Krankenkassen-Prämien
  1. Home
  2. Geld
  3. Krankenkasse
  4. Krankenkasse: So senken Sie Ihre Prämien

Krankenkasse

So senken Sie Ihre Prämien

Thinkstock Kollektion

Die Krankenkassenprämien steigen nächstes Jahr um durchschnittlich 4 Prozent. Wer seine Grundversicherung ändern oder die Kasse wechseln will, findet hier alle Infos zum Vorgehen, die Termine sowie Musterbriefe.

von Urs Zanoni und Regina Jäggiaktualisiert am 2017 M09 28

Die durchschnittliche Erhöhung von 4 Prozent für das nächste Jahr gilt für die sogenannte Standardprämie - die Grundversicherung einer erwachsenen Person mit 300 Franken Franchise und Unfalldeckung. Die Erhöhung der Standardprämie variiert je nach Kanton zwischen 1,6 und 6,4 Prozent, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in einer Mitteilung schreibt.

Bis Ende Oktober müssen die Krankenkassen ihre Versicherten individuell über die für nächstes Jahr geltenden Prämien informieren. Die Versicherten können anschliessend bis Ende November ihre Versicherung kündigen oder eine andere Versicherungsform wählen. Die Krankenversicherer müssen grundsätzlich jede Person in die obligatorische Grundversicherung aufnehmen; es gilt die Versicherungspflicht. Damit die Kündigung gültig ist, muss der Nachweis einer anderen Versicherung eingereicht werden.

Das BAG hat eine Hotline eingerichtet, an die sich die Versicherten mit ihren Fragen wenden können. Unter folgenden Telefonnummern erhalten sie bis Ende Jahr Auskunft in drei Landessprachen:

  • Deutsch: 058 464 88 01
  • Französisch: 058 464 88 02
  • Italienisch: 058 464 88 03

Wer übers Prämiensparen nachdenkt, denkt wohl zuerst an den Wechsel zu einer günstigeren Kasse. Folglich müsste der erste und wichtigste Spartipp lauten: Wechseln Sie alle Jahre wieder zur gerade billigsten Kasse! Ganz so einfach ist es jedoch nicht:

  • Die Höhe der Prämien ist nur eines von vielen Kriterien bei der Wahl einer neuen Krankenkasse. Mindestens so wichtig sind die Qualität der Dienstleistungen und die Kundenzufriedenheit.
  • Billige Kassen sind – unter anderem – deshalb billig, weil sie bei umstrittenen oder zweifelhaften Leistungen in der Regel zu ihren eigenen Gunsten entscheiden, das heisst die Leistung verweigern oder einschränken oder man muss auf die Rückerstattung monatelang warten. Aber Achtung: Umgekehrt bedeutet dies nicht, dass teure Kassen unbesehen alles zahlen! Ein Blick auf die Kundenzufriedenheit lohnt sich.
  • Ein Kassenwechsel bringt Ihnen wie auch der Kasse administrativen Aufwand, vor allem wenn Sie allfällige Zusatzversicherungen bei der bisherigen Kasse belassen. Selbstverständlich sollten Sie auch auf die Prämienhöhe achten – damit Sie nicht mehr zahlen, als unbedingt nötig ist. Deshalb empfiehlt es sich, in einem ersten Schritt die folgenden Sparmöglichkeiten sorgfältig zu prüfen – vorausgesetzt, Sie sind grundsätzlich zufrieden mit Ihrer Kasse. Andernfalls  sollten Sie tatsächlich einen Wechsel in Betracht ziehen.

Prämienvergleich

Auf folgenden Websites können Sie die Prämien verschiedener Krankenkassen vergleichen:

Guider Logo

Mehr zu Krankenversicherung bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Weigert sich die Krankenkasse, eine Kostengutsprache zu erteilen? Welche Zusatzversicherungen gibt es überhaupt? Guider-Mitglieder erfahren, welche Kosten die Krankenversicherung übernimmt und wo sich eine Zusatzversicherung lohnt. Eine weitere nützliche Hilfestellung: Ein Kündigungsschreiben als Mustervorlage.

