Susy Bucher liess sich mit 61 frühpensionieren. Mit dem Arbeiten hat die ehemalige Swissair-Angestellte aber nicht aufgehört. Sie bestimmt bloss selber, wann und für wen sie arbeitet. Und sie arbeitet unentgeltlich – ehrenamtlich, wie man sagt. «Mir geht es gut, gesundheitlich wie finanziell; warum sollte ich mich dann nicht um andere kümmern?», sagt die 74-Jährige. Als «Pink Lady» empfängt sie in der Zürcher Universitätsklinik Balgrist Patienten, als «Seniorin im Klassenzimmer» – so der Name des Projekts der Pro Senectute – verbringt sie wöchentlich einen Nachmittag mit Zweitklässlern. «Ich möchte den letzten Lebensabschnitt mit Dingen füllen, die mir bisher gefehlt haben», erklärt sie ihr Engagement.

Susy Bucher ist mit ihrem Einsatz nicht allein: Ehrenamtlich Tätige leisten in der Schweiz jährlich 704 Millionen Stunden private Hilfe oder unentgeltliche Arbeit. Arbeit, die laut Bundesamt für Statistik einem Wert von 31 Milliarden Franken entspricht. Und immerhin 84 Millionen Stunden, umgerechnet 3,7 Milliarden Franken, entfallen auf das Wirken von Senioren.

Statistisch betrachtet, kann es sich die heutige Generation der Frischpensionierten leisten, ehrenamtlich tätig zu sein: Geld haben die Senioren genug. Sie verfügen im Durchschnitt über mehr finanzielle Mittel als jede Generation zuvor, haben eine gute Bildung und Ausbildung und sind körperlich fit. Jeder fünfte dieser neuen Alten ist bereit, Gratisarbeit zu leisten. Manche tun es, ohne von Freiwilligenarbeit zu sprechen: Sie hüten Enkelkinder oder machen sich in Nachbars Garten nützlich. Fachleute sprechen in diesem Fall von informeller Freiwilligenarbeit – und bedauern, dass diese oft, anders als die formelle Freiwilligenarbeit in Verein oder Kirche, nicht anerkannt wird.

Wider Erwarten ist es nicht Langeweile, die Pensionierte motiviert, sich unentgeltlich für das Wohl anderer einzusetzen. Im Gegenteil: «Oft entscheiden sich Personen für eine freiwillige Aufgabe, die schon vor der Pensionierung stark engagiert waren», sagt Elsbeth Fischer von der Dachorganisation für Freiwilligenarbeit Benevol. Tatsache ist: Je höher Bildung und Einkommen sind, desto grösser das Engagement. Ausserdem sind Freiwillige in Hilfswerken mehrheitlich Frauen und häufig politisch linksorientiert, so das Resultat einer Studie der Universität Konstanz, die im Auftrag der Zewo, der schweizerischen Zertifizierungsstelle für gemeinnützige Organisationen, durchgeführt wurde.

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Die Beweggründe für Freiwilligenarbeit sind eine Mischung aus gemeinnützigen und selbstbezogenen Motiven. «Einerseits will man helfen und der Gesellschaft etwas zurückgeben, anderseits will man auch seinen Horizont erweitern und sich weiterentwickeln», sagt Hanspeter Herger, Leiter des Bereichs Freiwilligenarbeit bei der Caritas.

Gemäss Bundesamt für Statistik betätigen sich 80 Prozent der Freiwilligen «aus Spass», 74 betrachten ihr Engagement als gute Möglichkeit, zusammen mit anderen Menschen etwas bewegen zu können, 69 möchten anderen helfen, und 61 Prozent beurteilen das Zusammenkommen mit Menschen als wichtige Motivation.

Ein ehrenamtliches Engagement kann auch Ersatz sein fürs Berufsleben, das dem Alltag bisher eine Struktur gegeben, Begegnungen mit Menschen ermöglicht und für Anerkennung gesorgt hat. Dies alles fällt mit der Pensionierung weg. Umgekehrt droht in ein Loch zu fallen, wer nach der Pensionierung keine neue Aufgabe findet. «Anfangs mag es lustig sein, jeden Tag Ferien zu haben, aber mit der Zeit ist das nur noch langweilig», bringt es Elsbeth Fischer auf den Punkt.

