Mutter zu sein ist ein 24-Stunden-Job: Sie ist immer da, wenn man sie braucht – für die Kinder, den Mann, den Arbeitgeber. An guten wie an schlechten Tagen. Bis der berühmte Punkt kommt, an dem «alles zu viel» wird. Spätestens dann ist es höchste Zeit, sich selbst etwas Gutes zu tun.

«Leichter gesagt als getan», werden Sie jetzt einwenden – schliesslich leiden Mütter unter chronischem Zeitmangel. Denn noch immer sind es die Frauen, die sich am meisten um Haushalt und Kinder kümmern, wie zahlreiche Studien belegen. Umso mehr gilt es, sich Zeit für kleine Wohltaten freizuschaufeln und endlich gewisse Aufgaben abzugeben:

  • Delegieren Sie Arbeiten: Treffen Sie mit Ihrer Familie klare Absprachen, was die Aufgabenteilung angeht. Auch ein Fünfjähriger kann den Tisch decken. Und vielleicht bringt Ihnen der Ehemann einmal pro Woche das Frühstück ans Bett oder kümmert sich morgens um die Kinder.

  • Überlegen Sie sich, welche Leistungen Sie «kaufen» können. Natürlich kostet eine Putzhilfe oder ein Babysitter Geld. Doch vielleicht sind Ihnen einige Stunden Freizeit, die Sie nur nach Ihren Wünschen gestalten, mehr wert als eine Anschaffung, die nicht zwingend nötig ist.

  • Realistische Ansprüche an sich selbst: Versuchen Sie nicht, den Superhausfrauen in der TV-Werbung nachzueifern. Überlegen Sie sich lieber, welche Arbeiten Sie aus dem täglichen Haushaltsprogramm streichen können: Müssen Handtücher und Bettwäsche wirklich gebügelt werden? Freuen sich die Gäste über Spaghetti Bolognese nicht genauso wie über ein mehrgängiges Menü?

  • Lernen Sie, Nein zu sagen. Oder legen Sie mal einen 24-Stunden-Streik ein, wenn Ihre Umgebung kein Verständnis dafür hat, dass Sie nicht dauernd und immer zur Stelle sein können. Leider nehmen viele Männer und Kinder die Leistungen der Frauen und Mütter erst zur Kenntnis, wenn sie ausbleiben.

  • Planen Sie Ihre Freizeit. Legen Sie einen freien Abend fest, der nur Ihnen allein gehört, und sprechen Sie sich mit Ihrem Partner oder anderen Helfern ab. So müssen Sie nicht jedes Mal neu um Ihre Freizeit kämpfen.

Ein Kinobesuch oder ein Spaziergang
Ist die Zeithürde einmal geschafft, stellt sich die Frage, wie Sie die richtige Erholung für sich finden. «Jede Frau hat eigene Methoden, um sich zu entspannen. Im Stress des Mutterseins werden diese jedoch häufig vergessen», sagt Lea Hasler von der Beratungsstelle Mütterhilfe. Oft sind es allein erziehende Frauen, die erschöpft zur Beratung kommen. «Wir versuchen, im Gespräch herauszufinden, woran die Frau Spass hatte, bevor das Kind kam.» Für die eine ist es ein Abend im Kino oder Konzertsaal, für die andere ein ausgiebiger Spaziergang oder Tanzen. Hasler: «Auf diese bekannten Lebensfreuden sollten Mütter unbedingt zurückgreifen.»

Es braucht also keine teuren Wellnessferien, um wieder die Balance zu finden. Wellness bedeutet vielmehr, Spass an Aktivitäten zu finden, die Körper und Seele gut tun. Das können ganz unspektakuläre Dinge sein, die weder viel Geld noch Zeit kosten: ein Mittagsschlaf, ein heisses Bad – oder einfach mal gar nichts tun (siehe Nebenartikel «Fünf schnelle und einfache Methoden, Kräfte zu sammeln»).

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Mütter haben ein Recht auf Rückzug
Es sind diese kleinen Wohlfühlinseln, die nachhaltig wirken. Dazu gehört auch eine «Tabuzone», in der Sie wirklich ungestört sind: in Ihrem Zimmer, in der Küche zwischen 15 und 16 Uhr, auf dem Balkon, im Esszimmer nach 21 Uhr.

Doch bei allen Bemühungen, die eigenen Bedürfnisse mit den Ansprüchen der Familie zu koordinieren, sollte eines nicht vergessen werden: «Jede Mutter hat das Recht, auch mal erschöpft zu sein und die Tür hinter sich zu schliessen.» Diesen Satz gibt Lea Hasler in der Beratung jeder Frau mit auf den Weg – im Wissen, dass viele ihn immer wieder verdrängen.