Im riesigen Kreditkartenmarkt sind Prepaid-Karten zwar ein Nischenprodukt, aber besonders für zwei Zielgruppen sind sie attraktiv und nützlich. Erstens für Jugendliche, um sie an die Welt der bargeldlosen Zahlungsmittel heranzuführen. Und zweitens für Erwachsene, die – etwa wegen früherer Betreibungen – keine «normalen» Kreditkarten erhalten. Mit einer Prepaid-Karte können auch sie alltägliche Dinge tun, die sich ohne Kreditkarte nur noch sehr schwer erledigen lassen. Zum Beispiel einen Mietwagen reservieren oder im Internet einen Flug buchen.

Vor allem Junge nutzen die Prepaid-Karte

Allein Viseca, die für Kantonalbanken, Bank Coop, Migrosbank und Raiffeisen das Kartengeschäft abwickelt, hat 200'000 Prepaid-Karten im Umlauf. Der Hauptteil davon gehört Studenten – die meisten erhalten die Karte über ihre Bank gratis. Post­finance zählt weitere 70'000 Prepaid-Karten-Kunden, Tendenz auch hier steigend.

Für den Zürcher Erziehungsfachmann Urs Abt ist klar: «Prepaid-Geldkarten für Jugendliche sind eine gute Sache. Sie bieten wie beim Prepaid-Handy einen Schutz, weil kein Kontoüberzug möglich ist.» Abt findet den Wechsel von der Mittel- zur Oberstufe den geeigneten Zeitpunkt, Kindern mehr Verantwortung zu übertragen. «Die Eltern sagen dem Heranwachsenden damit: ‹Wir haben Vertrauen in dich, und du hast die Kompetenz zu entscheiden, wofür du dein Geld einsetzen willst.›»

Einige der Prepaid-Karten sind ab dem 12. oder 14. Altersjahr erhältlich, wobei die Erziehungsberechtigten den Antrag unterschreiben müssen. Danach können aber die Jugendlichen selbständig entscheiden, wie viel Geld sie vom Bankkonto auf die Prepaid-Karte laden wollen.

«Die Jugendlichen sollen lernen, das Geld einzuteilen. Und sie sollen auch mal den Schmerz eines Fehlkaufs aushalten», sagt Urs Abt. Das liesse sich natürlich auch mit Bargeld bewerkstelligen – doch Kinder bewegen sich immer mehr im Internet, und dort läuft ohne Kreditkarte praktisch nichts. Zudem lernen sie auf diese Weise gleich den sorgfältigen Umgang mit Sicherheitsmethoden, denn auch Prepaid-Karten haben selbstverständlich einen PIN-Code.

Im Prinzip sind Prepaid-Karten nichts anderes als eine wiederaufladbare Geschenkkarte – mit dem Unterschied, dass sie nicht nur in einem einzigen Geschäft eingesetzt werden können. Genau dieser Umstand macht die Prepaid-Karte zum besseren Übungswerkzeug: Wer mal hier, mal dort etwas ausgibt, verliert schneller den Überblick, als wer nur in einem einzigen Laden einkaufen kann. Umgekehrt heisst das: Wer mit einer Prepaid-Karte umgehen kann, kann es vermutlich später auch mit einer echten Kreditkarte.

Prepaid-Karten lohnen sich auch als Ergänzung zur Maestro-Karte bei Auslandsaufenthalten Heranwachsender (zum Beispiel im Austauschjahr): Die Eltern können aus der Ferne das Konto aufladen.

Kein Kauf möglich mit veralteten Geräten

Beim Einsatz unterscheiden sich Prepaid-Karten nicht grundsätzlich von herkömmlichen Kreditkarten. Man kauft via Internet im In- oder Ausland Waren oder zahlt vor Ort die Hotelrechnung. Einzige Ausnahme: An veralteten Bezahlstellen (mit sogenannten Ritsch-ratsch-Geräten) funktioniert die Prepaid-Karte nicht, weil diese Geräte keine elektronische Abfrage des Kontostands erlauben, vereinzelt auch nicht an Mautstellen oder in Taxis. Laut MasterCard sind in Europa und Nordamerika aber 90 Prozent aller Bezahlstellen mit elektronischen Geräten ausgerüstet. Weitere Einschränkung: Einige Anbieter lassen keinen Bargeldbezug zu (siehe Tabelle auf der nächsten Seite).

