Wumm! Da liege ich im Kinderzimmer unserer beiden Töchter, bin mitten in ihren Spielzeughaufen gestolpert. Unter dem linken Knie kneift ein Teil des Plastikstalls unserer Jüngsten, mein Oberkörper bettet sich glücklicherweise auf plüschige Hunde und Hasen. Eine ultradünne blonde Puppe lugt steif unter meiner rechten Schulter hervor. «Jetzt reichts mir aber!», schnaube ich. Jetzt müssen sie ultimativ das Zimmer aufräumen. Ich finde sowieso, dass die beiden, sechs und acht Jahre alt, über alle Vernunft viel Spielzeug besitzen. Und ­logisch, dass sie nicht dazu bereit sind, sich von ­etwas zu trennen.

Frustriert ob all dem Chaos, dem Überfluss und der besitzorientierten Haltung unseres Nachwuchses, frage ich mich, wie viel wir Eltern dazu beigesteuert haben. Bei einem Päckli glänzen die Kinderaugen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Doch es verhält sich wie mit dem Kuchen­essen: ab und zu ein Stück ist wunderbar. Wer jedoch zu viel davon isst, dem wird schlecht. Damit wieder mehr Luft und Raum zum Spielen ins Kinderzimmer kommt, brauchts ein paar Strategien.

Ordnung schaffen ist das eine, künftig weniger kaufen und schenken lassen das andere. Wer sein Kind oft beschenkt, ­kompensiert unter Umständen ein Gefühl – ­etwa Traurigkeit, Langeweile oder auch Freude –, dem besser auf andere Weise ­begegnet werden sollte.

Ins Spielzeugregal zu greifen ist leicht. Viel wichtiger ist es aber, dem Kind tagtäglich viel Zuwendung und Liebe zu ­geben. Belohnung in Form von ehrlichem Lob ist immer noch am wirksamsten. Trost in Form einer liebevollen Umarmung fördert das Urvertrauen. Gemeinsam spielen und entspannen, toben und entdecken – all das ist für Kinder letztlich wichtiger und genussvoller als Materielles. Zumal es sich meist um das x-te Auto, das x-te Legoset und das x-te Plüschtier handelt.

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Die «Filiale» im Keller

Was tun, wenn das Kinderzimmer übervoll ist? Mein Mann schlägt vor, alles in einen Karton zu packen und an andere Familien zu verschenken. «Auf gar keinen Fall!» ist die laute Antwort unserer Töchter. Und ich, sonst eigentlich immer für soziales ­Engagement zu haben, finde: «Die anderen würden sich schön bedanken – die haben selber viel zu viel Spielzeug!»

Ich bin deshalb für eine hauseigene ­Ludothek. Gemeinsam sortieren wir das ganze Spielzeug thematisch und verstauen es in Boxen. Unsere Grosse schreibt Klebeetiketten mit «Lädeli», «Puppenkleider», «Lego» und «Briobahn» an. Danach werden die beschrifteten Schachteln im Keller gestapelt. Wer von nun an mit etwas spielen will, darf eine Box nach oben nehmen. Dafür wandert eine andere in den Keller. So schaffen wir es, dass die einzelnen ­Spiele wieder reizvoll werden, dass sich kein Spielzeugberg mehr türmt und zu den Sachen mehr Sorge getragen wird.

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«Das hat was», findet mein Mann ­an­gesichts unserer Spielzeugausleihe im Keller. Die Kinder sind stolz, zeigen ihre Ludothek jedem Besucher, der sie sehen will. Die Idee greift um sich: Andere Kinder im Quartier wollen jetzt auch eine solche Einrichtung haben. Und die städtische ­Ludothek bekommt so eine neue Wertschätzung, ist sie doch unser Vorbild.