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6. DezemberWer braucht ihn noch, den Samichlaus?

Bald kommt er: der Samichlaus. Welche Gedanken machen sich Eltern und der Chlaus selber? Beobachter-Redaktor Walter Noser, selber als Samichlaus unterwegs, und seine Kollegin Cornelia Döbeli, bei der er zu Besuch war, erzählen.

Der Samichlaus ist einer, vor dem sich im Vorfeld alle ein bisschen fürchten, dann aber schnell mal merken, dass er ganz ein Lieber ist.
von und aktualisiert am 04. Dezember 2017

Selbst wenn man am 6. Dezember kaum noch irgendwo einen Esel mit seinem Meister im Städtli sieht, lockt der Saminigginäggi auch heutzutage noch viele Kinder hinter dem Ofen hervor und gibt ihnen Nuss und Birnen - sofern man sich rechtzeitig mit einer Chlausgesellschaft in Verbindung gesetzt oder eine Privatperson gefunden hat, die sich einen Abend lang verkleidet. Doch rundherum gibt es eine ganze Reihe von Fragen.

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1. Die Grundsatzfrage: Samichlaus - ja oder nein?

Cornelia Döbeli: Ich habe zwei Knaben, und bei uns stellte sich diese Frage sehr früh, weil mein älterer Sohn Patrik schon mit gut zwei Jahren nach dem Samichlaus zu fragen begann. Er hatte wohl in der Kinderkrippe etwas darüber aufgeschnappt. Ich hatte anfänglich Bedenken, er könnte zu jung sein. Zugleich wollte ich ihm diesen Brauch - genauso wie Weihnachten oder Ostern - nicht vorenthalten. Mein Entscheid für den Samichlausbesuch stellte sich nachträglich als richtig heraus. Ein ideales Alter für den ersten Auftritt des Samichlauses gibt es meines Erachtens nicht, das hängt stark vom Kind ab.
Samichlaus Walter Noser: Samichlaus - ja oder nein? Was für eine Frage! Natürlich ja. Doch ich bin nicht in allen Häusern willkommen. Es gibt Familien, die haben andere Bräuche und Rituale - und das ist gut so. Bei allen anderen gehe ich vorbei, sobald ich von Kindern und Eltern zur Tür reingelassen werde.

2. Wie soll der Samichlaus sein?

Cornelia Döbeli: Ich wollte auf keinen Fall einen Samichlaus, vor dem meine Söhne Angst haben. Mir erging es als Kind nämlich so. Der Samichlaus sollte einfühlsam und verständnisvoll sein. Von meinem Kollegen wusste ich, dass er das ist. Wenn man den Samichlaus aber nicht kennt, finde ich es wichtig, ihn in einem Vorgespräch kennenzulernen.
Samichlaus: Der Samichlaus ist einer, vor dem sich im Vorfeld alle ein bisschen fürchten, dann aber schnell mal merken, dass er ganz ein Lieber ist, die Fitze niemals braucht und niemanden in den Sack steckt. Schliesslich weiss der Samichlaus, was sich gehört.

3. Zu wem soll der Chlaus sprechen?

Cornelia Döbeli: Mein Kollege Walter spricht jeweils nicht nur zu Patrik und Raphael, sondern zu allen Anwesenden - also auch zu uns Eltern. Das Gute daran ist, dass die Kinder nicht als Einzige drankommem und vor allem auch nicht als Erste. Sie erhalten Zeit, sich an den Besuch des fremden Mannes mit dem langen Bart und dem roten Gewand zu gewöhnen. Auch verlangt unser Samichlaus nicht, dass sich die beiden wie die Maus vor die Katze vor ihn stellen müssen.
Samichlaus: Es gibt Erwachsene, die glauben nicht mehr an den Samichlaus. Die sollten Sie aber mal sehen, wenn ich aus meinem goldenen Buch vorlese. Manche bekommen hochrote Ohren, die meisten geloben Besserung oder versprechen, weiterhin brav zu sein. Das freut den Samichlaus. Genau so wie es ihn freut, wenn die Kinder ihm mit glänzenden Augen ein Verslein aufzusagen versuchen. Wenns vor Nervosität nicht klappt, macht das gar nichts. Dann können die Eltern ja nachhelfen.

4. Was soll der Samichlaus überhaupt alles erwähnen?

Cornelia Döbeli: Mir war wichtig, dass er Lob und Tadel austeilt und dass er sich kurz hält. Kinder können ja nicht allzu lange konzentriert zuhören. So hob unser Samichlaus bei seinem ersten Besuch etwa lobend hervor, dass Patrik ohne grosses Murren in die Krippe gehe und bereits eine gute Hilfe beim Kochen sei. Als einzigen Negativpunkt erwähnte er, dass Patrik abends nicht allein einschlafen wolle und nachts immer nach seiner Mama rufe. Das war etwas, was mich zu jener Zeit wirklich nervte. Aber ehrlich gesagt versprach ich mir diesbezüglich durch den Samichlausbesuch nicht unbedingt Besserung.
Samichlaus: Im goldenen Buch steht zwar eine Menge drin. Aber es muss nicht immer alles gesagt sein. Doch was gesagt wird, soll stets konstruktiv und wohlwollend sein.

5. Was, wenn das Kind den Samichlaus erkennt - oder nicht mehr an ihn glaubt?

Cornelia Döbeli: Irgendwann müssen alle Eltern damit rechnen, dass ihr Kind nach Hause kommt und sagt, der Samichlaus sei doch bloss ein verkleideter Mann. Dann werde ich Patrik und später auch Raphael die Legende von St. Nikolaus erzählen, der mit seinem vielen Geld den armen und kranken Leuten geholfen und die Kinder sehr gerne gehabt hat. Ich werde Patrik erklären, dass der 6. Dezember so eine Art Gedenktag für diesen Mann sein soll. Ob die Kinder den Samichlaus weiterhin zu Besuch wollen, diesen Entscheid überlasse ich ihnen.
Samichlaus: Was soll ich dazu sagen? Hamlet kommt ja auch nicht auf die Bühne und gibt zu, dass er bloss ein Schauspieler sei. Der Schauspieler ist Hamlet - so wie ich der Samichlaus bin.

Hier gibts Chläuse

Auf www.chlaus.ch finden Sie mehr als 600 Samichlausgesellschaften. Nehmen Sie frühzeitig Kontakt auf und klären Sie, was der Chlaus wissen muss, sagen soll und kostet.