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WeihnachtenDas Rezept für gute Geschenke

Wenn man von Kindern Selbstgebasteltes zu Weihnachten erhält, ist das zwar süss und nett. Doch jetzt mal ehrlich: Wer braucht all die Serviettenringe, beklebten WC-Rollen und bemalten Tonklumpen wirklich? Besser kommts, wenn die Kids kulinarische Köstlichkeiten herstellen.

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Was solls denn dieses Jahr sein für Götti, Tante oder Grosseltern? Schauen Sie sich doch mal in der Küche um. Dort warten Olivenöl, Schokolade, Früchte, Kräuter und Gewürze auf bastelfreudige Kinderhände. Hausgemachtes ist nicht nur bei den Grossen hip, auch für Kinder gibts Rezepte, die mit wenigen Zutaten schmackhafte Geschenke bescheren.

Die siebenjährige Yael und die beiden Elfjährigen Lena und Joel probierten für den Beobachter drei Geschenkrezepte aus - unter der fachkundigen Anleitung von Jeanette Felder von der Zürcher Belvoirpark Hotelfachschule. Die ausgebildete Köchin ist dort Eventkoordinatorin und hat als solche langjährige Erfahrung mit Kinderkochkursen. An diesem Nachmittag will sie mit den Kleinen Kräuteressig und Zitronenöl, Apfelgelée und Truffes produzieren. Yael, die Jüngste, traut sich anfangs kaum in die Küche: «Ich weiss nicht, ob ich das kann», flüstert sie. Doch als Jeanette Felder sie zu einem Berg frischer Kräuter führt und erklärt, wofür diese gedacht sind, verliert die Siebenjährige ihre Scheu. «Riech mal, das sind Thymian, Rosmarin, Currykraut und Lorbeer.» Wenige Minuten später steckt Yael die Kräuter in leere Glasflaschen.

«Die Kinder machen lassen»
Sechstklässlerin Lena bringt für Mokka-Truffes Milch mit Kaffeebohnen auf dem Profiherd zum Köcheln. Dann lässt sie einen Teil der weissen Schokolade, die sie zuvor in Stücke gebrochen hat, in der Mokka-Milch schmelzen. Neben Lena kocht Joel Apfelsaft mit Gelierzucker auf, schneidet zwei rote Äpfel in Schnitze und gibt sie in die Pfanne. «Sobald es sprudelt», sagt Jeanette Felder, «darfst du die Pfanne bloss noch vier Minuten auf dem Herd lassen.»

Kurz darauf erklärt die 32-Jährige, dass die Flüssigkeit nicht gut geliere, wenn man sie zu lange sprudelnd kocht. Sie ist sich von Kinderkochkursen, etwa zu Geburtstagen, gewohnt, mehrere Jungköche gleichzeitig zu betreuen, bis zu acht seien leicht zu handhaben. Eltern wären damit wahrscheinlich überfordert. Worauf sollten Mami und Papi denn achten, wenn sie mit ihren Buben und Mädchen die Küche belagern? «Wichtig ist, dass man die Kinder machen lässt», so Felder. Zwei-, dreimal habe sie die Erfahrung gemacht, dass Kindern die Lust am Kochen vergehe, wenn man sie ständig zurechtweise. Seither lässt sie - ausser wenns brenzlig wird - die kleinen Köche gewähren, auch wenn sie das eine oder andere Rezept nach ihrem Gusto interpretieren und damit experimentieren. Was jedoch nicht heisst, dass man die Kinder einfach allein lassen soll. Denn sie wollen gleichzeitig auch Aufmerksamkeit, jemanden, der erklärend zur Seite steht. «Und natürlich», so Jeanette Felder, «müssen Erwachsene die schwierigen oder heiklen Aufgaben selber übernehmen.» Am besten schicken sich Eltern also in die Rolle des persönlichen Küchenassistenten, der mit- und vorausdenkt, sich aber nicht in den Vordergrund drängt. Und geht etwas schief, ist Gelassenheit angesagt; jedes Kochgenie muss auch mal etwas verkocht haben.

