Frage von Patrick B.: «Immer wieder wird empfohlen, man solle bei Differenzen miteinander reden. In meinem Umfeld wird viel geredet, aber nichts geschieht. Die Probleme bleiben also ungelöst.»

Tatsächlich: Mit Reden allein können Probleme oft nicht gelöst werden. Je nachdem müssen auch Taten folgen. Und dennoch: Das Miteinander-Reden spielt eine entscheidende Rolle dafür, ob ein Problem verstanden und gelöst werden kann.

Der Weg, uns aufeinander abzustimmen, ist die Kommunikation. Der Psychologe Paul Watzlawick sagt: «Man kann nicht nicht kommunizieren – Kommuni­kation findet immer statt.» Sie hilft uns, unsere Wünsche, Gefühle und Beweggründe auch für andere nachvollziehbar zu machen. Das Verständnis für den anderen ist die Basis, auf der die Motivation entsteht, etwas im Verhalten zu ändern und Kompromisse zu schliessen. Und zudem fühlen wir uns wohl und bestätigt, wenn wir verstanden werden.

Doch das Reden hat noch eine zweite wichtige Funktion – eine für uns selber: die erstaunliche Eigenschaft, dass dadurch, dass wir etwas in Worte fassen, uns bestimmte Gefühle erst bewusst werden. Wir können unsere Gefühle besser unterscheiden, die unser Denken und Handeln mitbestimmen. So formu­lieren wir auch Gedanken in Sätzen aus. Wenn der Satz da ist, ist auch das dahinterliegende Gefühl und die Motivation klar.

Worte wecken Emotionen

Da unsere Gefühle massgeblich unser Verhalten beeinflussen, wirkt die Sprache so auch auf unser Verhalten. Das wird deutlich im Beispiel von Selbstgesprächen: «So, jetzt reiss dich zusammen! Bleib ruhig und versuch es nochmals!» Solche Sätze kennen wir alle. Und auch die Auswirkung davon: Diese im Kopf – und manchmal auch laut – ausgesprochenen Gedanken helfen uns, konzentriert und motiviert zu bleiben. Und wie bei uns selbst wecken Worte auch bei anderen Emotionen. Dadurch besteht die Chance, auch deren Verhalten zu beeinflussen.

Heisst das, dass man über alles reden soll, was einem durch den Kopf geht? Nur bedingt: Durch Reden öffnen wir uns, wir zeigen uns und machen uns auch verletzbar. Je nach Kontext und Verhältnis ist daher zu überlegen, wie viel wir von uns selber preisgeben wollen. Während in intimen Beziehungen und Freundschaften diese Selbstöffnung, dieses Sprechen über sich, wichtig ist, damit die Beziehung lebhaft bleibt und eine Tiefe erhält, ist eine tiefe Selbstöffnung im Arbeitsumfeld nicht immer angebracht.

Zudem ist Reden oft auch anstrengend. Wenn wir etwas ausdrücken, müssen wir mit Reaktionen rechnen: mit Widerstand, anderen Meinungen, Kritik, mit der man umgehen muss. Unter Umständen brechen durch Ansprechen von Problemen Konflikte aus: Das gemeinsame Neben­einander im Gefühl, dass es dem anderen genauso geht wie mir, entpuppt sich eventuell als Trugschluss. Doch wenn uns etwas plagt, lohnt es sich, das Problem in einem ersten Schritt angemessen und klar anzusprechen, damit sich langfristig etwas ändern kann.

Strategien für bessere Kommunikation

  • Reden kann schwierig sein, wenn man nicht gewohnt ist auszudrücken, was man spürt und denkt. Das kann man lernen und üben, indem man es einfach tut: Nutzen Sie alltägliche Situationen, sich einzubringen. Einfacher ist das mit einem Menschen, der einem nahesteht und interessiert ist.

  • Das Aufschreiben von Gedanken und Gefühlen hilft, sich klarer darüber zu werden, was man braucht. Damit wird es einfacher, sich mit seinen Bedürfnissen in einem Konfliktgespräch einzubringen.

  • Wir werden besser verstanden, wenn wir versuchen auszudrücken, warum wir etwas wie tun. Damit unser Gegenüber uns besser versteht, hilft es, Probleme aus unserer Perspektive heraus anzusprechen. Etwa: «Mir tut es weh, wenn …» oder «Ich fühle mich allein gelassen, wenn …».

Buchtipp

Friedemann Schulz von Thun: «Miteinander reden 3. – Das ‹innere Team› und situationsgerechte Kommunikation»; Verlag Rowohlt, 21. Auflage, 2013, 336 Seiten, CHF 16.90