Was Sie beschreiben, ist in Ihrer Situation normal, auch wenn ­Ihnen diese Emotionen nicht gefallen. Einen Trick, sie schnell loszuwerden, gibt es nicht. Sie müssen zuerst einmal durch ein Stück Abschied und Trauer hindurch – Abschied von der Zeit des Ledigseins. Jede Weiterentwicklung bedeutet zwar einen Gewinn, aber zugleich geht ­etwas Altes, Liebgewonnenes verloren.

Es hat keinen Sinn, diese Gefühle zu unterdrücken, weil «man sich doch auf ein Kind freuen muss». Die Offenheit und auch die Freude werden sich von selber einstellen, wenn Sie die «alten Geschäfte» erledigt haben. Sie sollten in Ruhe Abschied nehmen von Ihren Junggesellengewohnheiten, indem Sie diese bewusst nochmals zelebrieren.

Auch die Mutter muss verzichten

Es stimmt, Sie werden wohl Ihre Ungebundenheit verlieren, wenn Sie Vater werden. Das Baby braucht sehr viel Aufmerksamkeit und Kraft. Aber es ist auch ein beglückendes Erlebnis. Sie werden wieder ein neues Gleich­gewicht zwischen Pflicht und Freiheit finden müssen.

Besprechen Sie die Probleme mit Ihrer Partnerin. Auch sie gewinnt nicht nur durch das Mutterwerden. ­Sicher können Sie beide für­einander Verständnis entwickeln, was diese Ängste angeht. Sie nehmen das Abenteuer Familie ja gemeinsam in Angriff.

Gerade die jungen Männer von heute, die nicht bloss den «Ernährer» spielen, sondern auch an der Kinderpflege und Erziehung aktiv teilhaben wollen, machen sich in der Zeit der Schwangerschaft der Partnerin oft Sorgen.

Trotzdem: Nach dem Befinden einer Schwangeren erkundigt sich jeder, aber dass ihr Partner damit Probleme haben könnte, können sich die wenigsten vor­stellen. Deshalb geben die meisten Väter ihre negativen Empfindungen nicht einmal vor sich selber zu. Widersprüchliche Gefühle sind jedoch die Regel. Momente der Vorfreude wechseln ab mit Ängsten, mit sexuellen Problemen, mit dem Gefühl, irgendwie draussen zu sein und das ­euphorische Schwangerschaftsgefühl der Partnerin nicht teilen zu können – bis zu einem eigentlichen Gebärneid. Bei vielen treten in dieser Zeit psychosomatische ­Erkrankungen oder gar Depressionen auf.

Sich als Vater nicht überfordern

Am fruchtbarsten sind Offenheit gegenüber den eigenen, auch negativen Ge­fühlen und Gespräche mit der Partnerin. Auseinandersetzungen sind häufiger, weil es jetzt Ernst gilt und keine Flucht mehr möglich ist. Sehr hilfreich kann auch eine Gesprächsgruppe mit Männern in der gleichen Situation sein.

Wichtig ist ausserdem der Aufbau einer Art Beziehung zum werdenden Kind. Dazu gehört nicht nur die Teilnahme an Geburtsvorbereitungskursen und Mithilfe bei der Auswahl von Kleidchen und Mobiliar. Viele Männer sind auch bei den Voruntersuchungen beim Gynäkologen dabei und sehen dort die ersten Ultraschallbilder des kleinen Nachkommen. Später können sie am Bauch der Mutter die ersten Bewegungen spüren. Aber auch hier soll man sich nicht überfordern. Vielen Männern gelingt es schlecht, bereits in dieser Phase eine Beziehung zum Kind herzustellen. Sobald es einmal auf der Welt ist, ergibt sich diese von selbst – vor allem wenn Väter bei der Geburt dabei sind und bei der Säuglingspflege mithelfen.