Geht es darum, Ideen für essbare Geschenke zu finden, können unzählige Inspirationsquellen angezapft werden (siehe «Buchtipps»). Wichtig ist, dass man nicht zu viel will. «Nach zwei Stunden ist die Aufmerksamkeit der Kinder erschöpft», so Felder. «Und am fertigen Essen haben die Kids meist kein Interesse; sie wollen nicht am Tisch sitzen und essen, sondern probieren am liebsten während des Kochens.»

Yael, Lena und Joel sind da keine Ausnahme. Kaffee - da sind sie sich einig - mögen sie zwar nicht, aber die süsse Masse mit ganz leichtem Mokkageschmack hat es den dreien angetan. Zum Glück muss diese nun in den Kühlschrank. Dort wird sie fest, so dass die Kinder sie später zu Kugeln formen können.

Jetzt sorgen die Jungköche dafür, dass Konfitüre, Pralinés, Öl und Essig schicke Verpackungen kriegen. Die Beschriftung der Produkte entpuppt sich bei den Kindern als kreativer Akt: Zeichnungen, Phantasiesprüche - etwa «Heiltrenklein» für eine Essigflasche - und kleine Scherenschnitte hängen zum Schluss an Gläsern, Flaschen und Verpackungen, befestigt mit farbigen Bastbändern.

Doch halt: Noch ist nicht Schluss. Die Pralinémasse wartet im Kühlschrank aufs Finish. Und die restlichen Schokoladestückchen hat Jeanette Felder im Backofen geschmolzen. Wieso nicht im Wasserbad? «Im Backofen ists viel einfacher, man braucht keine Extrapfanne», erklärt die Expertin. Man deckt dafür einfach die Schokolade mit Frischhaltefolie gut ab. Bei maximal 100 Grad schmilzt sie in zehn Minuten. So lernen die Kids also auch den einen oder anderen Profi-Kochtrick.

Praktisch: Lange Haltbarkeit
Mit zwei Löffeln formen sie nun Pralinékugeln, die dann durch die geschmolzene Schokolade gezogen werden sollten. Leider ist die Pralinémasse noch zu weich, «sie bräuchte eigentlich ein paar Stunden, um gut auszukühlen», erklärt Felder. So schmecken diese Truffes zwar gut, optisch sind sie jedoch weniger als Geschenk denn für den sofortigen Verzehr geeignet. Aber bis Weihnachten wären sie ohnehin verdorben, denn sie sind nur etwa drei Tage haltbar - man muss sie also frisch zubereiten. Der Gelée, der Essig und das Öl hingegen sind ein halbes Jahr und länger zu geniessen.

Die Verwandten von Yael, Joel und Lena können sich nun jedenfalls auf leckere Weihnachtsgeschenke freuen. Und worauf freuen sich die drei Kids? Was wünschen sie sich unter dem Weihnachtsbaum? Die Antwort der Kleinsten kommt am schnellsten: «Einen Gameboy.» - «Sachen für den Setzkasten», sagt Lena. Und Joel? «Ich habe ja schon alles», meint er. Hier ist die Phantasie der Erwachsenen gefragt.

Buchtipps
Unzählige Publikationen bieten Inspiration für ­essbare Geschenke, die auch mit Kindern gekocht werden können. Koch­expertin Jeanette Felder rät: «Kinder mögen vor allem Bücher mit einfachen Illustrationen, klassische Foodfotografie spricht sie nicht so an.» Ideen für Geschenke aus der Küche geben beispielsweise folgende Publikationen:

  • «Kulinarische Geschenke», 17 abwaschbare Kinder-Rezeptkarten, Verlag Betty Bossi, Fr. 19.90
  • «Globis grosses Dessertbuch», 56 Seiten, Globi-Verlag, Fr. 29.80 (mit Globi-Puderzuckerschablone)
  • Kochbuchserie «Ein Poet am Herd» von Oskar ­Marti, vier Bücher (Frühling, Sommer, Herbst, Winter), AT-Verlag, je Fr. 44.90. In jedem Band finden sich Tipps für das Einmachen von saisonalen Blumen, Früchten und Kräutern.
  • «Geschenke aus der Küche», Gratisbroschüre der Schweizer Milchproduzenten, zu bestellen unter www.swissmilk.ch

Essbare Geschenke

Mokka-Truffes

1 Deziliter Milch

2 Esslöffel Kaffeebohnen, ganz (eventuell koffeinfrei)

Die Milch mit den Kaffeebohnen aufkochen, vom Herd nehmen und etwa fünf Minuten ziehen lassen. Milch absieben und zurück in die Pfanne giessen.