Zudem belegt die internationale Vergleichsstudie Axa Retirement Scope, die auch in der Schweiz durchgeführt wurde: Viele Pläne, die man für «die Zeit danach» aufgespart hat, werden nie umgesetzt. Pensionierte unternehmen weniger Ausflüge und Reisen, lesen weniger, betreiben weniger Sport und pflegen weniger Hobbys, als sie sich vorgestellt haben – dafür verbringen sie mehr Zeit vor dem Fernseher. Das Fazit der Studie: Das Freizeitverhalten verändert sich mit der Pensionierung weniger stark, als die Betroffenen angenommen haben. «Das heisst auch: Wer vor der Pensionierung aktiv war, wird auch in der nachberuflichen Lebensphase aktiv bleiben», sagt Susanne Müller von AvantAge, der Fachstelle für Alter und Arbeit der Pro Senectute.

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Möglichkeiten, sich einzubringen, gibt es unzählige: Freiwilligenarbeit umfasst weit mehr als Besuchs- und Begleitdienste für Betagte. Das Spektrum reicht vom Stützunterricht für schwächere Schüler über den Besuch im Strafvollzug bis hin zum Umwelteinsatz in der freien Natur, wo Hecken getrimmt und Biotope gepflegt werden. Finden lassen sich solche Jobs auch im Internet: Einige hundert Organisationen und Vereine schreiben ihre Angebote auf www.freiwilligenjob.ch aus. Die Plattform stösst auf Interesse; die Seite wird jeden Monat von rund 8000 Menschen angeklickt. Wichtig sei, die Menschen bei der Freiwilligenarbeit sinnvoll einzusetzen – ihren Fähigkeiten und ihrem fachlichen Hintergrund entsprechend, sagt Hanspeter Herger von der Caritas. «Es macht Sinn, dass eine ehemalige Buchhändlerin für das Büchersortiment im Brockenhaus zuständig ist.»

Heinz Krucker, 61, Uster: ehemals Verkaufsdirektor in der Lebensmittelbranche, heute ehrenamtlicher Berater bei Innovage: «Als ich mich mit 58 frühpensionieren liess, wollte ich nicht einfach nichts mehr machen, sondern einen Übergang finden, der Sinn macht. Im Vergleich zum Berufsleben ist vieles neu und anders, Prozesse laufen langsamer ab, Termine sind zwar gesetzt, aber nicht fix – eine echte Herausforderung, die Geduld und Flexibilität braucht.»

Quelle: Stefan Walter
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Viele hochqualifizierte Berufsleute wollen nach der Pensionierung ihre Kompetenzen nochmals zum Zug kommen lassen. Wie Heinz Krucker, der sich nach der Frühpensionierung mit 58 für das Netzwerk Innovage entschied, eine Initiative des Migros-Kulturprozents, wo qualifizierte Berufsleute ab 55 ihr Wissen gemeinnützigen Projekten zur Verfügung stellen.

«Hier kann ich mein soziales Engagement mit Erfahrungswissen paaren», sagt der ehemalige Verkaufsdirektor. Als ehemaliges Migros-Kadermitglied half der 61-Jährige, einen kleinen Laden im thurgauischen 1000-Seelen-Dorf Wuppenau auf die Beine zu stellen. Ein Projekt, das zum Ziel hat, psychisch behinderte Frauen ins Berufsleben zu reintegrieren. Für Krucker eine «hochbefriedigende Aufgabe», bei der er einiges dazugelernt hat – etwa Geduld zu üben und Rücksicht zu nehmen. In den nächsten ein, zwei Jahren wird er den Supermarkt als Genossenschaftspräsident begleiten – der Nachhaltigkeit willen und weil er sicherstellen möchte, «dass das Projekt tatsächlich funktioniert».

Irene Hauser, 65, Seedorf UR: ehemals Mathematiklehrerin an der Kantonsschule, heute ehrenamtliche Beraterin bei Innovage und Initiantin des Projekts «Mittagessen 55 plus»: «Vor meiner Pensionierung hatte ich richtig Angst. Ich fürchtete mich davor, isoliert und allein zu sein, und wollte die drohende Leere mit etwas Sinnvollem füllen. Jetzt betreue ich Projekte mit gemeinnützigem Charakter. Mein Engagement entspricht etwa einem 15-Prozent-Pensum. So bleibt noch Raum für anderes, denn heute habe ich schon wieder fast zu wenig freie Zeit.»

