Frage von Markus A.: «Meine Frau jammert und nörgelt ständig. Sie beschwert sich über Nachbarn, ärgert sich über die Kinder, ich kann ihr nichts recht machen, und bei ihrem Job funktioniert auch nichts richtig. Ich kann das fast nicht mehr ertragen.»

Es kann mit der Zeit sehr belastend sein, immer wieder mit Jammern und Kritik konfrontiert zu sein. Als Zuhörer werden Sie in die negative Stimmungslage Ihrer Frau hineingezogen. Das ist anstrengend, da man die Probleme des Partners nicht lösen kann.

Ausserdem kann Jammern und Klagen ansteckend sein, so dass man sich selber gereizter, hilfloser und unwohler fühlt. Daher kann stetige Unzufriedenheit Paarbeziehungen, Familien und Freundschaften langfristig stark belasten.

Menschen unterscheiden sich darin, wie sie mit Problemen umgehen. Während manche ihre Probleme als ihre Angelegenheit betrachten, mit denen sie selber klarkommen müssen, brauchen andere ein Umfeld, das sie anhört und versteht, um die Sache anzugehen.

Durch Klagen und Nörgeln wird aus­gedrückt, dass es einem nicht gut geht oder an etwas fehlt. Häufig erhalten jammernde und klagende Personen in einem ersten Moment sehr viel Aufmerksamkeit. Das ist auch gut so, denn so entsteht durch Mitgefühl das Gefühl, dass man nicht allein gelassen wird mit seinen Schwierigkeiten. Zuwendung und Trost tun gut, verstanden zu werden schafft Verbundenheit. Man fühlt sich etwas weniger einsam in seinem Leid und Unwohlsein. Man kann sich selber entlasten dadurch, dass andere es verstehen.

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Der Ärger-Teufelskreis

Neben diesen positiven Effekten hat Jammern aber auch Nachteile. Es lässt uns in unseren Gedanken und in unserem Fühlen ständig um das kreisen, was uns nicht gefällt und an dem wir uns stören. Je mehr wir auf diese Punkte fokussieren, desto mehr Raum nehmen sie ein.

Jammern ändert am Problem jedoch grundsätzlich nichts. Wut, Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit sowie eine allgemein negative Lebenseinstellung entwickeln sich: Die Umwelt ist schuld, dass es mir schlecht geht! Die anderen sind schuld, dass ich mich ärgere! Wir sehen dabei nicht mehr, was auch alles gut läuft. Und damit beginnt der Teufelskreis erst recht: Wir suchen nicht mehr nach Lösungen, sondern verbleiben in den Gefühlen von Ungerechtigkeit, Ärger, Hilflosigkeit und Frust. Ständiges Jammern kann daher als eine Art nicht gelungener Umgang mit Problemen angesehen werden.

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Ausserdem: Jammern ist in einem gewissen Sinne angelernt. Wenn wir die Erfahrung machen, dass wir Aufmerksamkeit, Mitleid und Zuwendung erhalten – oder erst wahrgenommen werden –, wenn wir richtig jammern, kann sich dieses Verhalten verfestigen. Übrigens auch, wenn wir gelernt haben, dass uns dann unliebsame Aufgaben abgenommen werden.

Wenn eine generelle Unzufriedenheit besteht, lohnt es sich, genau hinzusehen: Was fehlt mir im Moment? Ist es Anerkennung? Mangelnde Zugehörigkeit und Liebe? Ist es Hilflosigkeit, fehlt mir das Gefühl, mein Leben gestalten zu können, weil ich nicht sehe, wo ich etwas ändern kann? Oder weil ich zu wenig Kontrolle habe über mein Leben und wenig be­wirken kann? Weshalb bin ich enttäuscht? Der zweite Schritt ist die Entscheidung, daran etwas zu ändern.

Tipps, um aus dem Jammertal zu finden

  • Sprechen Sie in einem ruhigen Moment mit Ihrer Frau. Zeigen Sie Verständnis für ihre Schwierigkeiten, sagen Sie aber auch, dass Sie das Jammern belastet. Sie können sie unterstützen bei der Aufgabe, zu sehen, was sie im Leben ändern kann. Sie können ihr diese jedoch nicht abnehmen.

  • Nicht alles, was wir im Leben erleben, können wir ändern. Unsere Einstellung dazu aber schon: Statt die Aufmerksamkeit auf Probleme zu lenken und sich dadurch lähmen zu lassen, ist es wichtig, auch die positiven Punkte zu erkennen und wenn möglich Lösungen zu suchen. Jeder kleine Schritt ist wichtig und gut. Und oft haben wir mehr Wahlfreiheit, als wir glauben.

  • Versuchen Sie, zwischendurch das Gespräch auf ein positives Thema zu lenken. Sollte das nicht gelingen, ziehen Sie sich zurück, damit Sie selber ruhig und positiv bleiben können.
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Quelle: Thinkstock Kollektion