Herr Renner lässt nicht locker. Immer wieder ruft er an, immer wieder erzählt er neue Geschichten. Etwa diese: Wenn man 1900 Aktien der Thuner Firma United Commodity (UC) für 7600 Euro kaufe, stelle er den Kontakt her zu einem «Haupthändler der Stuttgarter Börse». Der garantiere eine besonders kompetente Betreuung.

Doch Christian Schneider* denkt nicht daran, auf das neue Angebot einzugehen. «Kaum etwas, was mir die Leute von UC bislang erzählten, hat sich als zutreffend erwiesen», sagt der 67-Jäh­rige. 57'000 Franken hat Schneider in Aktien und Optionen der UC investiert. Seit Februar dieses Jahres befindet sich der Kurs auf Talfahrt, die Papiere haben praktisch ihren gesamten Wert eingebüsst.

Schlimmer noch: In Frankfurt ermittelt die Bundesanstalt für ­Finanzdienstleistungsaufsicht wegen des Verdachts auf Marktmanipulation. Gehandelt werden die UC-Aktien an der Stuttgarter Börse im sogenannten Freiverkehr. Hier ist die Informationspflicht für Firmen viel geringer als bei regulierten Börsen wie Zürich.

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Exchef der Valora ist an Bord

Verkauft werden die United-Commodity-Aktien durch Telefonverkäufer der Firma über sogenanntes Cold Calling: Sie rufen nach dem Zufallsprinzip an und versuchen, das Geschäft gleich am Telefon abzuschliessen.

So auch bei Christian Schneider. «Mir gefiel vor allem der Umweltschutzgedanke der Firma.» UC rezykliert im kanadischen Cobalt Minen­schutt und hofft, daraus Gold und Silber zu gewinnen. Dabei versprechen die beiden Chefs Reto Hartmann und Jochen Schäfer «eine hohe Gewinnmarge und eine sehr rasche Amortisation der Investi­tionen». Hartmann ist kein Unbekannter: Er war früher Konzernchef der Valora (Kiosk AG). Im Juni 2003 wurde er fristlos entlassen, weil er vertrauliche Daten weitergegeben hatte.

Im März 2013 erwarb Rentner Christian Schneider das erste Paket: 1090 Aktien für 18 000 Euro. Im August 2014 ein weiteres Paket zu 9300 Franken und im September ein drittes für 8500 Franken. «Der Druck, den die Leute von United Commodity aufbauen, ist enorm», sagt Schneider. Noch Anfang November habe ihm einer vor­geschlagen, das Portfolio auf 5000 Aktien aufzustocken. «Er sagte, nur so könne ich von der Übernahme durch eine chine­sische Firma profitieren. Als ich nicht auf das Angebot einging, fuhr mich der Mit­arbeiter regelrecht an.»

János Fábián, leitender Staatsanwalt für Wirtschaftsdelikte bei der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, kennt diese Masche bestens: «Verkäufer, die am Telefon vorgeben, ein lukratives Angebot zu haben, fangen oft mit relativ ­tiefen Beträgen an.» Habe man die ersten paar hundert oder vielleicht wenige tausend Franken investiert, haken die Verkäufer nach und drohen mit einem Totalverlust der Investition, wenn man nicht weiteres Geld nachschiesse. «Auf diese Drohungen sollte man keinesfalls eingehen. Mit grösster Wahrscheinlichkeit wirft man dem schlechten Geld gutes nach.»

Bloss nichts am Telefon kaufen

Fábián rät generell davon ab, auf Verkaufsangebote per Telefon einzugehen – egal, ob es um Krankenkassenwechsel, Bioprodukte aus der Toskana oder Finanzanlagen gehe. «Lassen Sie sich schon gar nicht in ein Gespräch verwickeln. Erklären Sie höflich und bestimmt ihr Desinteresse und legen Sie auf», sagt der Staatsanwalt. Telefonbetrüger seien meist Profis, sie hätten auf jede Frage eine passende Antwort. Man solle sich auch nicht täuschen lassen durch einen professionell wirkenden Internetauftritt der beworbenen Firma. «Der gehört zum Lügengebäude.»

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Falls man einem Telefonverkäufer auf den Leim gekrochen sei, solle man bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige einreichen. So könnten die Täter möglicherweise dingfest gemacht werden. Das verlorene Geld zurückzu­bekommen sei allerdings schwierig. Meist verlangten die Betrüger Überweisungen auf ein ausländisches Konto, von wo aus es sofort weitergeleitet werde.

United Commodity liess die Bitte um Stellungnahme unbeantwortet.

*Name geändert