Am Freitagabend wurde der diesjährige Prix Courage verliehen: der Beobachter-Preis für besonders mutige Taten. Eine der sieben Nominierten war Calista Gabriela Fischer, eine der Anführerinnen der Lehman-Geschädigten. Und just am Freitagmorgen wurde bekannt, dass die Credit Suisse (CS) zu weiteren Zugeständnissen bereit ist. Ein Zufall?

Nein, die CS versuchte damit quasi in letzter Minute den drohenden Imageschaden zu begrenzen, den eine Preisverleihung an Calista Fischer mit sich gebracht hätte. Offiziell dementiert die CS einen Zusammenhang zwischen den neuen Entschädigungen und der Prix-Courage-Verleihung. Fakt ist jedoch, dass die Bekanntgabe des Deals zwischen der Credit Suisse und Rechtsanwalt Fischer für Anfang der Woche geplant war und auf Freitag verschoben wurde.

Formell geht es um ziemlich wenig. Die Grossbank CS stuft rund 100 ihrer Kunden, denen sie bislang kein Angebot gemacht hat, als «Härtefall» ein und zahlt einem Teil von ihnen doch noch «aus Kulanz» eine Entschädigung. Bereits früher hatte die CS rund 3700 Kunden insgesamt 150 Millionen ausbezahlt, doch fiel eine ganze Reihe von Lehman-Geschädigten zwischen Stuhl und Bank, weil die CS die Kriterien für die Entschädigungsangebote selbst festlegte.

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Freiwillig ist das neuste Entgegenkommen der CS nicht. Die betroffenen Kunden waren allesamt Klienten der Kanzlei des Zürcher Wirtschaftsanwalts Daniel Fischer, und dieser drohte der CS mit einer Klage, falls es zu keiner Einigung kommt. Zu Rechtsanwalt Fischer kamen die Geschädigten über die «Anleger-Selbsthilfe». Diese Selbsthilfegruppe wird von der Prix-Courage-Nominierten Calista Fischer angeführt. Sie spricht von einem «Etappensieg», aber der Weg zu einer vollständigen Lösung sei noch weit.

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Kampf noch nicht zu Ende

Es seien «sehr harte Verhandlungen» gewesen, bestätigt Rechtsanwalt Fischer (mit Geschädigten-Vertreterin Calista Fischer nicht verwandt), aber er müsse der CS zugute halten, dass sie jeden einzelnen Fall sorgfältig geprüft habe und dass die CS bisher die weltweit einzige Bank sei, die Hand zu einer solchen Verhandlungslösung geboten habe.

CS-Sprecher Andrés Luther will nicht von einer «neuen Entschädigungsrunde» sprechen. Man habe sich mit Anwalt Fischer über die Modalitäten von «Härtefällen» geeinigt, wie dies eine im April getroffene Vereinbarung mit der Fédération romande des consommateurs vorsah.

Wie auch immer – knapp 100 weitere Lehman-Opfer werden somit laut Rechtsanwalt Fischer entschädigt, mit jeweils zwischen 30 und 70 Prozent des verlorenen Anlagebetrags. Dennoch ist der Kampf noch nicht zu Ende. Es gibt weiterhin Geschädigte, die keine Entschädigung erhalten haben. Die Verhandlungen werden deshalb fortgeführt, und es ist auch weiterhin möglich, dass es zu Klagen gegen die CS kommt.

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