsetzung, Nacherbeneinsetzung, Vermächtnissen, Nutzniessungen und Zuweisungen der freien Quote zulasten pflichtteilsgeschützter Erben.

Beachten Sie: Die maximale Begüns­tigung des Ehegatten mit Instrumenten des Ehe- und Erbrechts kann die (oft unerwünschte) Folge haben, dass die Nachkommen dereinst gar nichts mehr erben werden, wenn etwa der überlebende Ehegatte pflegebedürftig wird. Hier kann ­eine Demenz- oder Pflegebedürftigkeitsklausel im Erb- und Ehevertrag nützlich sein.

Tipp: Lassen Sie sich bei einer Erb-Anwältin oder einem Notar beraten.

  • Klären Sie ab, ob und unter welchen Voraussetzungen Ihre Pensionskasse eine Lebenspartnerrente vorsieht.
  • Prüfen Sie Lebensversicherungslösungen in jungen, gesunden Jahren.
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