Seit sechs Jahren leitet Chrigi Burkard die Kindertagesstätte am Friesenberg, eine mittelgrosse Krippe in einem der kinderreichsten Quartiere der Stadt Zürich. Die Debatte um die familienergänzende Kinderbetreuung hat sie in den letzten Monaten aufmerksam verfolgt.

Beobachter: Frau Burkard, wird man als Kita-Leiterin reich?
Chrigi Burkard: (lacht) Ganz bestimmt nicht. Wir machen keinen Gewinn, bemühen uns einfach, das Budget ausgeglichen zu halten.

Beobachter: Jetzt stapeln Sie aber ein bisschen tief.
Burkard: Keineswegs. Schauen Sie hier unsere Abrechnung vom Jahr 2011. Wir sind ein Betrieb mit 18 Angestellten, haben 37,5 Plätze für Kinder in drei altersdurchmischten Gruppen. Unser Ertrag für das ganze Jahr 2011: 5314 Franken.

Beobachter: Trotzdem sind die Kitas in der Schweiz so teuer, dass viele Eltern stöhnen.
Burkard: Das hat andere Gründe. Um gut qualifiziertes Personal zu finden, muss ich branchenübliche Löhne zahlen. Eine Gruppenleiterin verdient als Anfangslohn 4800 Franken, eine Miterzieherin 4450 Franken für eine 100-Prozent-Stelle. Reich wird damit in der Stadt Zürich niemand.

Beobachter: Warum sind denn Elternbeiträge so hoch? In Deutschland und erst recht in Schweden bezahlen Eltern nur einen Bruchteil.
Burkard: Genau, weil der Staat die Kinderbetreuung dort viel stärker unterstützt. Die Kitas bekommen höhere Subventionen, nur so können sie ihr Angebot stark vergünstigen. Der einzige Weg, Kitas in der Schweiz günstiger zu machen, wäre mehr Geld vom Staat. Unsere einzigen Einnahmen sind die Subventionen und die Elternbeiträge.

Beobachter: Sparen können Sie sonst nirgends?
Burkard: Nein, solange wir einen sicheren, pädagogisch wertvollen Service anbieten wollen, gibt es kein Sparpotential.

Beobachter: Sind denn die Vorschriften für das Eröffnen einer Kita zu streng?
Burkard: Das finde ich nicht. Alle Eltern wollen ihre Kinder in eine gut geführte, sichere Kita geben. Wenn nämlich etwas passiert, ist das Geschrei gross.

Beobachter: Kita-Leiterinnen haben sich aber in den Medien beklagt über bauliche Vorschriften wie die Breite der Eingangstür.
Burkard: Mit den baulichen Vorschriften muss man sich nur einmal beschäftigen, wenn man neu eröffnet. Ich finde die Vorgaben wichtig, gerade auch jene der Feuerpolizei.

Beobachter: Wie häufig werden Sie kontrolliert?
Burkard: Wir bekommen alle vier Jahre Besuch von der Krippenaufsicht.

Beobachter: Viele Eltern klagen, dass sie lange auf einen Platz warten müssen.
Burkard: Ja, vor allem Plätze für Kinder unter 18 Monaten sind rar. Sie brauchen mehr Betreuung. Wir könnten sofort eine weitere Kita eröffnen.

Beobachter: Warum tun Sie es nicht?
Burkard
: Wir finden keine Räume. Das ist ein gros­ses Problem. Die Mieten sind zu hoch. Von Kolleginnen weiss ich zudem, dass häufig Nachbarn Einsprache gegen geplante Kitas erheben.