Wie Sie sparen können

 Unfalldeckung ausschliessen

Wer mindestens acht Stunden pro Woche beim gleichen Arbeitgeber angestellt ist, wird von diesem automatisch gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert. Folglich kann die Krankenversicherung ohne Unfalldeckung abgeschlossen werden.

Hausarzt-, HMO-, Telefon-Modelle

Wer bereit ist, die freie Arztwahl einzuschränken, kann in ein Managed-Care-Modell wechseln und wird dafür mit Prämienrabatten belohnt. In diesem Fall verpflichtet sich die versicherte Person, immer zuerst an den gewählten «Gesundheitsmanager» zu gelangen (ausser in Notfällen). Diese erste Anlaufstelle kann ein Hausarzt, ein Gesundheitszentrum (HMO) oder ein medizinisches Beratungszentrum sein, das man telefonisch kontaktiert.

  • Hausarzt-Modell: Wer immer zuerst seinen Hausarzt konsultiert, sollte etwa prüfen, ob in der eigenen Prämienregion ein günstiges Hausarzt-Modell angeboten wird. Fragen Sie bei Ihrem Hausarzt nach, ob er einem angeschlossen ist. Wichtig ist aber, vorher die Ärzteliste und die Versicherungsbedingungen eingehend zu prüfen. Denn das Gesetz lässt bei der Ausgestaltung des Hausarzt-Modells viel Spielraum.

    Auch die Pflichten der Versicherten variieren stark. Gewisse Kassen verlangen etwa, dass der Hausarzt eine vorgedruckte Überweisungsbestätigung ausfüllt. Auch die Folgen eines Verstosses gegen diese Pflichten unterscheiden sich. Unter Umständen verweigert die Kasse die Zahlung, wenn man auch nur geringfügig vom vorgeschriebenen Ablauf abweicht.
     
  • HMO-Modell: Entsprechendes gilt auch für HMO-Modelle. Hier verpflichtet man sich, immer zuerst das von der Kasse bezeichnete HMO-Gesundheitszentrum aufzusuchen. Bei Bedarf wird man von dort an externe Spezialisten überwiesen. Auch hier kann die Kasse den Ablauf und die Formalitäten detailliert regeln und bei einer Pflichtverletzung die Leistungen verweigern.
     
  • Telefon-Modell: Viele Kassen bieten daneben Telefon-Modelle an, bei denen man sich verpflichtet, vor dem Arztbesuch per Telefon eine spezielle medizinische Beratungsstelle zu konsultieren. Der Ablauf und die Konsequenzen bei Pflichtverletzung sind auch hier unterschiedlich konzipiert  und sollten strikt eingehalten werden.

Musterbriefe

Wahlfranchise

Die Kassen bieten neben der gesetzlichen Grundfranchise von 300 Franken verschiedene Wahlfranchisen zwischen 500 und 2500 Franken an. Mit einer höheren Franchise ist ein Prämienrabatt verbunden (siehe Checkliste «Kostenbeteiligung und Prämienrabatt», exklusiv für Guider-Mitglieder). Ob man damit letztlich günstiger wegkommt, hängt aber von den effektiven Arztkosten ab, die im konkreten Versicherungsjahr anfallen und dann zu einem höheren Anteil selber getragen werden müssen.

Als Grundregel gilt: Gesunde Erwachsene, die keine oder nur geringe Arztkosten erwarten, wählen meist mit Vorteil die höchste Franchise von 2500 Franken. Bei hohen erwarteten Arztkosten setzt man dagegen besser die Franchise von 300 Franken ein. Die Grenze liegt in der Regel bei rund 1800 Franken erwartete Arztkosten.

Aber Vorsicht: Nicht immer wird für die höchste Franchise überhaupt noch ein zusätzlicher Rabatt gewährt. Dann fährt man besser, wenn man die nächsttiefere Stufe wählt. In aller Regel sind jedoch die mittleren Wahlfranchisen von 500 bis 2000 Franken nicht optimal. Welche Franchise die beste ist, lässt sich mit einem Vergleich der erwarteten Gesamtkosten – also inklusive Prämien, Franchise und Selbstbehalt – ausrechnen (siehe Box «Optimale Franchise berechnen»).

