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ErbvorbezugWas gilt?

Ein Haus als Erbvorbezug sollte bei einer Erbteilung unter Geschwistern später ausgeglichen werden, wenn nichts anderes vereinbart wurde. Bild: Thinkstock Kollektion

Erbvorbezüge sorgen immer wieder für böses Blut – vor allem bei jenen, die scheinbar leer ausgehen. Die elf häufigsten Fragen und Antworten zum Thema.

von Karin von Flüe und Helena Ottaktualisiert am 2016 M01 21

1. Pflichtteil bei Erbvorbezug?

Wir möchten den Kindern einen Erb­vorbezug geben. Gibt es einen Pflichtteil?

Nein. Kinder können die Eltern nicht zwingen, schon zu Lebzeiten einen Mindest­betrag des künftigen Erbes auszuzahlen.

2. Ungleichbehandlung der Geschwister?

Mein Schwager erhält einen Erbvorbezug von 150'000 Franken, mein Mann und ich nichts. Dürfen meine Schwiegereltern ein Kind derart bevorzugen?

Ja. Erst bei der späteren Erbteilung kann Ihr Mann die Ausgleichung verlangen. Die Schwiegereltern könnten ihn sogar davon entbinden. Solange sie den Pflichtteil Ihres Mannes nicht verletzen, ist die Ungleichbehandlung auch nach dem Tod der Eltern legal. Bei Guider finden Sie ein Berechnungsbeispiel, wie Erbvorbezüge beim Erben berücksichtigt werden (exklusiv für Mitglieder).

3. Ausgleich des Erbvorbezugs schriftlich vereinbaren?

Ich habe einen Erbvorbezug erhalten. Meine Eltern haben schriftlich festgehalten, dass ich ihn nach ihrem Tod gegenüber den Geschwistern ausgleichen muss. Reicht das oder müssen wir zum Notar?

Das reicht. Das Gesetz schreibt keine Form vor. Streng genommen würde sogar eine mündliche Anweisung genügen. Aus Beweisgründen ist natürlich etwas Schrift­liches besser. Bei Guider können Sie eine Mustervorlage runterladen und an Ihre Bedürfnisse anpassen (exklusiv für Mitglieder).

4. Verjährt ein Erbvorbezug?

Meine zwei Geschwister und ich bilden eine Erbengemeinschaft. Mein Bruder hat vor über 40 Jahren das Elternhaus als Erbvorbezug erhalten. Ist das verjährt?

Nein, für den Ausgleichungsanspruch bei Erbvorbezügen gibt es keine Verjährungsfrist. Sie können die Ausgleichung also immer noch verlangen. Nach dem Tod Ihrer Eltern müssen Sie und Ihre Geschwister sich gegenseitig alles ausgleichen, was Sie von Ihren Eltern zu Lebzeiten unter Anrechnung auf Ihren Erbteil erhalten haben. Dazu gehören auch alle Schenkungen, die der Existenzsicherung oder –verbesserung dienten. Liegenschaften werden zum Verkehrswert im Zeitpunkt des Todesfalls angerechnet.

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Mehr zu Erbvorkehrungen bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Im ZGB steht, welche Hinterbliebenen wie viel erben. Das Gesetz lässt aber auch Raum für eine Abänderung dieser Regeln via Testament, Ehe- und Erbvertrag. Guider bietet seinen Mitgliedern hilfreiche Vertragsvorlagen und erklärt die gesetzlichen Pflichtteile beim Erben anhand von praktischen Merkblättern.

5. Unterschied zwischen Schenkung und Erbvorbezug?

Meine Mutter hilft mir bei einer Geschäftsgründung mit 50'000 Franken. Mein Bruder erhält nichts. Ist das nun eine Schenkung oder ein Erbvorbezug?

Ohne anderslautende Anordnung Ihrer Mutter gilt eine solche Zahlung als Erbvorbezug. Die Mutter kann aber anordnen, dass Sie sich die Summe nach ihrem Tod nicht an Ihren Erbteil anrechnen lassen müssen. Das wäre dann eine nichtausgleichungspflichtige Schenkung.

