Wann kommt das EKC-Geld?», fragte Ferdy Bellmont aus Unteriberg SZ in einem Leserbrief im «Boten der Urschweiz». In den neunziger Jahren seien bei führenden Akteuren des European Kings Club von den Behörden «Millionenbeträge» beschlagnahmt worden, und die Verkäufer der so genannten Letters seien mittlerweile doch alle verurteilt worden. «Haben die Herren Richter vergessen, dass das Geld, das von der Polizei beschlagnahmt worden war, an die Eigentümer ausbezahlt werden sollte?»

«Die Geschädigten wurden nicht vergessen», erklärt Bezirksanwalt Andreas Ochsenbein, der seinerzeit die Ermittlungen gegen das betrügerische Schneeballsystem im Kanton Zürich leitete. Tatsächlich wurden in den verschiedensten Kantonen – so in Bern, Schwyz und Glarus – grössere Vermögenswerte sichergestellt: Bargeld, das noch an die Letter-Besitzer als «Rendite» hätte ausbezahlt werden sollen, aber auch Autos, Computer und Liegenschaften. «Diese Vermögenswerte», sagt Bezirksanwalt Ochsenbein, «wurden zunächst zuhanden des Staates eingezogen und, so weit nötig, zur Deckung der Untersuchungskosten verwendet.»

Ungerechtfertigter Argwohn
Wo etwas übrig blieb – in Zürich war das zum Beispiel nicht der Fall –, entschieden laut Ochsenbein später die jeweiligen Strafrichter in den Kantonen über die anteilmässige Verteilung des Geldes an die Geschädigten. «Anspruch auf eine Rückerstattung bestand allerdings nur bis zur maximalen Höhe des Einsatzes», schränkt Ochsenbein ein. Das heisst: Wer einen Letter für 1400 Franken gekauft und vom EKC bereits 1300 Franken als «Rendite» ausbezahlt bekommen hatte, konnte gerade noch 100 Franken Schadenersatz geltend machen.

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Der Grund, weshalb an einigen Orten Gelder noch nicht ausbezahlt wurden, liegt darin, dass die entsprechenden Strafurteile noch nicht rechtskräftig sind. Den Argwohn ehemaliger EKC-Mitglieder, dass der Staat angeblich noch dreistellige Millionenbeträge horte, auf die man quasi als Vereinsvermögen Anspruch habe, verweist Ochsenbein aber ins Reich der Fantasie – und davon lebte ja das EKC-System.

In der Schweiz investierten rund 20'000 Anlegerinnen und Anleger total etwa 280 Millionen Franken in Letters. Der grösste Teil davon – rund 150 Millionen Franken – versickerte bei den deutschen Initiatoren des EKC und als «Renditezahlungen» bei den Letter-Käufern der ersten Stunde.

Im Vergleich dazu nehmen sich die effektiv beschlagnahmten Summen bescheiden aus: Im Kanton Bern etwa konnten bei den drei führenden EKC-Direktoren gerade mal 180'000 Franken gerichtlich eingezogen werden.

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