Dietmar Noelle, Chef der WNB Finanzanlagen AG mit Hauptsitz in Reinach BL, macht es sich einfach. «Aus Wettbewerbsgründen geben wir zu firmeninternen Abläufen keine Auskünfte», schreibt er. Lediglich bei einer von acht Fragen bequemte sich Noelle zu einer knappen Antwort. Das ist nichts Neues: Schon früher mochte die WNB gegenüber dem Beobachter keine Antwort geben (Beobachter 13/96). Und Firmenunterlagen gibts ebenfalls noch immer nicht.

Die WNB ist ein Strukturvertrieb mit einem Dutzend Schweizer Vertretungen. Ihre rund tausend Agenten vermitteln PAX- und Fortuna-Lebensversicherungen, kombiniert mit Anlagefonds.

Die für sie tätigen Agenten erhalten kein fixes Monatssalär, sondern verdienen ausschliesslich an den Provisionen der von ihnen vermittelten Produkte – und am Umsatz ihrer selbst angeworbenen Berater. An den wöchentlichen Meetings schwärmt die WNB-Elite jeweils von erzielten Monatseinkommen von über 10'000 Franken. Da werden viele schwach.

«Wir wurden in einer Schnellbleiche darauf getrimmt, möglichst viele Abschlüsse zu machen und weitere Vermittler anzuwerben. Von Vorsorgeberatung hatte ich wenig Ahnung. Was dem Kunden nützt, ist zweitrangig», erzählt ein ehemaliger WNB-Agent. In der Tat: Der Beratungsdienst des Beobachters erhält häufig Post von Kunden, denen die WNB-Agenten unhaltbare Renditeversprechen gemacht haben (Beobachter 14/98). So werden Wertsteigerungen von acht Prozent und mehr pro Jahr garantiert. Und das, obwohl bei Aktienfonds wegen des Risikos von Kursschwankungen gar keine Renditegarantien möglich sind.

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Eine Welle von Kündigungen
Peter Hohl, Marketingchef bei der PAX-Versicherung, bestätigt indirekt, dass da nicht alles rund lief: «Die WNB-Vermittler müssen ihre Kunden schon seit längerem einen Feedback-Bogen unterschreiben lassen. Darin wird auf das Kursrisiko und die Längerfristigkeit der Anlage hingewiesen.»

Trotzdem lobt Hohl die WNB-Leute. Es gebe wenig Reklamationen, und die Stornoquote der Abschlüsse sei niedriger als bei den eigenen PAX-Agenten. Tatsächlich machen die Umsatzbolzer der PAX viel Freude. Sie holen jährlich rund 10'000 neue Verträge herein, was – so Marketingchef Hohl – einem Abschlussvolumen von «ein paar Hundert Millionen Franken» entspricht.

Den WNB-Vermittlern kommt dabei gelegen, dass die Vertreiber von fondsgebundenen Lebensversicherungen keine gesetzliche Bewilligung brauchen, die neben einem guten Leumund auch Fachkenntnisse im Finanzbereich voraussetzt. Dies im Gegensatz zu den «reinen» Fondsvertreibern.

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Doch auch der Strukturverkauf hat so seine Probleme. Er harzt in der Regel spätestens zum Zeitpunkt, wenn die Fondsverkäufer ihre Verwandten und Bekannten «abgegrast» haben. Entsprechend hoch ist der Agentenverschleiss.

Bei der WNB Finanzanlagen AG soll es denn auch im Frühjahr zu rund 400 Kündigungen gekommen sein. Wer zu wenig Umsatz machte, erhielt den blauen Brief. Doch damit nicht genug: Mehrere Vermittler berichten, die WNB verlange jetzt Rückzahlungen von bis zu 4000 Franken – für Weiterbildungskurse, die sie im Jahr vor dem Rausschmiss mehr oder weniger freiwillig besucht hatten.

Drohung mit Arbeitsgericht
Bei 400 Kündigungen läppert sich da ein hübsches Sümmchen zusammen. Ein Teil der WNB-Leute will deshalb vor Arbeitsgericht gehen. Doch wie gesagt: Firmenchef Noelle mag sich dazu nicht äussern. Vermutlich auch in diesem Fall «aus Wettbewerbsgründen».

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So prüfen Sie Berater

  • Fordern Sie Firmenunterlagen an, und holen Sie vor einem Abschluss mehrere Referenzen ein
  • Fragen Sie den Berater nach seiner beruflichen Qualifikation. Interne Firmendiplome haben oft wenig Aussagekraft.
  • Seriöse Anlageberatung setzt voraus, dass Ihre finanzielle Situation (Einkommen, Ersparnisse, Steuern, Verpflichtungen) gründlich analysiert wird.
  • Fragen Sie nach der Provision des Beraters. Wer nichts zu verbergen hat, kann auch seinen Verdienst offen legen.
  • Wer Anlagefonds vermittelt, benötigt eine Vertriebsbewilligung. Die aktuelle Liste kann im Internet unter www.ebk.admin.ch eingesehen werden.
  • Hände weg, wenn für Anlagefonds fixe Renditen garantiert werden.
  • Drängt Sie der Agent zum Abschluss? Dann seien Sie vorsichtig. Uberdenken Sie die Vorschläge in aller Ruhe.
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