6. Gilt günstiges Wohnen als Erbvorbezug?

Mein Bruder wohnt seit Jahren in der Eigentumswohnung meines Vaters. Er zahlt nur einen Bruchteil der Marktmiete. Gilt dieser «Verwandtschaftsbonus» als Erbvorbezug?

Diese Frage ist umstritten. Das Bundesgericht hat vor rund 60 Jahren das Ausgleichen der Ersparnis durch zinsfreies Wohnenlassen während 18 Monaten abgelehnt. Dauert das Mietverhältnis länger, könnten die Gerichte heute anders entscheiden.

7. Darlehen in Erbvorbezug umwandeln - was gilt steuerlich?

Meine Eltern haben mir ein Darlehen gewährt. Sie wollen es nun in einen Erbvorbezug umwandeln. Wie müssen wir das steuerlich deklarieren?

In der nächsten Steuererklärung müssen Sie den Erbvorbezug angeben und dann mit dem übrigen Vermögen versteuern. Dafür mindert sich das steuerbare Ver­mögen der Eltern um diese Summe.

8. Haus als Erbvorbezug - Verwandtenunterstützung fällig?

Unsere Mutter hat allen Kindern zusammen ihr altes Haus überschrieben. Sie lebt im Heim und erhält wegen dieses freiwilligen Vermögensverzichts nicht genügend Ergänzungsleistungen. Müssen wir Verwandtenunterstützung leisten?

Die Verwandtenunterstützung hat mit dem Erbvorbezug direkt nichts zu tun. Alle Kinder müssen bedürftige Eltern unterstützen, wenn sie in sehr guten finanziellen Verhältnissen leben. Laut Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) soll eine Verwandtenunterstützung erst geprüft werden, wenn das steuerbare Einkommen plus ein Vermögensanteil (je nach Alter/Zivilstand) über folgenden Grenzbeträgen liegt: Alleinstehende 120'000 Franken; Verheiratete oder registrierte gleich­geschlechtliche Paare 180'000 Franken; Zuschlag pro Kind 20'000 Franken. Weitere Tipps finden Sie im Merkblatt «Hausübertragung an Kinder» von Guider (exklusiv für Mitglieder).

9. Haus der Mutter gekauft - gilt das als Erbvorbezug?

Vor 15 Jahren habe ich die Liegenschaft meiner Mutter gekauft. Stimmt es, dass ich meiner Schwester etwas von der Wertsteigerung auszahlen muss?

Wenn der Kaufpreis unter dem damaligen Verkehrswert lag, spricht man von einer gemischten Schenkung. Die Differenz zwischen bezahltem Preis und damaligem Verkehrswert gilt als Erbvorbezug. Bei der Erbteilung müssten Sie diese Differenz ­inklusive Mehrwertanteil gegenüber der Schwester ausgleichen. Lebt die Mutter noch, könnte sie Sie von dieser Pflicht befreien. Eine Mustervorlage, welche Sie von der Ausgleichung entbindet, finden Sie bei Guider (exklusiv für Mitglieder).

10. Väterliche Anordnung einer Ausgleichung missachten?

Unser Vater hat im Testament angeordnet, dass die Kinder, die studiert haben, die Ausbildungskosten gegenüber den Geschwistern ausgleichen müssen. Wir wollen das nicht. Was können wir tun?

Wenn Sie alle einen anderen Betrag oder gar nichts ausgeglichen haben wollen, müssen Sie die väterliche Anordnung nicht beachten. Sie können das Erbe ohne Ausgleichung teilen.

11. Erbvorbezug mit Ex-Frau teilen?

Ich bin geschieden und erhalte von den Eltern einen Erbvorbezug. Muss ich etwas an Ex-Frau und Kinder abgeben?

Nein, Ex-Frau und Kinder können daran keinen Anteil beanspruchen.

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