Wenn Finanzmenschen von Anlagen schwärmen, sollte man als Kunde vielleicht eher auf der Hut sein. Im Fall des Zinseszinses gilt das nicht. Wenn Banker ihn als «achtes Weltwunder» bezeichnen, ist das einerseits übertrieben. Anderseits ist sein Effekt tatsächlich bemerkenswert.

Auf der Raiffeisen-Website etwa sieht man, wie bei einer jährlichen Rendite von 4 Prozent der Wert exponentiell ansteigt und in 25 Jahren aus 10'000 Franken mehr als 26'000 werden. Das gilt es in der Säule 3a zu nutzen, denn hier geht es meist um lange Zeiträume.

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Dumm nur, dass es auf 3a-Konten praktisch keine Zinsen gibt – selbst die Spitzenreiter bieten nur 0,25 Prozent. In den letzten Jahren haben Lösungen mit Aktienfonds an Bedeutung gewonnen. Laut dem Verein Vorsorge Schweiz war 2021 ein guter Drittel der 3a-Vermögen in Wertschriften angelegt.

Wenn die Ausschüttungen wie etwa Dividenden konsequent wieder investiert werden, hat man zusammen mit einem wahrscheinlichen Wertzuwachs einen Zinseszinseffekt. Voraussetzung ist, dass man sein 3a-Vermögen in den nächsten acht bis zehn Jahren nicht beziehen muss und Börsenkrisen ohne schlaflose Nächte aussitzen kann. 

 

Riesige Unterschiede bei Gebühren

Wie findet man den passenden Vorsorgefonds? Man könnte sich an seine Hausbank halten. Doch: Ihre Produkte können, müssen aber nicht die vorteilhaftesten sein. Vergleichen ist sinnvoller. Dafür bieten sich Internetportale wie Moneyland.ch an, wo man riesige Kostenunterschiede sieht.

Zahlt man zum Beispiel 15 Jahre lang den aktuellen Maximalbetrag von 6883 Franken in einen Fonds mit mittlerem Risikoprofil (25 bis 45 Prozent Aktien) ein, betragen die Gebühren über die ganze Zeit im besten Fall rund 4000 Franken – und im schlechtesten 13'500, also mehr als das Dreifache. Das sagt zwar nichts darüber aus, welcher Fonds künftig die beste Nettoperformance hat, aber hohe Gebühren sind sicher ein Handicap.

«Kosten von 1 Prozent oder mehr sind heute für einen Vorsorgefonds zu hoch.»

Carlos Pérez, Beobachter-Geldexperte

Man sollte sich auch nicht zu sehr danach richten, welche Fonds bisher gut rentiert haben. Wer weiss schon, ob das so bleibt? Mindestens so wichtig sind deshalb die Kosten. Hier sind passiv verwaltete Fonds (sogenannte ETF und Indexfonds) im Vorteil, denn sie bilden nur einen Index wie den SMI nach und brauchen kein aktives und gut bezahltes Fondsmanagement. 

Beobachter-Geldexperte Carlos Pérez betont die Bedeutung der Kosten: «Wenn man 0,5 Prozentpunkte mehr Gebühren zahlt, macht das über die Jahre viel aus.» Kosten von 1 Prozent oder mehr seien heute für einen Vorsorgefonds zu hoch. «Gut ist alles unter 0,5 Prozent.»

Kostenvergleich nicht immer einfach

Leider ist ein Vergleich der Kosten nicht immer einfach. Zwar gibt es die sogenannte TER (Total Expense Ratio), die Gesamtkostenquote, die in Prozent des verwalteten Vermögens angegeben wird. Aber, so sagt Felix Oeschger, Analyst bei Moneyland: «Der Begriff TER ist irreführend, und er umfasst im Allgemeinen nicht alle Kosten.» Dazu kämen zum Beispiel noch Ausgabe-, Rückgabe- und Depotgebühren. Im Vergleich von Moneyland würden diese unter dem Begriff «Gesamtkosten» berücksichtigt. 

Seit einigen Jahren machen digitale Vorsorgelösungen von sich reden, die meist günstiger und deren Kosten transparenter sind. Derzeit gibt es etwa ein Dutzend, bekannt sind zum Beispiel Viac und Frankly. Doch die neue Konkurrenz scheint die klassischen Anbieter wenig zu beeindrucken. Bei den Gebühren habe sich dort nicht viel getan, sagt Moneyland-Experte Oeschger. «Die Unterschiede bleiben sehr gross.» 

