Günther und Dagmar Fett aus Steinmaur ZH waren im Besitz mehrerer Verlustscheine im Wert von 150'000 Franken. Das Unternehmer-Ehepaar hatte die Hoffnung, von seinen Schuldnern jemals Geld zu sehen, praktisch aufgegeben. Da sahen sie ein Inserat in der Zeitung: «Verlustscheine sind kein Verlust. Unsere Geldeintreiber holen Ihnen Ihr verlorenes Geld zurück.»

Die Anzeige stammte von der «Adlerauge-Agentur CH-V» des Zürcher «Geldeintreibers» Charles Vetter. Dieser ist für den Beobachter ein alter Bekannter. Schon im März 1997 wurde er als «wohl bekanntestes schwarzes Schaf seiner Zunft» porträtiert.

Doch Günther Fett kannte den Beobachter-Artikel nicht. Er nahm mit Vetter Kontakt auf und beauftragte den umtriebigen Eintreiber mit dem Inkasso. Vetters Honorar sollte 25 Prozent des Erlöses betragen. Zuvor verlangte Vetter für die beiden Inkassoverfahren ein Grundhonorar von 3000 Franken. Der Betrag wurde von Fetts damaliger Firma Domarex am 20. Oktober 1999 an Vetter überwiesen.

Der Geldeintreiber wird selber betrieben
Was in den darauf folgenden Wochen und Monaten geschah, ist schnell erzählt: nichts. Jedenfalls nichts, worüber die Fetts von Vetter informiert worden wären. Nachdem der Geldeintreiber seinen Klienten bei einer telefonischen Nachfrage nicht einmal wiedererkannt hatte, setzte ihm Günther Fett im Februar 2000 eine Frist von 48 Stunden, um Klarheit über den Stand der Aufträge zu bekommen.

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«Mehrere Faxe hin und her brachten kein Ergebnis», sagt Fett. «Also entzogen wir Vetter das Mandat und betrieben ihn auf Rückzahlung des Vorschusses.» Die Angelegenheit landete vor dem Bezirksgericht Zürich. Dieses verknurrte Vetter zur Rückzahlung der 3000 Franken, zuzüglich Zins und Betreibungskosten.

Gegenüber dem Beobachter stellt sich Vetter auf den Standpunkt, dass die Fetts mit dem Entzug des Mandats ein erfolgreiches Inkasso verunmöglicht hätten. Er habe viele zufriedene Kunden, und dass er vor Gericht klein beigegeben habe, sei lediglich auf seinen «damals schlechten Gesundheitszustand» zurückzuführen. Doch anerkenne er das Urteil und werde den Fetts ihr Geld «bei Gelegenheit» aushändigen. Vetter: «Was soll ich streiten? Ich habe Ärger genug.» Trotzdem inseriert Vetter weiter und preist sich als Geldeintreiber an, was Günther Fett ärgert: «Es wird Zeit, diesem Tun einen Riegel zu schieben.»

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