«Ich bin 24 Jahre alt. Es geht mir aber weniger um mich als um meine Eltern. Sie sind seit fast 30 Jahren verheiratet und haben Schwierigkeiten, einander zu akzeptieren. Das äussert sich in häufigen Auseinandersetzungen. Weil ich jeweils beide Seiten verstehe, habe ich eine Art Pufferfunktion. Offenbar leiden beide auch unter sozialen Ängsten: Sie haben neben dem Partner kaum andere Bezugspersonen. Verschärfend kommt dazu, dass wir Kinder uns allmählich von ihnen lösen. Ich versuche übrigens, meine Schüchternheit in einer Therapiegruppe zu überwinden. »

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Sarah B.

Koni Rohner, Psychologe FSP:


Sie nehmen nicht nur eine Pufferfunktion ein, sondern Sie wurden und werden noch heute als «Therapeutin» der Eltern missbraucht. Es ist ein Naturgesetz, dass während der ersten zehn bis zwanzig Jahre die Eltern für ihre Kinder da sind und nicht umgekehrt.

Dass die Kinder die Probleme ihrer Eltern verstehen, aber nicht lösen können, ist die Regel. Denn erstens lieben Kinder beide Elternteile, und zweitens sehen sie beide Seiten von aussen. Zwar leiden die Söhne und Töchter unter den Spannungen und Konflikten und suchen schon allein deshalb nach einem Ausweg. Es ist aber nicht die Aufgabe der Kinder, auch nicht der erwachsenen, die sozialen oder psychischen Probleme der Eltern zu lösen. Sie wären damit auch überfordert.

Dass Sie einen Weg gefunden haben, an Ihren eigenen Sozialängsten zu arbeiten, ist ausgezeichnet. Erzählen Sie Ihren Eltern, dass Sie das machen und dass dies auch ältere Leute tun könnten, etwa in einer Paartherapie. Drücken Sie den Eltern gegenüber auch ruhig Ihre Besorgnis über ihre Eheschwierigkeiten und die doch recht grosse soziale Isolation aus. Aber machen Sie gleichzeitig deutlich, dass Sie als Aussenstehende diese Konflikte nicht lösen können.

Sie brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Sie sich von Ihren Eltern ablösen. Das ist der Lauf der Welt. Wenn Ihre eigenen Paarbeziehungen gelingen sollen, müssen Sie diesen Schritt machen. Salopp gesagt: Kommen Sie vom Helfertrip herunter und grenzen Sie sich liebevoll von den Schwierigkeiten der Eltern ab!