180 Gramm weisse Schokolade Die weisse Schokolade in Stücke brechen. 30 Gramm zur Seite legen für die Schlussdekoration. Restliche 150 Gramm in die heisse Milch geben und schmelzen lassen.
10 Gramm Butterwürfeli, kalt Die kalten Butterwürfeli zur Milch geben, alles vermischen und im Kühlschrank erkalten lassen, bis die Masse fest geworden ist (rund drei Stunden).
eventuell etwas Kristallzucker Die restliche Schokolade zum Schmelzen bringen. Mit Espressolöffel kleine Kugeln ausstechen, in etwas flüssige Schokolade tunken und nach Belieben in Kristallzucker wenden.
Variante: Die Pralinémasse kann mit 20 Gramm Kaffeelikör, zum Beispiel Kahlua, angereichert werden (mit der Butter beigeben).

Kräuter-Weissweinessig
Zutaten für etwa drei Flaschen à 3,5 Deziliter
Flaschen Die Flaschen heiss auswaschen.

2 Knoblauchzehen
2 Zweige Rosmarin
2 Zweige Thymian
1 Zweig Currykraut oder Lavendel*
Je 1 Teelöffel schwarze und weisse oder rosa Pfefferkörner

Die Knoblauchzehen halbieren und die Kräuter waschen. In den Flaschen verteilen (nach Belieben) und je einige Pfefferkörner dazugeben.

1 Liter Weissweinessig oder weisser Balsamico-Essig Den Essig mit einem Trichter in die Flaschen giessen.
*Ideal sind holzige Kräuter. Eher nicht geeignet ist beispielsweise Salbei, da sich der Essig verfärbt.
Hinweis: Bevor der Essig verschenkt wird, etwa eine Woche ziehen lassen, damit sich der Geschmack voll entfalten kann. Der Essig ist mindestens sechs Monate haltbar.

Zitronenöl
Zutaten für zwei Flaschen à 5 Deziliter
1 Bio-Zitrone Die Zitronenschale in zwei Spiralen abschneiden. In die Flaschen geben.

1 Liter Olivenöl

Öl leicht erwärmen (damit sich die ätherischen Öle aus der Schale lösen). Mit einem Trichter in die Flaschen füllen.

Variante: Das Öl kann - wie der Essig - auch mit Kräutern angesetzt werden.
Hinweis: Bevor das Öl verschenkt wird, etwa eine Woche ziehen lassen, damit sich der Geschmack voll entfalten kann. Das Essig ist mindestens sechs Monate haltbar.

Süsser Apfelgelée

Zutaten für etwa drei Gläser à 2 Deziliter

5 Deziliter Apfelsaft
1⁄2 Zitrone, Saft
500 Gramm Gelierzucker

Den Apfelsaft zusammen mit dem Zucker und dem Zitronensaft in eine Pfanne geben und aufkochen.
1 Bio-Apfel mit roter Schale Den Apfel mit der Schale in Schnitze schneiden und in die
siedende Flüssigkeit geben. Während vier Minuten sprudelnd kochen lassen (nicht länger, sonst geliert die Flüssigkeit nicht).
3 Zimtstangen Je ein Stück Zimtstange und zwei Apfelschnitze in die heiss ausgespülten Gläser geben und mit dem heissen Gelée bis zwei Zentimeter unter den Rand auffüllen. Sofort verschliessen.
Hinweis: Dunkel und kühl aufbewahrt, hält der Apfelgelée mindestens sechs Monate.
Veröffentlicht am 03. Dezember 2007