Frage von Alex S.: «Ich habe mich so heftig in eine Frau verliebt wie nie zuvor – und war sicher, es sei gegenseitig. Nach drei traumhaften Wochen hat sie mir mitgeteilt, ich sei nun doch nicht der Richtige. Ich bin am Boden zerstört.»

Antwort von Koni Rohner, Psychotherapeut FSP:

Das kann ich verstehen. Die Verliebtheit ist zwar wohl das stärkste positive Gefühl, das wir erleben können. Aber es ist etwas vom Schlimmsten, wenn diese Verliebtheit einseitig ist oder wird und wir zurückgewiesen werden. «Trennungsschmerz ist alles, was wir über die ­Hölle ­wissen müssen», schrieb die Schriftstellerin Emily Dickinson. Unglücklich verliebt sein ist tatsächlich die Hölle. Gefühle von Leere, Hoffnungslosigkeit, Angst und nicht zuletzt Wut überschwemmen den Zurück­gewiesenen. Fast jedermann kennt diese ­Qualen.

«Liebe ist das Beste auf der Welt . . . bis sie vorbei ist», schreibt die US-Anthropologin Helen Fisher, die sich auf die Erforschung der Liebe spezialisiert hat. Sie hat bei frisch verliebten Versuchspersonen untersucht, welche Hirnstrukturen und Hormone eine Rolle spielen. Das hat sie davon überzeugt, dass die Liebe das mächtigste Hirnsystem überhaupt ist. Während wir in der Verliebtheit die ganze Zeit an den Geliebten oder die Geliebte denken müssen und ­eine gemein­same Zukunft fantasieren, das Leben eine neue Dimension bekommt, sich das Beste aus unserer Persönlichkeit entfaltet, wir uns stark und beglückt fühlen, bricht mit der Zurückweisung alles zusammen.

Man kann nicht glauben, dass es vorbei ist

Weil die Liebe aber eine derart starke Kraft ist, können wir nicht einfach aufhören zu lieben. Helen Fisher hat auch Menschen befragt und untersucht, die soeben eine geliebte Person verloren haben. Sie hat bei allen ähnliche Reaktionen gefunden. ­Zuerst versuchen die Betroffenen noch, die Realität zurechtzubiegen, hoffen auf eine Rückkehr des oder der Geliebten, kämpfen um ihn oder sie und können nicht glauben, dass alles vorbei sein soll. Dann stellen sich Gefühle der Leere ein, viele werden depressiv, verlieren alle Lebensfreude, sehen keine Zukunftsperspektive mehr. Aber auch eine Riesenwut ist normal. Die frustrierte Liebe führt zu hef­tigen Aggressionen gegen den Abtrünnigen.

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Wie kommt man wieder aus diesem Tal der Verzweiflung?

Für einmal gilt nicht die hier meist ver­tretene Regel, dass man durch seine Gefühle hindurchgehen muss, um zu genesen. Leidenschaftliche Liebe ist eben eine besondere Art von Gefühl und hat mehr Ähnlichkeit mit einer Sucht. Also empfiehlt Fisher als erste Massnahme das, was man auch einem Alkoholiker empfehlen würde: Meide das Suchtmittel! Also dem ehemaligen Geliebten konsequent aus dem Weg gehen. Sich mit geeigneten Mitteln ablenken. Und die Wut nutzen, um den quälenden Ex aus dem Herzen oder besser dem Gehirn zu werfen. ­Fisher ist sogar der Meinung, dass es der Sinn der Wut ist, das wunderschöne, romantische Liebes- und Beziehungsbild, das in der Verliebtheit entstanden ist, zu zerstören.

8 Tipps zum Entlieben

  • Jeden Kontakt mit dem Objekt der Verliebtheit meiden, auch nicht simsen oder telefonieren.

  • Fotos, Erinnerungsstücke, Geschenke, Briefe wegwerfen. E-Mails und SMS löschen.

  • Die Orte, an denen man es schön hatte, wenn immer möglich meiden.

  • Nicht in Erinnerungen an schöne Zeiten schwelgen und nicht darüber nachdenken, wieso man zurückgewiesen wurde.

  • Sich alle negativen Erlebnisse mit der verlorenen Person und alle ihre negativen Eigenschaften immer wieder vor Augen führen.

  • Ans Sonnenlicht gehen, viel Sport machen. Das ist gut gegen Depressionen.

  • Sich mit Freunden treffen, spüren, dass es Menschen gibt, die einen mögen.

  • Sich an den eigenen Wert erinnern, an die eigenen Begabungen und positiven Eigenschaften.

  • Wenn diese Regeln befolgt werden, heilt die Zeit die tiefe Wunde.

Weitere Informationen

Dokumentarfilm des Schweizers Christian Frei zum Thema Liebeskummer und seine Heilung.

Buchtipp
Helen Fisher: «Warum wir lieben: Die Chemie der Leidenschaft»; Walter-Verlag, 2005.