Das Problem:

«Unsere 16-jährige Tochter hat mich in eine Lebenskrise gestürzt. Das finde ich anstrengend, mühsam und ungerecht. Sie hat von einem Tag auf den andern mit ihrem netten Freund Schluss gemacht; den «Neuen» können wir nicht leiden. Sie hat auch ihre gute Stelle aufgegeben. Die «Dargebotene Hand» hat ihr eine Therapeutin vermittelt. Leider will sie mit uns nicht über ihre Probleme reden. Sie ist trotzig und hält sich nicht an unsere Regeln. Ich bin völlig am Anschlag. Wie finden wir den «Rank»?»

Carla F.

Koni Rohner, Psychologe FSP:

Ich empfehle Ihnen folgendes Vorgehen: Bis Ihre Tochter 18 ist, sollten Sie die Elternrolle konsequent wahrnehmen und auf Einhaltung der dem Alter Ihrer Tochter angemessenen Regeln bestehen. Sie können Ihrer Tochter allerdings nicht vorschreiben, wen sie lieben soll. Liebe ist ein Geschenk, und nicht einmal Ihre Tochter selbst kann bestimmen, wen sie lieben will. Wenn Sie sich Sorgen machen wegen des neuen Freundes, dürfen Sie dies aber selbstverständlich sagen.

Sehr wichtig ist auch, dass Sie Ihrer Tochter zu verstehen geben, dass es Sie verletzt oder ärgert, wenn sie sich Ihnen gegenüber nicht öffnet. Sie können sie allerdings nicht dazu zwingen. Die Basis für Offenheit ist gegenseitiges Vertrauen. Offenbar stecken Sie aber momentan mit ihr in einem Machtkampf, und Vertrauen und Machtkampf passen einfach nicht zusammen. In dieser gespannten Atmosphäre ist es sonnenklar, dass sich Ihre Tochter verschliesst.

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Beruhigend ist, dass Ihre Tochter von einer Therapeutin unterstützt wird. Ich empfehle Ihnen, Vertrauen zu haben, dass der Therapieprozess fruchtbar voranschreitet und sich allmählich dadurch auch die Beziehung zwischen Ihnen und der Tochter wieder etwas entspannt. Achten Sie auch darauf, dass Sie deutlich unterscheiden, welches Ihre eigenen Probleme sind und welches die Probleme der Tochter. Es ist ein Zeichen von mangelnder Abgrenzung, wenn die Krise der Tochter Sie selber in eine Lebenskrise reisst.