Kaum ein Elternpaar rechnet bei der Familiengründung damit, irgendwann getrennte Wege zu gehen. Trotzdem müssen sich jährlich viele Kinder mit dieser Tatsache abfinden. Wird ihr Bedürfnis nach einer «intakten» Familie nicht mehr gestillt, löst dies Verunsicherung und Ängste aus: Was wird geschehen? Habe ich Schuld daran? Haben mich meine Eltern noch lieb?

Eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung spielt das Alter des Kindes. Klein­kinder bis etwa drei Jahre können ihre ­Verlustängste nicht rational verarbeiten. Ihnen bleibt nur die gefühlsmässige Reaktion, oft erkennbar an motorischer Unruhe, Weinerlichkeit, Angstzuständen, Schlafstörungen oder Rückzugstendenzen.

Ältere Kinder können die Situation ­etwas einfacher akzeptieren, solange sie nicht das Gefühl bekommen, dass ihnen etwas Geliebtes genommen wird. Ein ­stützender Faktor, der es ihnen erleichtert, mit der neuen Situation klarzukommen, ist der Fortbestand einer aktiven und ­positiven Eltern-Kind-Beziehung mit ­regelmässigen gemeinsamen Aktivitäten.

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Fehlen solche Stützen, reagieren vor ­allem Jungen mit aggressivem Verhalten. Mädchen passen sich eher übermässig an und schlucken ihre Sorgen hinunter. Oder sie übernehmen zu viel Verantwortung für Mutter und Geschwister. Oft zeigen sie dann später, in der Pubertät, Depressionen oder schwaches Selbstvertrauen.

Kinder, die erst im Jugendalter mit der elterlichen Trennung konfrontiert werden, erleben diese häufig als besonders ver­unsichernd, da sie inmitten der eigenen ­Identitätsfindung stecken. Sie zeigen ihre Enttäuschung über den Zerfall der Familie überraschend heftig, manche flüchten in virtuelle Welten oder in Cliquen.

Die Kinder sollen mitentscheiden dürfen

Eine Trennung birgt viele Risiken für die kindliche Entwicklung. Trotzdem sind sich Fachleute einig, dass eine Trennung für das Kind besser erträglich ist als anhaltende Konflikte. Damit ein Kind über die Trennung seiner Eltern hinaus seelisch ­geschützt bleibt, muss sich die Familie konstruktiv mit der neuen Situation aus­einandersetzen und offen darüber reden. Ein starkes soziales Netz von Verwandten, Freunden, Nachbarschaft und Fachleuten ist besonders wichtig.

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Im Alltag ist der Familientisch relevant, an dem die Kinder mit Mutter oder Vater regelmässig zusammen essen. Förderlich ist ausserdem, wenn die Kinder bei den gemeinsamen Aktivitäten und Besuchs­terminen mitentscheiden dürfen. Gerade Teenager wollen kein Wochenende beim Papa verbringen, wenn sie deswegen ein Schulfest verpassen. Für jüngere Kinder kann es hilfreich sein, wenn der weggezogene Elternteil die Kinder regelmässig bei ihnen zu Hause betreut, statt dass diese von heute auf morgen in einem neuen Umfeld übernachten müssen.

Ein kindgerechtes Familienleben trotz Trennung gelingt allerdings nur, wenn das getrennte Paar seine Konflikte auf ein ­Minimum reduziert und seine Aufgabe als Eltern weiterhin gemeinsam wahrnimmt. Unterstützung auf dem Weg zu einer bestmöglichen Trennung der Eltern gibt es durch fachliche Beratung. Ein hilfreiches Instrument kann der Eltern-Kind-Vertrag sein, wie er von Peter Angst, Paarberater und Mediator, entwickelt wurde.

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Weitere Infos

  • Buchtipp: Remo Largo, Monika Czernin: «Glückliche Scheidungskinder. Trennungen und wie Kinder damit fertig werden»; Verlag Piper

  • Vertrag zwischen Eltern und Kind: «Eltern-Kind-Vertrag» (PDF; 44 KB)