«Mit Vergnügen» lässt sich Gerhard Ulrich, 61, dipl. Ing. HTL und Hilfsbriefträger aus Morges VD, vor dem Bundesgericht fotografieren: «Die Bundesrichter sind Ursache des Gerichtsnotstands», sagt er. «Viele von ihnen sind unfähig oder unehrlich.»

Ulrich ist Gründungspräsident von «Appel au peuple», einer Vereinigung von rund 1000 Justizenttäuschten, die seit fünf Jahren vor allem in der Romandie Richter mit radikalen Methoden kritisiert. Sie drangen unter anderem ins Bundesgericht ein, beschimpften Bundesrichter zu Hause und in Briefen an deren Ehefrauen als Lügner. «Unser moralischer Druck ist am wirksamsten am Wohnort der Fehlbaren», sagt Ulrich.

Rund 30 Verfahren wegen Ehrverletzung sind gegen ihn und seine militanten Mitstreiter hängig. «Es handelt sich auch um Fälle von Betrug mit Beihilfe der Justiz, die wir aufgedeckt haben», betont er. «Wenn man uns tatsächlich deswegen verurteilen sollte, dann ist das eine Ehre. Man muss den Mut aufbringen, die Wahrheit zu sagen.» Doch wer sagt Ulrich, dass er Recht hat? «Der gesunde Menschenverstand unseres Teams», meint er. Im Zweifelsfall entscheide eine Jury, «Die Freunde der Gerechtigkeit», mit einfachem Mehr.

Gewalt lehne seine Bewegung ab, beteuert Ulrich. Die Bürgerinitiative habe Blitzableiterfunktion: «Ich glaube daran, dass unsere Aufforderung an die Justizopfer, gewaltlos zu bleiben, wirksam ist. Mit einem solchen Gespräch hätte wohl auch Fritz Leibachers Amoklauf im Zuger Parlament verhindert werden können.»

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Quelle: Holger Salach