Bei aller Rechnerei muss man aber im Auge behalten, dass schlimmstenfalls die gewählte Franchise und darüber hinaus der Selbstbehalt von maximal 700 Franken auch bezahlt werden müssen. Bei der höchsten Franchise sind das 3200 Franken. Wer das nicht flüssig hat, sollte auf die Wahl einer höheren Franchise eher verzichten.

Auch für Kinder gibt es Wahlfranchisen. Diese lohnen sich finanziell aber kaum.

Optimale Franchise berechnen

Welche Franchise die beste ist, lässt sich mit einem Vergleich der erwarteten Gesamtkosten – also inklusive Prämien, Franchise und Selbstbehalt – ausrechnen.

Der Vergleichsdienst Comparis berücksichtigt bei seiner Berechnungsweise auch das zusätzliche Kostenrisiko im Extremfall und empfiehlt eine Wahlfranchise nur dann, wenn das höhere Kostenrisiko auch mit einem entsprechend hohen Prämienrabatt verbunden ist.

Weitere Vergleichsrechner finden Sie in der Box «Prämienvergleich»

Kassenwechsel

Bis Ende November können Sie die Grundversicherung kündigen und zu einer neuen Kasse wechseln (siehe Musterbriefe).

  • Ihre Kündigung muss spätestens bis Donnerstag, 30. November 2017, bei der bisherigen Kasse eingetroffen sein; wird sie erst im Dezember zugestellt, gilt sie als verspätet. Sie sollten die Kündigung also früh genug und eingeschrieben schicken.
  • ‌Bewahren Sie anschliessend die Quittung der Post zusammen mit einem Ausdruck der «Sendungsverfolgung» des Briefs auf, damit Sie später den rechtzeitigen Eingang bei der Kasse allenfalls beweisen  können.

Die Termine im Überblick

Wollen Sie Ihre Grundversicherung ändern? Dann gehen Sie das frühzeitig an: Sie müssen Modelle vergleichen, Ihre Kasse kontaktieren und allenfalls eine Kündigung schreiben. Das alles geht ganz einfach, wenn Sie einige wichtige Punkte und Termine beachten.

Sie haben grundsätzlich drei Möglichkeiten, die obligatorische Krankenversicherung für das nächste Jahr zu verändern:

  • Sie wechseln die Jahresfranchise.
  • Sie wechseln das Versicherungsmodell.
  • Sie wechseln die Krankenkasse.


OKTOBER
Änderung Franchise/Modell
: Erkundigen Sie sich bei Ihrer Kasse, welche Rabatte sie für welche Franchisestufen gewährt. Ebenso sollten Sie sich kundig machen, welche Spezialmodelle die Kasse in der Grundversicherung zu welchen Konditionen anbietet.
 

Kassenwechsel: Wollen Sie zu einer anderen Kasse wechseln, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Fragen Sie Bekannte sowie Ihren Arzt nach Erfahrungen mit der jeweiligen Krankenkasse. Vergleichen Sie die Prämien verschiedener Krankenkassen (siehe Box «Prämienvergleich»).
  • Holen Sie eine Offerte ein und lassen Sie sich dokumentieren.



NOVEMBER
Änderung Franchise: Wenn Sie die Franchise erhöhen, um Prämien zu sparen, sollten Sie diesen Betrag zur Seite legen und erst ein Jahr später anderweitig ausgeben. Zudem gilt:

  • Rechnen Sie genau nach, welche Franchise für Sie optimal ist.
  • Teilen Sie Ihren Entscheid der Krankenkasse eingeschrieben mit. Bei einer Senkung muss das Schreiben bis am letzten Arbeitstag im November bei der Kasse eintreffen, bei einer Erhöhung bis spätestens Ende Dezember.


