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BankenBruno Ammann im Interview: «Ich träume von einem Lotto-Sechser»

Beobachter: Wie hoch ist das in den ZKB-Anlagefonds verwaltete Vermögen?
Ammann: Rund 5,2 Milliarden Schweizer Franken, verteilt auf sieben Anlagefonds. Gesamthaft handelt es sich dabei um rund 100'000 Kunden.

Beobachter: Welcher Anlagefonds hat in den letzten fünf Jahren am besten rentiert?
Ammann: Aufgrund des höchsten Aktienanteils war dies der ZKB-Fonds Kapitalgewinn. Der Aktienanteil bewegt sich bei rund 95 Prozent. Die Sechsjahresrendite vom Juli 1994 bis August 2000 betrug fast 142 Prozent.

Beobachter: Wie legen Sie als ZKB-Fondsmanager das Vermögen von 670 Millionen Franken dieses Fonds an?
Ammann: Das Fondsvermögen wird weltweit in mehr als zehn Ländern und in rund 300 Gesellschaften investiert.

Beobachter: Und wie ist es denn möglich, dass Ihre Bank über die Entwicklung von rund 300 Gesellschaften überhaupt noch Bescheid weiss?
Ammann: Dies ist nur möglich dank dem Einsatz modernster Technologie: Finanzinformationsdienste wie Reuters oder Bloomberg liefern uns die Grundlagen. Selbstverständlich spielen aber trotz allen Hochtechnologien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer noch die wichtigste Rolle.

Beobachter: Kann der persönliche Anlageberater nicht demnächst durch die Informationsmöglichkeiten im Internet ersetzt werden?
Ammann: In diesem Sinn sicher nicht, denn es wird immer Anleger geben, die eine Beratung dem gefühllosen Internetbildschirm vorziehen. Hingegen werden sich die Anteile zwischen persönlicher Beratung und den Online-Möglichkeiten im Internet in den nächsten Jahren massiv zugunsten des Internets verschieben.

Beobachter: Ihr Kapitalgewinn-Fonds glänzt mit hohen Renditen. Kann auch ein Kleinsparer mit 50'000 Franken einsteigen, oder ist das Risiko zu hoch?
Ammann: Wer für sein neugeborenes Kind, auf seine Hochzeit oder für seine Ausbildung spart, kann sein Geld mit einem zwanzigjährigen Anlagehorizont guten Gewissens in einen reinen Aktienfonds investieren. Wer hingegen vor der Pensionierung steht und vom angesparten Geld seinen Lebensabend bestreiten muss, sollte eine deutliche Reduktion des Aktienanteils vornehmen.

Beobachter: Ist es heute für Aktieneinsteiger bei diesen rekordhaft hohen Kursen nicht der falsche Zeitpunkt, um Aktienfonds zu kaufen?
Ammann: Grundsätzlich ist es mit einem mindestens zehnjährigen Anlagehorizont nie zu spät, um mit einer selbst bestimmten Risikobereitschaft seinen persönlichen Aktienanteil aufzubauen. Grundsätzlich empfiehlt es sich bei Aktien, regelmässig zu sparen: Am besten investiert der Anleger einen monatlichen Sparbatzen.

Beobachter: Was mache ich als Sparer, wenn ich investieren will, pro Monat aber nicht mehr als 50 bis 100 Franken auf die hohe Kante legen kann?
Ammann: Dafür gibt es heute schon viele Fondssparpläne, die es besonders einer breiten Bevölkerungsschicht mit geringeren Sparmöglichkeiten ermöglichen, von den Kursentwicklungen an den weltweiten Aktienmärkten zu profitieren. Das dürfte auch der Grund sein, dass bei unserer Bank bereits in einem Jahr 20'000 Fondssparpläne beziehungsweise Anlagezielkonti abgeschlossen wurden.

Beobachter: Träumen Sie als Fondsmanager manchmal auch vom Börsencrash?
Ammann: Eigentlich träume ich nicht vom Börsencrash, sondern von schöneren Dingen wie von einem Lotto-Sechser. Grundsätzlich sind Angst und Panik, aber auch Geldgier beim Investieren in Aktien schlechte Ratgeber.

Veröffentlicht am 27. September 2000