Für Jugendliche gibt es bei den meisten Banken speziell tiefe Jahresgebühren für solche Prepaid-Karten. Allerdings ist es mit der Jahresgebühr nicht getan – anders als beim Prepaid-Handy kassieren die Anbieter von Prepaid-Karten jedes Mal, wenn sie aufgeladen werden. Einzige Ausnahmen sind hier UBS und Postfinance. Postfinance bietet die Karte zudem für Studenten und Jugendliche in Ausbildung gratis an, unter 18-Jährige mit einem Jugendkonto erhalten sie für 25 Franken.

Teurer, dafür schneller aufgeladen

Die anderen Prepaid-Karten der Banken kosten rund ein Prozent bei jeder Aufladung. Teurer wirds bei den Angeboten der Kioskkette Valora oder der Firma Paysafecard: Bei ihnen frisst das Aufladen bis zu 6 Prozent weg – wer 100 Franken einzahlt, kann nur für 94 Franken einkaufen. Marc Riedi, Geschäftsführer von Paysafecard Schweiz, begründet diese hohen Kosten mit der niedrigen Jahresgebühr und dem Umstand, dass an sieben Wochen­tagen von 6 bis 22 Uhr ein rasches und unkompliziertes Aufladen durch Tankstellenshop-Personal möglich sei.

Zudem locken diese Anbieter mit sofortiger Aufladung, etwa Valora: «Nach zehn Minuten ist das Geld bereits auf der Karte.» Wer die Prepaid-Karte einer Bank via eine normale Banküberweisung auflädt, muss dagegen oft einen Werktag warten, bis das Geld verfügbar ist. Zu den Jahresgebühren und Auf­lade­kosten kommt ein dritter wichtiger Kostenfaktor: der Fremdwährungszuschlag, wenn man nicht in Schweizer Franken einkauft, sondern etwa die Hotelrechnung in Barcelona bezahlt oder bei einem deutschen Internetshop bestellt.

Geld im Ausland abzuheben ist sehr teuer

Dieser Aufschlag beträgt je nach Anbieter zwischen 0 (Credit Suisse) und 2 Prozent (Paysafecard, SBB, Valora) und ist in der Regel gleich hoch wie bei normalen Kreditkarten. Wer die Karte sehr häufig im Ausland einsetzt, für den ist ein tiefer Fremdwährungszuschlag entscheidend. Die diesbezüglich teure SBB-Karte kann das immerhin wettmachen, weil sie für Halbtax- und Generalabokunden gratis ist.

Übrigens: Wie bei normalen Kreditkarten auch sind Bargeldabhebungen (etwa am Automaten im Ferienland) sehr teuer und nur in Notfällen zu empfehlen.

Ein fast anonymes Zahlungsmittel

Prepaid-Karten empfehlen sich für Heranwachsende und Schuldner mit schlechter Kreditvergangenheit, aber auch für eine dritte Zielgruppe: Leute, die befürchten, dass ihre Kreditkartendaten gestohlen oder ihre Einkaufsgewohn­heiten im Netz ausspioniert werden – sei es von Geheimdiensten oder Gaunern. Die Credit Suisse wirbt ausdrücklich mit dem Argument der «Diskretion», weil auf ihrer Prepaid-Karte keine Kundendaten aufgedruckt sind und keine Kontoaus­züge verschickt werden.

Gegen Internetbetrüger schützt die Prepaid-Karte relativ gut, weil ein all­fälliger Verlust auf den aktuellen Kartensaldo beschränkt ist. Gegen Geheimdienste schützen sie indes nur, wenn sie nicht an ein Bankkonto gekoppelt sind. Solche gibt es zwar (siehe Tabelle) – aber sie sind deutlich teurer als Angebote in Kombination mit einem Konto.