Änderung Modell: Zu wissen, welche Modelle Ihre Krankenkasse in der Grundversicherung anbietet, ist das eine. Ebenso wichtig sind Antworten auf folgende Fragen: Was gilt in Ausnahmesituationen (Notfall, gynäkologische und kinderärztliche Leistungen)? Welche Wahlmöglichkeiten haben Sie bei der Überweisung zu einem Spezialarzt oder in ein Spital? Wie hoch ist der Prämienrabatt? Welche Bedingungen gelten bei Jahresfranchise und Selbstbehalt? Wenn Sie von der traditionellen Grundversicherung in ein Spezialmodell (Hausarzt, HMO, Telmed/Callmed) wechseln wollen – oder von einem solchen Modell zurückwechseln –, müssen Sie das schriftlich mitteilen. Auch hier gilt: Das Schreiben muss spätestens am letzten Arbeitstag im November bei der Kasse eintreffen. Wollen Sie aber bei der gleichen Kasse nur von der normalen Grundversicherung in ein Sparmodell wechseln, ist das jederzeit möglich.
 

Kassenwechsel: Sie haben sich für eine neue Krankenkasse entschieden. Dann gilt:

  • Kündigen Sie die alte Kasse. Das Schreiben muss spätestens am letzten Arbeitstag im November dort eintreffen.
  • Melden Sie sich bei der neuen Kasse an. Legen Sie der Anmeldung eine Kopie Ihrer bisherigen Krankenversicherungspolice bei; damit ersparen Sie Rückfragen der neuen Kasse. Wichtig: Die neue Kasse darf Sie nicht ablehnen – so will es das Gesetz. Die Ausnahme: Sie wohnen ausserhalb des Tätigkeitsgebiets der neuen Kasse. Dann bleiben Sie automatisch bei der bisherigen versichert.


DEZEMBER
Änderung Franchise/Modell
: Gut möglich, dass Sie im Dezember nichts von Ihrer Kasse hören und sehen – die Verwaltung stösst in dieser Zeit an ihre Grenzen. Wenn die angepasste Police dann bei Ihnen eintrifft, sollten Sie diese genau prüfen und sich umgehend melden, wenn etwas nicht stimmt.

Kassenwechsel: Sie sind erst bei der neuen Kasse versichert, wenn diese den Wechsel Ihrer bisherigen Kasse mitgeteilt hat. Trifft diese Mitteilung nicht bis Ende Jahr ein, sind Sie auch zu Jahresbeginn bei der bisherigen Kasse versichert und zahlen weiterhin deren Prämien. Klar ist: Sie werden nie bei zwei Kassen gleichzeitig versichert sein und müssen nie doppelt Prämien zahlen.

JANUAR
Die Administration eines Wechsels kann sich bis in den April hinziehen. Zeigen Sie Gelassenheit. Denn was auch schief läuft: Sie haben immer  eine Grundversicherung!

Prämienverbilligung: Selber aktiv werden

Die individuelle Prämienverbilligung ist kantonal geregelt, Entscheidungskriterien sind das Einkommen und das Vermögen, ebenso die Kinderzahl. Die Prämienverbilligungen werden direkt an die Krankenkassen ausgezahlt.

Der Anspruch auf Prämienverbilligung ist auf die letzte rechtskräftige Steuererklärung abgestellt. Am besten informieren Sie sich bei den sozialen Diensten Ihres Wohnorts oder bei der kantonalen Ausgleichskasse. Auch Ihre Krankenkasse wird Ihnen sagen können, ob Sie Anspruch auf eine Prämienverbilligung haben.

Wichtig: Entwickeln Sie keine falsche Scham – rund ein Drittel der Versicherten erhalten eine solche Prämienverbilligung. Sie schafft den Ausgleich zur einheitlichen Kopfprämie. Denn ein Topmanager mit einem Jahreseinkommen von 20 Millionen Franken zahlt für die Grundversicherung genau gleich viel wie ein Postangestellter, der in derselben Gemeinde wohnt und bei derselben Kasse versichert ist.

Bestimmungen für Prämienverbilligungen: www.comparis.ch

Buchtipp

Krankheit oder Unfall - wie weiter im Job?

Das gilt, wenn Sie nicht arbeiten können

Mehr Infos

Krankheit oder Unfall - wie weiter im Job?
Krankheit oder Unfall - wie weiter im Job?