Nudeln mit Pasta, Pasta mit Nudeln. Gemüse wird heraussortiert oder -gewürgt. Die Mutter des dreijähri­gen Ben ist verzweifelt. «Wenigstens trinkt er morgens und abends seinen Schoppen, sonst würde er verhungern», sorgt sich die Mutter. Mitnichten! Kein gesunder Bub verhungert vor vollem Teller.

Meist verweigert ein Kind das Essen, um die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Eltern zu erzwingen oder sich die Lieblingsspeise zu «erhungern». Aber warum haben Kleinkinder eine so starke Vorliebe für bestimme Nahrungsmittel? Ein Blick in unsere Entwicklungsgeschichte gibt Aufschluss: Angeborene Vorlieben und der Geschmackssinn halfen unseren Vorfahren, das Nahrungsangebot auf Schädliches zu prüfen. Süsses, Eiweisshaltiges und Fettes galt als gut verträglich und energie­reich, Bitteres und Saures aber als unreif, verdorben oder gar giftig. Kein Wunder, verweigern Kleinkinder Broccoli oder Spinat: Sie enthalten Bitterstoffe. Hinzu kommt die Abneigung gegenüber Neuem, die Kinder ab 18 Monaten entwickeln und die vom achten Lebensjahr an allmählich verschwindet. Sollte ein Lebensmittel zudem einmal Übelkeit und Erbrechen ausgelöst haben, reicht die Erfahrung aus, sich jahrelang dagegen zu sträuben.

Also aufgeben und abwarten? Nein. Experimente zeigten, dass Kinder ungeliebte Erbsen nach einigen Tagen doch essen, wenn man sie ihnen bis zu zehn Mal oder öfter auftischt. Darum: Nicht müde werden, irgendwann klappt es!


Entdecken beim Schmecken: Das ist keine Einladung, mit dem Essen zu spielen, sondern eher zum Experimentieren. Kinder akzeptieren weniger beliebte oder unbekannte Lebensmittel besser, wenn sie sie anfassen, in den Mund stecken, ablutschen – und weglegen dürfen.

Als Vorbild: Wenn Erwachsene vor dem Kind die gewünschten Lebensmittel mit Genuss essen, handeln sie vorbildlich.

Keine Argumente: Aufforderungen wie «Nun iss schon, das ist gesund» sind kon­tra­produktiv. Auf diese Weise verknüpfen Kinder «gesund» mit der Erfahrung «bringt Ärger und schmeckt sowieso nicht».

Keine Diskussionen: Die Eltern bestimmen, was auf den Tisch kommt. Wird es verweigert, gibt es zum Sattwerden Brot. Wenn auch das verschmäht wird, findet das Essen ohne Vorwürfe ein Ende.

Kombinationen: Ungeliebtes Gemüse kann etwa mit dem geliebten Ketchup kombiniert werden.

Teilnahme: Gemeinsames Kochen und Einkaufen oder regelmässige Einladungen von Freunden, die genuss- und lustvoll essen, können Wunder wirken.

Variation: Oft entschärft sich die Lage, indem man etwa Gemüse als Brei serviert oder phantasievoll anrichtet: Kinder tendieren dazu, Gemüse und Obst als Tier­figuren oder als lachendes Gesicht eher zu probieren als in herkömmlicher Form.

Kein Zwang: Die Freude am Essen ist immer zu fördern. Was und wie viel Kinder essen, sollten sie selbst entscheiden dürfen. Probieren macht Spass!

Ben wird wohl noch einige Zeit brauchen, bis er genüsslich Obst und Gemüse verzehrt. Vielleicht bleibt es bei einigen wenigen Sorten. Was solls. Wir Erwachsenen haben ja auch unsere Vorlieben.