Quelle: Stefan Walter
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Auch Irene Hauser, 65, startete nach der Pensionierung nochmals durch. Der Vermessungsingenieurin, die an der Kantonsschule Altdorf 20 Jahre Mathematik unterrichtet hatte, war angst und bange vor dem letzten Schultag. Ihr Mann war früh verstorben, das letzte der vier Kinder ausgezogen. «Wie kann ich mit meiner Zeit im Ruhestand noch etwas bewegen, meine Zeit sinnvoll einsetzen?», fragte sie sich – und fürchtete sich davor, sozial isoliert und einsam zu werden.

Nach intensiver Recherche stiess sie auf Innovage. Mittlerweile ist sie Ansprechperson des Netzwerks Zentralschweiz, organisiert Kulturtage für die schweizweit 140 Beraterinnen und Berater und hilft beim Aufbau eines Caritas-Markts in Zug. Aufgaben, dank denen sie à jour bleibe, sich mit Internet und Doodle auskenne – und in jeder Beziehung enorm profitiere: «Im Netzwerk tauschen wir uns aus, führen befruchtende Diskurse. Und nicht selten wird aus einer Zusammenarbeit Freundschaft.»

Zu Konflikten kann es allerdings auch in der Freiwilligenarbeit kommen. Etwa in der Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlich arbeitenden Beratern und bezahlten Profis. «In der Theorie ergänzen sich Freiwilligen- und bezahlte Profiarbeit, in der Praxis ist die Abgrenzung oft schwierig», sagt Linus Baur, Präsident des Innovage-Netzwerks Zürich. Problematisch wird es beispielsweise dort, wo Freiwillige und Bezahlte den gleichen Job machen – eine Situation, die zu Kompetenzgerangel und Missverständnissen führen kann. Deshalb ist es wichtig, auch bei Gratisarbeit Leistungsvereinbarungen zu treffen und vertraglich festzuhalten.

Standards, die Qualität sichern und zugleich verhindern wollen, dass Freiwillige ausgenutzt werden, hat die Dachorganisation Benevol erarbeitet. Die Richtlinien beschränken die Freiwilligenarbeit auf vier Stunden pro Woche und schreiben eine Vergütung der Spesen vor. Auch die Wertschätzung dürfe bei freiwilligen Einsätzen nicht vergessen gehen: «Freiwilligenarbeit ist auch eine Arbeit», sagt Hanspeter Herger. «Nur weil sie unentgeltlich geleistet wird, darf die Anerkennung nicht auf der Strecke bleiben.»

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Spezialisierte Organisationen vermitteln ehemaligen Kaderleuten Aufgaben als Beraterinnen, Experten und temporäre Führungskräfte – gegen einen bescheidenen Lohn. Bei Adlatus, einem gesamtschweizerischen Netzwerk von über 350 Führungskräften, leisten Manager im Ruhestand mit ihrem betriebswirtschaftlichen Know-how praxisnahe Wirtschaftshilfe. Sie helfen bei Firmengründungen, unterstützen Jungunternehmen, beraten bei der Nachfolgeplanung und sind als Coachs auf Zeit tätig.

Geld spielt dabei eine untergeordnete Rolle: «Unsere Mitglieder sind finanziell nicht auf eine Beratertätigkeit angewiesen. Darum können wir unsere Stundenansätze den Möglichkeiten der Auftraggeber anpassen und beispielsweise die beschränkten finanziellen Mittel bei einem Start-up berücksichtigen», sagt Peter F. Müller, Präsident von Adlatus Schweiz.

Die Beweggründe fürs Engagement sind bei den Adlatinnen und Adlaten – ähnlich wie bei den freiwillig Tätigen – das Weitergeben von jahrelanger Erfahrung und von erworbenen Kenntnissen. «Indem wir unser Know-how der Wirtschaft und damit auch der Gesellschaft zur Verfügung stellen, tragen wir zum Wohlergehen der Schweiz bei», sagt der 70-jährige ehemalige Maschineningenieur, der als Manager im In- und Ausland tätig war.

Als ehrenamtlich tätige Hilfskräfte oder für ein bescheidenes Honorar arbeitende Berater sind Menschen mit jahrzehntelanger Berufserfahrung gefragt. Auf dem regulären Arbeitsmarkt hingegen sieht es weniger rosig aus: Dort haben ältere Menschen derzeit schlechte Karten. Das wird sich jedoch schon in den nächsten Jahren ändern: «Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften nimmt zu, und es wird immer schwieriger, diese nach dem Ruhestand zu ersetzen», sagt Marc Winiger, Leiter Deutschschweiz bei Manpower.