Die etablierten Anbieter dürften auch davon profitieren, dass man sie seit langem kennt und sich kompetente Beratung erhofft. Man sollte sich aber bewusst sein, dass die Bankberaterin weder gratis arbeitet noch unabhängig ist. Und das Risiko ist auch vergleichbar. Selbst wenn ein digitaler Fintech-Anbieter in Konkurs gehen sollte, bleiben die Fondsanteile im Besitz der Kundin und müssen dieser herausgegeben werden.

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Ist der Zeitpunkt gut?

Was, wenn man im dümmsten Moment pensioniert wird und seine Säule 3a zu einem schlechten Kurs verkaufen müsste? Hier gibt es Lösungen: Bei einzelnen Anbietern lassen sich die Fondsanteile ohne Kosten in ein normales Depot überführen – man kann für den Verkauf auf bessere Zeiten warten. Selbst wenn das nicht geht und man die Anteile veräussern müsste, könnte man den Erlös in neue Fonds ausserhalb der Säule 3a investieren. Die sind dann ja auch günstiger.

Aber ist jetzt überhaupt ein guter Zeitpunkt, um in Fonds zu investieren? Wo doch die Kurse weiter zu fallen drohen? Tatsächlich kann das passieren. Bloss: Wann man die Talsohle erreicht hat, weiss man erst hinterher. Und bis man nicht mehr daran zweifelt, dass es nun tatsächlich bergauf geht, hat man schon einen Teil des Aufschwungs verpasst. 

Die Antwort auf dieses Dilemma heisst Sparplan. Man investiert kontinuierlich, etwa monatlich, die gleiche Summe – egal, was an den Börsen passiert. So kauft man bei hohen Kursen weniger Fondsanteile, bei niedrigen aber mehr – insgesamt sinkt der durchschnittliche Preis für einen Anteil. Voraussetzung ist, dass es bei den Gebühren keine Rolle spielt, wie oft man einzahlt, und dass es keine hohe Mindestanlagesumme gibt. 

Manchmal empfehlen Banken, gleich zu Jahresbeginn die gesamte Investition zu tätigen – angeblich um mehr von der Börsenentwicklung zu profitieren. 2022 war es definitiv die falsche Strategie, denn die Fondsanteile wurden im Jahresverlauf deutlich billiger. 

Obligationen verlieren auch

Auch Obligationen schützten dieses Jahr nicht vor Kursverlusten. Denn bei steigenden Zinsen verlieren bisherige Anleihen an Wert. Sie sind im Vergleich zu den neuen Obligationen, die schon höhere Zinszahlungen bringen, weniger attraktiv. Anleihen sind deshalb derzeit nur bedingt geeignet, ein risikoarmes Gegengewicht zu Aktien zu bilden. 

Auch hier gibt es eine einfache Lösung, auf die die Experten Pérez und Oeschger hinweisen. Wenn man einen Aktienanteil von höchstens 50 Prozent will, lässt sich das so lösen: Man steckt die Hälfte seiner 3a-Einzahlungen in einen Fonds mit praktisch nur Aktien. Die andere Hälfte kommt auf ein klassisches 3a-Sparkonto. Der Vorteil laut Oeschger: «Auf dem Konto fallen keine Gebühren an, und im Gegensatz zu Obligationen besteht kein Kursrisiko.»

Das gilt in der Säule 3a

Wer in der Schweiz ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen erzielt, darf in die Säule 3a einzahlen – dieses Jahr maximal 6883 Franken (2023: 7056 Franken), wenn man einer Pensionskasse angeschlossen ist. Bei Selbständigen liegt die Obergrenze bei 20 Prozent des Nettoeinkommens, maximal 34'416 Franken (2023: 35'280 Franken). Nachzahlungen für verpasste Jahre sind nicht möglich. Die Einzahlung reduziert das steuerbare Einkommen. Das Geld kann in der Regel frühestens fünf Jahre vor dem Pensionsalter bezogen werden. Diesen Kapitalbezug muss man versteuern, allerdings zu einem reduzierten Satz. Da man ein 3a-Depot nur als Ganzes auflösen darf, kann es sich steuerlich lohnen, mehrere Depots anzulegen und sich diese in verschiedenen Jahren auszahlen zu lassen.

So funktioniert das Vorsorgesystem

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Aufbau der drei Säulen der schweizerischen Altersvorsorge.

Quelle: Beobachter Bewegtbild

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