Die Lebensversicherer können ihre traditionellen Kapitalversicherungen und Leibrenten nur noch mit Mühe verkaufen. Die tiefen Zinsen machen ihre Produkte uninteressant. Auch fondsgebundene Versicherungen ohne Kapital­garantie laufen schlecht. Viele Versicherte haben mit ihnen in den letzten Jahren viel Geld verloren. Und das dürfte sich auch nicht gross ändern. Die Aussichten an den Finanzmärkten sind nicht gerade rosig.

Um den Geldabfluss zu stoppen, haben Versicherer neuartige Produkte auf den Markt gebracht. Einige setzen auf zeitlich befristete Auszahlungspläne. Einzige Garantie bei diesen Produkten: Der Kunde ­erhält in Rentenform so viel ausgezahlt, wie er zu Beginn eingezahlt hat.

Die Hoffnungen der Versicherer, damit einen Verkaufsrenner zu lancieren, haben sich kaum erfüllt. Bei Swisscanto etwa, dem Gemeinschaftsunternehmen der Kantonalbanken, verkauft sich der Auszahlungsplan nur schlecht. Das mag daran ­liegen, dass Bankberater es vorziehen, ­anstelle von Versicherungen reine Anlageprodukte zu verkaufen. Den Vertrieb der Leibrente stellt Swisscanto nächstes Jahr sogar ganz ein. Bâloise und Swiss Life sagen, dass sie mit ihren Auszahlungsplänen Zuwächse erzielen, Axa Winterthur macht gar keine Angaben, wie der Verkauf läuft.

Auffällig an den Auszahlungsplänen: die hohen Gebühren. Swiss­canto belastet drei Prozent Abschlussgebühren auf der Einmaleinlage. Damit finanziert sie unter anderem Provisionen für den Verkauf. Zudem zahlt der Kunde jährlich weitere 2,35 Prozent auf dem jeweils verbleibenden Vermögen für Garantie-, Verwaltungs- und Fondskosten. Bâloise verlangt fünf Prozent bei Abschluss und 3,1 Prozent pro Jahr.

Anzeige

Die Erträge fallen ernüchternd aus

Swiss Life und Axa Winterthur hüllen sich in Schweigen, was die Gebühren angeht. Aufgrund der voraussichtlichen Rückkaufs­werte, die in den Offerten ausgewiesen sind, muss man bei beiden mit ebenfalls fünf Prozent Abschlusskosten rechnen; die jährlichen Gebühren dürften ähnlich hoch sein wie bei den anderen Anbietern.

Beim Auszahlungsplan über 15 Jahre ga­rantieren alle Gesellschaften lediglich, dass sie so viel Rente auszahlen, wie der Kunde anfänglich eingezahlt hat. Bei einer Einmaleinlage von 150'000 Franken gibt es nur 15-mal garantiert 10'000 Franken. Erst bei längerer Laufzeit kommt eine gesicherte Verzinsung dazu. Nur wenn die Fonds nach Abzug aller Kosten eine posi­tive Rendite abwerfen, wird eine höhere Rente ausgezahlt. Allfällig verbleibende Gewinne erhält man erst bei Ablauf der Police ausgezahlt.

Anzeige

Die Garantie, dass man so viel zurückerhält, wie man eingezahlt hat, kostet. Wie viel, sieht man jedoch nicht auf den ersten Blick. Der Beobachter hat deshalb nachgerechnet – und die Zahlen sind ernüchternd.

Angenommen, die Fonds rentieren über die ganze Laufzeit drei Prozent pro Jahr: Ganz ohne Kosten hätte der Kunde inklusive Renten nach 15 Jahren 199'000 Franken. Swisscanto, der günstigste Anbieter, belastet dem Vermögen total 30'500 Franken. Weil die Gebühren jährlich belastet werden, ist der Zinseszinseffekt umso kleiner. Dem Kunden bleibt am Schluss ein Plus von 8200 Franken, was einer Rendite von 0,75 Prozent entspricht.

Bei der Bâloise zahlt der Versicherte bei gleicher Fondsrendite total gar 44'000 Fran­ken Gebühren, ihm bleiben nur 5000 Franken vor Steuern. Selbst wenn die Fonds im Schnitt fünf Prozent Rendite pro Jahr erzielen sollten, verdient die Versicherung mehr als der Kunde. Das bestätigt Bâloise-Sprecher Amos Winteler: «Der grösste Teil dieser Kosten fällt für die Garantie an. Diese lang laufenden Garantien sind im heutigen Tiefzinsumfeld sehr, sehr teuer.»

Anzeige

Die Garantie, dass man kein Geld verlieren wird, gilt im Übrigen nur dann, wenn der Bâloise-Kunde den Vertrag bis zum vereinbarten Ablauf hält. Löst er ihn vorzeitig auf, wird nur der aktuelle Fondswert ausgezahlt – abzüglich einer Gebühr. In solchen Fällen ist somit gar ein Verlust möglich. Bei Axa Winterthur und Swiss Life sehen die Konditionen ähnlich aus.

Mit einem Sparkonto fährt man oft besser

Warum ein Kunde einen Auszahlungsplan kaufen soll, ist völlig unklar. Zahlt man den gleichen Betrag auf ein risikoloses Sparprodukt bei einer Bank ein, macht man damit wahrscheinlich mehr Gewinn. Bei einem Zins von nur einem Prozent pro Jahr bleiben trotz jährlichen Rückzügen von 10'000 Franken nach 15 Jahren mehr als 13'000 Franken Gewinn übrig. Bei einem Zins von drei Prozent wären es gar 49'000 Franken.

Anzeige

Wer kein Risiko eingehen will, wählt mit Vorteil diese Variante. Wer dagegen eine höhere Rendite anstrebt, an einen Aufschwung der Finanzmärkte glaubt und auf den teuren Kapitalschutz verzichten kann, legt direkt in Fonds an und spart ebenfalls Gebühren. Wegen möglicher Schwankungen sollte man aber nur denjenigen Teil mit ­Risiko anlegen, den man frühestens in fünf bis zehn Jahren wieder braucht.

Einmaleinlage 150'000 Franken, Laufzeit 15 Jahre, 65-jähriger Mann

Produkt; Annahme Rendite pro Jahr
Total Kosten für den Kunden
Total Ertrag für den Kunden
Total Auszahlungen
Swisscanto Income Plan Garant; 3% 30'500 8200 158'200
bei einer Rendite von 5% 37'300* 34'200 184'200
Bâloise RentaSafe Time Now; 3% 44'300* 4'900 154'900
bei einer Rendite von 5% 49'300* 38'500 188'500
Swiss Life Champion Timeplan; 3% keine Angaben 1200 151'200
bei einer Rendite von 4,5% keine Angaben 21'000 171'000
Axa Winterthur TwinStar Income; 3,2% keine Angaben 8700 158'700
bei einer Rendite von 4,6% keine Angaben 26'600 176'600
Sparkonto/Termingeld; 1% 0 13'000* 163'000*
bei einer Rendite von 3% 0 49'000* 199'000*


* Berechnungen durch den Beobachter, alle Zahlen gerundet; Steuern nicht berücksichtigt

Anzeige