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Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) werden zwischen 2025 und 2030 jährlich zwölf Millionen Arbeitnehmer weltweit den Arbeitsmarkt verlassen. Peter Gross, emeritierter Professor für Soziologie an der Universität St. Gallen, fordert deshalb «eine Öffnung aller Arbeitsmärkte nach oben». Best Agers, wie der Soziologe die Senioren nennt, «wollen sich nicht nur in kirchlichen Gruppen, Sportvereinen oder karitativen Organisationen betätigen, sondern auch ganz normal über die Pensionierung hinaus erwerbstätig bleiben oder wenigstens die Option dazu haben».

Allerdings braucht es Anreize, damit ältere Menschen länger arbeiten, sich weiter motivieren und engagieren wollen. Und diese müssen erst noch geschaffen werden. «Es gibt erst sehr wenig Betriebe, die ein Alterskonzept haben», sagt Urs Kalbermatten, Leiter des Kompetenzzentrums Gerontologie an der Berner Fachhochschule. Dabei gäbe es bereits Angebote, etwa von AvantAge, der Fachstelle für Alter und Arbeit der Pro Senectute, die Betriebe dabei unterstützen, sich fit für die Zeiten des demographischen Wandels zu machen. «Die Zusammenarbeit zwischen jüngeren und älteren Mitarbeitenden funktioniert nicht einfach von selbst, da braucht es eine Begleitung», sagt Susanne Müller von der Fachstelle.

Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass das grosse Potential, das in den älteren Mitarbeitern schlummert, längst nicht von allen Mitarbeitenden und Firmenchefs erkannt wird. Dabei ergeben Befragungen von Personalverantwortlichen regelmässig, dass ältere Arbeitnehmende über wertvolle Eigenschaften verfügen. «Sie haben meist ein grosses betriebsspezifisches Erfahrungswissen, identifizieren sich stark mit der Firma, sind sozial kompetent, loyal, zuverlässig und haben eine ausgleichende Wirkung im Team», sagt Michael Agoras, Country Manager Adecco Switzerland and Austria. Stärken, die auf dem Arbeitsmarkt in der Vergangenheit zu wenig anerkannt und in der Wirtschaft zu wenig gezielt genutzt worden sind.

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Eines der Hauptprobleme der bisherigen Arbeitswelt sieht Urs Kalbermatten darin, dass nach 50 kaum mehr die Stelle gewechselt werden kann. «Ältere Arbeitnehmende fühlen sich dem Betrieb ausgeliefert und kehren folglich, so schnell es ihre finanzielle Lage erlaubt, dem Arbeitsleben den Rücken.» Lösungen sieht Personaldienstleister Marc Winiger zum Beispiel in der Möglichkeit eines Sabbaticals – «so bekommt der Mitarbeiter eine verdiente Arbeitspause» – oder im Übergang zu Anstellungsformen wie Contracting, Teilzeit oder Beratung. Der Soziologe Peter Gross doppelt nach: Beratung sei geradezu die Königsdisziplin der Senioren. Senioren könnten insbesondere Unternehmen beraten, die nicht wissen, wie sie mit der demographischen Entwicklung umgehen sollen. Eine älter werdende Kundschaft schätze es, von älteren Angestellten bedient zu werden. Auch in die Produktentwicklung sollte die Erfahrung der Älteren einfliessen. «Denken Sie an die Laschenverschlüsse der Milch eines Grossanbieters», sagt der 68-jährige Gross. «Um die zu öffnen, braucht man die Spitex.»

Die Basler Kantonalbank hat bereits reagiert: Hier beraten Senioren ihre älter werdende Kundschaft bei Vorsorge- und Anlageproblemen. Ein ähnliches Projekt verfolgt auch Raiffeisen: In der Filiale der Region Altnau TG kümmern sich ehemalige und aktive ältere Raiffeisen-Mitarbeitende – der «Club der alten Hasen» – um ältere Kundinnen und Kunden.

