Maurice Buscaglia macht den Vogel, und zwei Dutzend Männer fuchteln mit – kein schöner Anblick. Es ist noch keine 10 Uhr an diesem heiligen Sonntagmorgen. Draussen hängt der Nebel tief über Altendorf SZ, drinnen in der Turnhalle bringen sich die Väter mit 30 Kindern im Schlepptau langsam auf Betriebstemperatur. Eben waren sie noch Vögel, jetzt sind sie Frösche, danach Säue, «die sich im Dreck wälzen», erklärt Buscaglia.

Weil Vaki-Turnen just in solchen Momenten aussieht, wie Vaki-Turnen klingt, gilt Vaki-Turnen unter «richtigen» Männern als Schreckgespenst. Man darf gar behaupten: Es gibt Männer, die wegen des Vaki-Turnens in den Zeugungsstreik treten. Bei Beat Zbinden war es dafür bereits zu spät. Es kam, wie es kommen musste: «Eines Tages meinte meine Frau, ich solle doch mal vorbeischauen. Mein erster Gedanke war: ‹Nein, bitte nicht!›» Und jetzt sitzt er hier und sagt geläutert: «Ich finde es genial!» Und: Man nimmt es ihm ab.

«Hausmänner gibts hier nicht»

Die Leidenschaft, mit der die Väter zu Werke gehen, ist in der Tat beeindruckend. Egal, ob beim Trampolinspringen, Balancieren oder Mattenschaukeln, geduldig stehen sie ihren Mann – den neuen Mann? «Nein», sagt Urs Gnos, halb ironisch, halb ernsthaft, «wenn Sie Hausmänner damit meinen; die gibts hier nicht.» Dafür den Banker, den Wirtschaftsanwalt, den Handwerker. Sie alle arbeiten 100 Prozent – «oder mehr», wie Sascha Zilte­ner betont: «Deshalb gehört das Wochenende meinen Kindern – und das Vaki-Turnen exklusiv meiner Tochter Lilly.» Urs Gnos meint: «Hier lernen wir andere Väter aus dem Dorf kennen, denen wir sonst kaum begegnen würden.»

Doch Zeit für ein vertieftes Gespräch bleibt kaum, die Papis – wenn schon mal da – sind gefordert. Nach der Turnstunde findet deshalb jeweils ein kleiner Apéro statt. «Im Austausch mit Männern, die in einer ähnlichen Situation sind, relativieren sich viele Fragen, Sorgen und Nöte», sagt Josef Knuti. Das tue gut. Wie auch das bisschen Bewegung, wie man schnell feststellt. «Lass das», sagt denn Raphael ­Bakaus, als sich sein Sohn Tim am Hula-Hoop-Reifen versucht. «Das wird sonst peinlich.» Tatsächlich. Lassen können es aber beide nicht, weder Tim noch sein Vater. Und es zeigt sich: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. 

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