Caroline Minjolle, Frankreich, 46, Fotografin, seit 25 Jahren in der Schweiz, mit Merlin, 15, und Basil, 12

Quelle: Lea Meienberg

«Mir gefällt das Multikulturelle der Schweiz, der Umgang mit Fremdsprachen zum Beispiel ist viel besser als in Frankreich. Ich finde es toll, dass meine Söhne in der Schule schon früh andere Sprachen gelernt haben, dadurch sind sie viel offener als französische Jugendliche.

Dass beide Elternteile berufstätig sind, ist in Frankreich selbstverständlich. Ich war schon etwas überrascht, wie schwierig es hier in der Schweiz war, Krippenplätze zu finden. Hier ist es halt noch oft so, dass der Mann arbeitet und die Frau daheim bei den Kindern ist – unvorstellbar für mich.

Zu Frankreich verbindet mich eine Hassliebe, ich komme vom Land, aus einer Kleinstadt, und wollte immer weg. Meinen Kindern gefällt Frankreich aber sehr gut, sie sind für das französische Fussballteam an der Weltmeisterschaft, und sie lieben das französische Essen und ganz allgemein das Savoir-vivre.

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In Frankreich sind die Leute spontaner, man lernt viel schneller andere Menschen kennen – hier dauert das oft Jahre. Aber in Frankreich ist Machismus weit verbreitet, das sieht man auch am Fall Strauss-Kahn. Ich versuche, meine Jungs so zu erziehen, dass sie Frauen und Männer als gleichwertig sehen und keine Machos werden.»

Laukuan Soliva Wan, China, 43, Seidenladenbesitzerin, seit 17 Jahren in der Schweiz, mit Marco Soliva, 40, Informatiker, Yin Jie, 14, und Kim, 18 Monate

Quelle: Lea Meienberg

«Mit zwei Jahren kommen alle Kinder in China in den Kindergarten, täglich von 8 bis 18 Uhr. Sie haben es sehr streng, müssen viel lernen und haben wenig Zeit zum Spielen – das heisst ganz viel Stress schon für die Kleinsten. Jeden Abend müssen sie dann noch Hausaufgaben machen, auch in den Ferien.

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Hier ist es viel lockerer. Mein älterer Sohn musste auch nicht immer lernen, ich habe mich da den Schweizer Verhältnissen angepasst.

Meine Erfahrung mit einer Schweizer Lehrerin war: Sobald ein Kind etwas schwierig oder auffällig ist, wird es sofort psychologisch abgeklärt und soll dann mit Ritalin ruhiggestellt werden. Das finde ich ganz schlimm – Lehrer müssen sich intensiver um solche Kinder kümmern und sie nicht einfach abschieben. So etwas gibt es in China nicht, dort sind Klassen mit 50 bis 60 Schülern normal. Logisch herrscht dort viel Disziplin, die Lehrkraft hat eine gewisse Autorität.

Und in China sind die meisten Kinder windelfrei, sobald sie laufen können – hier rennen noch Vierjährige mit Windeln herum.»

Alejandra Navarro Gallo, Mexiko, 38, Juristin, seit zehn Jahren in der Schweiz, mit Andreas Eigenmann, 42, Kommunikationsberater, Nicolás, 5, Manuel, 2, und Isabella, 6 Monate

Quelle: Lea Meienberg
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«Der grösste Unterschied zwischen Mexiko und der Schweiz betrifft das Familienleben. In der Schweiz steht die Kernfamilie im Zentrum, bei uns daheim die Grossfamilie mit allen Geschwistern, Cousins und Cousinen, man pflegt sehr engen Kontakt. Das hat viele Vorteile, zum Beispiel sind nach der Geburt eines Kindes immer die Mutter und die Schwestern für einen da – man braucht keine Hebamme, die Hausbesuche macht.

Dass die eigene Mutter ständig sehr involviert ist, kann natürlich auch schwierig sein. In der Schweiz werden dafür eher Freundschaften gepflegt, aber alles läuft weniger spontan, man muss Termine abmachen, um sich zu sehen.

In Mexiko sind die Kinder überall immer mit dabei – hier sind die Erwachsenen lieber gemütlich unter sich, man gibt die Kinder ab.

Ein riesiger Vorteil der Schweiz ist die öffentliche Schule, die gute Qualität des Schulsystems. In Mexiko gibts eine Zweiklassengesellschaft, die Reichen schicken ihre Kinder auf Privatschulen, das finde ich sehr problematisch.

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Generell sind mexikanische Eltern viel strenger als Schweizer. Zum Beispiel: Wenn ein Kind keinen Mittagsschlaf machen will, dann muss es trotzdem ruhig im Zimmer bleiben. Hier erlebe ich oft das ­Gegenteil – die Eltern passen sich den Kindern an.»

Ranil Jayanetti, Sri Lanka, 45, Entwicklungsingenieur, seit sechs Jahren in der Schweiz, mit Shirleen Jayanetti, 43, Bankerin, Ramith, 13, und Lakith, 10

Quelle: Lea Meienberg

«Respekt gegenüber Älteren, insbesondere Eltern, Lehrern und Senioren, ist bei uns wie ein Gesetz, ein hoher Wert in der Erziehung, der auch auf unserem buddhistischen Glauben fusst. Ich etwa besuche heute noch, wenn ich in Sri Lanka bin, einen oder zwei meiner früheren Lehrer. In der Schweiz ist die Schüler-Lehrer-Bezie­hung etwas weniger respektvoll, finde ich.

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Sehr merkwürdig finde ich die frühe Selektion in Real- oder Sekundarschule, die kann sich für Kinder nachteilig aus­wirken, vor allem für sozial benachteiligte. In Sri Lanka besuchen alle Kinder bis zur 10. Klasse dieselbe Schule.

Sehr positiv in der Schweiz sind all die Freizeitmöglichkeiten, die vielen Spiel­plätze und Freibäder. In Sri Lanka gibt es keine Hallenbäder, die Kinder gehen in den nächsten Fluss baden. Auch draussen spielen oder Velo fahren geht in Sri Lanka nicht, die Strassen sind viel zu gefährlich.

Super ist auch das Sportangebot, aber ich finde es nicht so gut, dass die meisten Sporttrainings abends starten und die Kinder dann erst spät heimkommen. Wir essen deshalb erst um 20.30 Uhr.

Gewöhnungsbedürftig war für uns auch die lange Mittagspause – bei uns dauert die Schule von 7.30 bis 13.30 Uhr, danach gibts Sport. Die Kinder mussten lernen, die Mittagspause auch für Hausaufgaben zu nutzen.»

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