Doch es braucht nicht nur neue Arbeitsformen und -möglichkeiten, sondern auch Eigeninitiative von Seiten der Best Agers. «Sie müssen entscheiden, ob sie weiter vorwärtsgehen und weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilhaben wollen», sagt Urs Kalbermatten vom Kompetenzzentrum Gerontologie. Es gehe um «verantwortungsvolles Altern», sowohl sich selbst als auch der Gesellschaft gegenüber. Zur Pflicht soll der Dienst an der Gemeinschaft jedoch nicht werden, betont Susanne Müller von der Fachstelle AvantAge: «Senioren zu Sozialzeit verpflichten zu wollen darf nicht sein.» Jeder soll selber über die Möglichkeit entscheiden können, einen freiwilligen Einsatz zu leisten.

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Damit der dritte Lebensabschnitt tatsächlich zum «Glücksfall Alter» wird, wie das Buch heisst, das Gross mit Karin Fagetti geschrieben hat, braucht es neben Eigeninitiative und Selbstverantwortung auch Eigenschaften wie Neugier und Mut – «Mut, die neuen Herausforderungen anzunehmen», sagt Gross. Das Ziel des Älterwerdens sei, «die gewonnenen Jahre mit Sinn zu erfüllen».

Als Handlungsanleitung nennt Gross zwei Faustregeln: «Erstens der Gesellschaft zurückgeben, was sie einem gegeben hat, und zweitens, ganz generell: geben statt nehmen.» Eine Erkenntnis, die alle, die sich unentgeltlich und mehr oder weniger selbstlos für andere einsetzen, offenbar bereits gewonnen haben und beherzigen.

Sozialzeitausweis: Zeugnis für ehrenamtliche Arbeit

Drei Arten von Freiwilligenarbeit sind zu unterscheiden: das Ehrenamt, in das man gewählt wird, die informelle Freiwilligenarbeit, etwa in Form der Nachbarschaftshilfe oder Krankenbetreuung ausserhalb der engsten Familie, und die formelle Freiwilligenarbeit im Rahmen von Kirche, Jugendverbänden und Institutionen.

Berufstätige Freiwillige erbringen nicht nur Dienste für Dritte, sondern entwickeln auch ihre Fähigkeiten und Kompetenzen weiter – Qualitäten, die im Berufsleben gewinnbringend eingesetzt werden können. Allerdings achtet der Arbeitsmarkt den Wert der Freiwilligenarbeit zu wenig, da am Ende des Einsatzes kein Arbeitszeugnis ausgestellt wird. Ein Missstand, der behoben werden muss, findet das Forum Freiwilligenarbeit, dem über 80 Organisationen und Vereine wie Caritas Schweiz angehören. Nach dem Internationalen Jahr der Freiwilligen 2001 gegründet, fördert die Organisation die Verbreitung des Schweizer Sozialzeitausweises. Das Dokument ermöglicht die Nachführung und Beurteilung von Freiwilligenarbeit. Volunteers halten darin ihre geleisteten Einsätze detailliert fest, ebenso die Teilnahme an Weiterbildungen, Kursen und Veranstaltungen.

Der Sozialzeitausweis trägt der Vielfalt der Einsätze Rechnung: Die Beschäftigung von Langzeitpatienten steht neben einer Waldräumung, ein langjähriges regelmässiges Engagement neben dem einmaligen Tagesauftrag. Insbesondere Frauen, die den beruflichen Wiedereinstieg anstreben, kann der Ausweis nützen – vorausgesetzt, die Personalchefs kennen ihn.

Weitere Infos

www.benevol.ch: Dachorganisation der Deutschschweizer Fach- und Vermittlungsstellen für Freiwilligenarbeit

www.freiwilligenjob.ch: Jobbörse für Freiwilligenarbeit im Internet (Deutschschweiz)

www.avantage.ch: Fachstelle für Alter und Arbeit der Pro Senectute Bern und Zürich. Mit ihren Seminaren will sie ein gesundes Älterwerden rund ums Berufsleben ermöglichen: von der Berufsmitte bis zur Pensionierung – und darüber hinaus. Gefragt sind vor allem die Seminare zur Vorbereitung auf die Pensionierung, die von Firmen wie von Privatpersonen beansprucht werden (www.pensionierungskurse.ch).

www.innovage.ch: schweizerisches Netzwerk erfahrener Fachleute ab 55, die gemeinnützige Organisationen oder Projekte ehrenamtlich beraten

www.adlatus.ch: gesamtschweizerisches Netzwerk erfahrener Führungskräfte mit über 350 Mitgliedern