Derzeit warnt die Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) vor nur gerade 281 luschen Firmen. Und nicht einmal das tut sie richtig: Der Eintrag auf der Liste bedeute «nicht zwangsläufig, dass die ausgeübte Tätigkeit illegal ist». Sondern nur, dass eine Firma «über keine Bewilligung der Finma» verfüge. Auf der Finma-Liste finden sich bloss «Firmen mit einem Bezug zur Schweiz». Anders in Österreich: Dort führt die Finanzmarktaufsicht eine Liste mit aktuell 2886 mutmasslichen Betrügern. Die Liste wird ergänzt, sobald die Finanzaufsicht eines europäischen Staates eine Warnung ausspricht.

Dass Betrügerbanden immer öfter über Grenzen hinweg agieren, ist auch der Finma bewusst. Sie hat auf ihrer Website den Link «IOSCO Investor Alerts Portal» aufgeschaltet. Das weltweite Verzeichnis sei vollständig und genüge, lässt Finma-Sprecherin Christina Bürgi den Beobachter wissen.

Betrug schneller aufdecken

Das Problem des Links: Höchstens ein paar Spezialisten wissen, was sich hinter dem Kürzel verbirgt. In Schweizer Medien wurde die IOSCO-Warnliste bisher kein einziges Mal auch nur erwähnt. Das ist nach Meinung des Zürcher Juristen Stephan Pöhner von AFP Advokatur Fischer & Partner keine Bagatelle: «Eine Warnliste nach österreichischem Muster hätte geholfen, einzelne Betrugsfälle schneller aufzudecken und Anleger rechtzeitig zu warnen.» So wurde in Österreich bereits vor Firmen wie Kimura Financial, Portway Capital und Masterseek Corp. gewarnt, bevor diese in der Schweiz begannen, auf Kundenfang zu gehen. Fischer & Partner vertreten mehrere Dutzend Opfer dieser Firmen, die zusammen rund sechs Millionen Franken verloren haben.

Auf der Finma-Liste waren diese Firmen dagegen nicht vermerkt. Deshalb konnten sie in der Schweiz ungehindert Bankkonten einrichten, um die Anlagegelder einsammeln zu können. «Fliegt der Betrug auf, sind die Konten geleert. Und die Banken müssen für das ­verlorene Geld nicht gerade­stehen. Denn sie haben vor Kontoeröffnung die Finma-­Liste geprüft und damit ja ihre Pflicht erfüllt», so Pöhner.

Direkt nach Österreich

Die Stiftung für Konsumentenschutz hat die Konsequenzen gezogen. Auf ihrer Homepage lenkt sie Ratsuchende nicht zur Finma-Liste, sondern direkt zu den österreichischen Investorenwarnungen.

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