1. Was ist der Unterschied zwischen einer ­Paarberatung und einer Paartherapie?
    Die Paarberatung ist ein Coaching, sie gibt Erklärungen und Ideen für Veränderungen und bietet vor allem Hilfe zur Selbsthilfe. Die Paartherapie dagegen geht tiefer, ist psychodynamischer, das heisst, sie deckt die Zusammenhänge zwischen der Persönlichkeit (und damit auch Prägungen aus der Kindheit) und deren Einfluss in die Beziehung auf.
  2. Wie finde ich einen guten Therapeuten?
    Am besten ist der Tipp eines Bekannten, der bereits eine Beratung oder Therapie gemacht hat. Sonst muss man online suchen. Wichtig ist, zuerst eine Sitzung abzumachen, um zu sehen, ob die Chemie stimmt.
  3. Was kostet das?
    Eine Sitzung von 50 Minuten kostet bei mir 190 Franken (beide Partner zusammen). In der Regel arbeite ich mit Sitzungen von 75 bis 80 Minuten, da es viel Zeit braucht, beide Seiten wirklich anzuhören.
  4. Wann bringt eine Paarberatung oder Paartherapie etwas?
    Wenn beide Partner trotz gegenseitigen Verletzungen genügend Kraft – Willenskraft und emo­tionale Kraft – haben, einander zu begegnen. Je früher man eine Therapie beginnt, desto grösser sind die Erfolgsaussichten.
  5. Wie oft geht man hin?
    So häufig wie nötig; in einer ­Krise ist eine wöchentliche Sitzung die Regel oder mindestens alle 14 Tage.
  6. Wie läuft eine Paartherapie ab?
    In einer ersten Sitzung geht es darum, den Ist-Zustand abzuklären: Was ist passiert, wie ist es passiert, welche Auswirkungen hat es auf Körper, Gefühle, Gedanken, Seele, Handlungen? Gleichzeitig gilt die erste Sitzung als «Sympathietest», das heisst, die Chemie muss stimmen. Zudem werden die Modalitäten fest­gelegt. Ist der Entschluss zur Therapie ­gefasst, mache ich zunächst fünf Sitzungen ab. Das ist ein Erfahrungswert, eine «Probezeit», in dieser Zeit zeigt sich, ob die Therapie etwas bewegt oder nicht. In den Sitzungen geht es um Folgendes:

  • Herausarbeiten der Grundpro­bleme: Liegen sie in der Kommunikation? In den Gefühlen? In den Lebens­anschauungen? In den Temperamenten? In der Alltags­organisation? Oder in einer Krankheit?
  • Erarbeiten von Lösungsstrategien.
  • Vermitteln von Informationen über ­Beziehungen: die Rolle von Verbindlichkeit, Liebe, Verlässlichkeit; die Rolle von Freiraum und Grenzen; die Rolle von ­Respekt, Toleranz und Vergebung; die Rolle der Vergangenheit und deren Wirkung auf beide Partner.
  • Einüben: Ich gebe immer Aufgaben, denn neues Verhalten muss geübt werden. Absichten genügen nicht. Das Paar muss eine Art Memoiren schreiben und sein Ziel formulieren. Man bespricht Ziel und Etappen. Aufgaben und Werkzeuge sind etwa Selbstbeobachtungen, Verhaltensänderungen, Einstellungsänderungen oder Kommunikationstraining.

Christian Weiss, Psychotherapeut in Winterthur

Quelle: Thinkstock Kollektion
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