Beobachter: Cornel Rimle, wie entstehen Konflikte bei Paaren?
Cornel Rimle: Am Anfang einer Beziehung sind die meisten verliebt. Wenn wir verliebt sind, sind wir blind für alles, was uns unterscheidet. Wir projizieren positive Wunschbilder auf die Partnerin oder den Partner. Oft verpassen wir am Ende der Verliebtheit Biochemie Das Rätsel der Liebe , eine sorgfältige Gesprächskultur zu entwickeln, die diese Unterschiede respektiert und einen ehrlichen Austausch darüber ermöglicht. Wenn der ehrliche Austausch fehlt, fangen manche Paare an, sich wegen dieser Unterschiede zu verletzen. Sie geraten in eine Konfliktspirale. Die Folge sind Ohnmacht, Missverständnisse und Schuldzuweisungen.
 

Tragen wir nicht auch unsere eigenen Probleme in den Paarkonflikt hinein?
Doch. In der Verliebtheit projizieren wir positive Gefühle auf die Partnerin oder den Partner, in der Konfliktspirale negative. Das ist menschlich und nicht weiter tragisch, wenn wir es zu erkennen lernen. Wichtig ist, die destruktiven Umgangsformen schnell zu verlassen. Distanz kann helfen, und vor allem soll jeder und jede im eigenen Herzen nach den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen suchen.
 

Im Buch erklären Sie, dass viele ihre Gefühle schlecht spüren und ihr Leben zu stark über den Kopf leiten. Was meinen Sie damit?
Wenn wir in einer Paarbeziehung in eine Konfliktspirale geraten Beziehungskrise Wie man merkt, dass man in eine Krise gerät , verschliessen wir unser Herz, um uns vor Kränkungen und Verletzungen zu schützen. Destruktive Gespräche sind Kriege auf Kopfebene. Wir fühlen uns nicht verstanden, schützen unser Herz und kämpfen auf der Kopfebene. Dabei sind wir im Herzen verletzt. Darum gilt: raus aus der destruktiven Konfliktdynamik! Erst wenn beide ihre Herzen wieder spüren, kann ein ehrlicher Austausch über Gefühle stattfinden.

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«Trennung kann auch eine Form von Liebe sein».

Cornel Rimle, Paarberater

Macht das Paare glücklicher?
Ich glaube, jeder Mensch möchte glücklich sein. Destruktive Umgangsformen in der Konfliktspirale engen Paare unnötig ein und machen unglücklich. Wenn beide herausfinden, was sie wirklich brauchen, um glücklicher zu sein – und sich ehrlich darüber austauschen –, können sie auch in einer langjährigen Beziehung glücklich sein. Diese Investition in die Beziehung wird mit einem starken Gefühl der Liebe belohnt. Das nenne ich reife Liebe. Sie wird uns allerdings im Gegensatz zur Verliebtheit nicht geschenkt, sondern muss erarbeitet werden.
 

Und wenn das nicht funktioniert?
Wenn man gelernt hat, über die Bedürfnisse der Herzen zu reden, und dann realisiert, dass die Bedürfnisse bei allem guten Willen schlecht zueinanderpassen, kann eine Trennung der bessere Weg sein, um glücklich zu werden. Darum gibt es im Buch ein Kapitel zu «Trennung kann auch eine Form von Liebe sein».

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Zur Person

Cornel Rimle

Cornel Rimle, 57, arbeitet seit 13 Jahren als Coach, Paarberater und Mediator mit eigener Praxis in St. Gallen. Er unterstützt Paare dabei, in einer Krise nicht vorschnell zu handeln. Ziel ist nicht, eine Trennung um jeden Preis zu vermeiden, sondern dass beide zu ihrem Glück finden.

Quelle: ZVG
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Urs Gysling, Leiter Beobachter-Edition

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