Auch beim Kauf einer anonymen Karte muss man sich zwar mit einem Ausweis identifizieren, aber der Name wird nicht auf die Karte aufgedruckt und ist ausser bei der Kaufstelle nirgends gespeichert. Gänzlich anonym bleibt man dennoch nicht: Für den Kauf braucht es zwingend eine Schweizer Handynummer, und die wird ja ebenfalls registriert.

Neun Prepaid-Karten im Vergleich: Das kann teuer werden

Anbieter

Cornèr Bank

Credit Suisse

Paysafecard

Produktname

Cornèrcard Reload

MasterCard Prepaid

Yuna To Go

Auch erhältlich bei




Tankstellen,
Kioske

Mindestalter

12 Jahre

12 Jahre

keines

Bankkonto nötig?

nein

ja

nein

Maximale Ausgaben pro Jahr

CHF 120'000.–

keine Limite

CHF 3000.–

Kontoauszug

nur online

nur online

nur online

Jahresgebühr

CHF 25.– / CHF 50.– 1

0 / CHF 40.– 2

CHF 15.–

Kosten für Aufladungen

CHF 2.–

1%

6%

Fremdwährungszuschlag bei Einkäufen in Euro, USD usw.

0,9%

0

2%

Kosten für Bargeldabhebungen

2,5%, mind. CHF 6.–

3,75%, mind. CHF 5.–

nicht möglich

 

Anbieter

Paysafecard

Postfinance

SBB

Produktname

Yuna Card

MasterCard Value

Visa-Prepaid

Auch erhältlich bei

Tankstellen, Kioske



Mindestalter

18 Jahre

12 Jahre

14 Jahre

Bankkonto nötig?

nein

ja

ja

Maximale Ausgaben pro Jahr

CHF 60'000.–

keine Limite

keine Limite

Kontoauszug

nur online

nur online

ja, gratis

Jahresgebühr

CHF 25.–

0 / CHF 25.– /
CHF 50.– 4

CHF 30.–5

Kosten für Aufladungen

5–6% 3

0

1%, mind. CHF 2.–

Fremdwährungszuschlag bei Einkäufen in Euro, USD usw.

2%

0,9%

2%

Kosten für Bargeldabhebungen

2,5%, mind. CHF 5.–

3,5%, mind. CHF 10.–

2,9%, mind. CHF 5.–

 

Anbieter

UBS

Valora

Viseca

Produktname

MasterCard Prepaid

ok.— Prepaid MasterCard

Prepaid-Karte

Auch erhältlich bei


Kioske

Kantonalbank, Bank Coop, RBA Clientis, Valiant,
Migrosbank, Raiffeisen

Mindestalter

14 Jahre

14 Jahre

14 Jahre

Bankkonto nötig?

ja

nein

nein

Maximale Ausgaben pro Jahr

keine Limite

CHF 2500.–

CHF 120'000.– 8

Kontoauszug

ja, gratis

nur online

online gratis, Papier CHF 1.50

Jahresgebühr

0 / CHF 50.– 6

CHF 39.–

0 / CHF 50.– 9

Kosten für Aufladungen

0

4%, mind. CHF 2.–

1%, mind. CHF 5.–

Fremdwährungszuschlag bei Einkäufen in Euro, USD usw.

1,75%

2%

1,5%

Kosten für Bargeldabhebungen

3,5%, mind. CHF 5.– 7

nicht möglich

3,5%, mind. CHF 5.– 7

Reihenfolge alphabetisch nach Anbieter

grün: günstige Angebote; violett: teure Angebote

Quelle: Angaben der Anbieter

1 CHF 25.– für unter 26-Jährige, CHF 50.– für alle anderen

2 kostenlos mit Viva-Banking-Paket

3 5% via Paysafecard, 6% bei den Verkaufsstellen

4 CHF 25.– mit einem Jugendkonto, gratis mit einem Ausbildungskonto

5 gratis mit einem Generalabo oder CHF 150.– inklusive Halbtaxabo; für alle anderen: zuzüglich einmalige Aktivierungsgebühr CHF 30.–

6 inbegriffen in diversen Paketen

7 im Ausland mindestens CHF 10.–

8 für Studenten: max. 36'000 CHF 

9 gratis, solange in Ausbildung bis maximal 30-jährig (je nach Bank Unterschiede möglich)