Was macht ein Wirt, wenn ein Gast aussieht wie ein welt­berühmter Promi? Richtig: Er bietet ihm an, doch von nun an jeden Abend bei ihm zu essen – auf Kosten des Hauses natürlich. Denn er weiss: Seine Beiz wird voll sein, wenn sich herumspricht, dass Bruce Willis bei ihm ein und aus geht.

Diese Geschichte ist nicht etwa erfunden. Sie hat sich genau so zuge­tragen, in einem Schweizer Skiort, wo der vermeintliche Bruce Willis einmal seine Ferien verbrachte.

Bruce heisst im wirklichen Leben Hans und steht unter Vertrag bei Jochen Florstedt. Der ist Ex-Werber aus Mülheim in der Nähe von Düsseldorf und hat sich vor knapp 20 Jahren ein neues Geschäftsfeld aufgebaut: Er managt und vermarktet Promi-Doppelgänger.

Von Victoria Beckham über Ryan Gosling bis hin zu Udo Lindenberg kann man über seine Agentur alles ­buchen, was Rang und Namen hat. Vor allem Firmen nutzen den Service für grös­sere Events oder Werbefilme.

Jede Woche melden sich neue Doppelgänger bei Florstedt – oder solche, die sich dafür halten. In der Schweiz ­gebe es dafür allerdings fast keine Nachfrage, sagt er. «Irgendwie ist man hier nicht so promi­geil.»

Flirts und Gratisdrinks

Doch wer sucht, der findet. Und siehe: Doppelgänger gibt es auch hierzulande. Zum Beispiel einen Mike Müller mit ­falschem Scheitel, einen Sean Connery mit Bass statt Schottenrock, eine Ri­hanna mit Ostschweizer Dialekt oder einen Jack ­Nicholson, der Teigwaren ­fabriziert.

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Kostenlose Abendessen gab es bisher noch für keinen von ihnen. Dafür einen Gratisparkplatz in der Stadt, Auftritte in Film und Fernsehen, Flirts oder einen Gratisdrink in Los Angeles.

Quelle: Luxwerk &nbsp

«Mike Müller schuldet mir eine Kiste Bier»

Wenn Markus Widmer das Haus verlässt, wird hinter seinem breiten ­Rücken eigentlich immer getuschelt. Ist er es oder ist er es nicht? Hiermit sei klargestellt: Er ist es nicht. Der 56-jährige kaufmännische Angestellte aus Ehrendingen AG gleicht dem Schauspieler und Komiker Mike Müller zwar aufs Haar, aber doch nur fast: «Ich trage den Scheitel auf die andere Seite», sagt er.

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Weil ein Arbeitskollege dem Schweizer Fernsehen eine Fotografie von Widmer schickte, wurde dieser vor ­einigen Jahren sogar zu Giacobbo/Müller in die Sendung eingeladen. ­Er durfte wegen seiner Zürischnurre zwar nicht ­sprechen, aber immerhin ­Victor Giacobbo ein Glas Cola bringen und das Publikum verwirren.

Als im Dezember die letzte Sendung gefeiert wurde, war auch Widmer zur Party eingeladen – und wurde prompt verwechselt. «Plötzlich kam Oswald Grübel auf mich zu und wollte mir gratulieren. Er hat dann aber schnell gemerkt, dass ich der Falsche bin», erzählt er.

Freier Parkplatz vs. Fast-Prügelei

Es kann Vorteile haben, wie Mike Müller auszusehen. Das erfuhr Widmer vor einigen Jahren bei der Parkplatzsuche in Zürich. «Aus Versehen fuhr ich in ein privates Parkhaus. Gerade als ich wenden wollte, klopfte es an die Scheibe, und ein Herr sagte, für Mike Müller habe er immer einen freien Parkplatz», so Widmer. Der Mann habe ihm den Weg gewiesen – und er habe möglichst nichts gesagt, um nicht aufzufliegen.

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Aber auch brenzlige Situationen hat Widmer schon erlebt. Bei einem ­Wochenendausflug mit Kollegen in ­Poschiavo geriet er fast in ein Handgemenge mit einer Gruppe Eis­hockeyspieler. «Mike Müller machte ja ständig Witze über die Bündner. Das fanden die gar nicht lustig und wollten mir an den Kragen.» Das sei ja der Gipfel, dass er sich traue, hierher zu kommen, hätten sie gesagt. «Sie wollten nicht recht glauben, dass ich nicht Mike Müller bin.» Widmer kaufte sich frei – mit mehreren Runden Bier – und es kam zu einem veritablen Gelage. «Dem richtigen Mike habe ich das mal erzählt. Der schuldet mir noch eine Kiste Bier.»

Quelle: Luxwerk &nbsp
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«Du warst doch der Sean Connery mit dem Bass»

Vielleicht liegts an den keltischen Wurzeln, dass Gabriele Pellizzola fast genau so aussieht wie Sean ­Connery in seinen besten Jahren. ­Pellizzolas Vorfahren stammen aus dem ­Piemont, wo die Kelten ihre ­Spuren hinterlassen haben. Und Sean Connery ist stolzer Schotte, auch in seinen Adern fliesst Keltenblut.

Fest steht: Pellizzola, Musiker und Tontechniker aus Birmensdorf ZH, wird oft auf seine Ähnlichkeit mit dem Filmstar angesprochen – besonders oft von Damen, die auch mal 20 bis 30 Jahre jünger sind als der 68-Jährige. «Zum Glück ist meine Frau nicht eifersüchtig», schmunzelt er.

Pellizzola besitzt ein Geschäft für Bässe in Schlieren, die ­Instrumente baut er auch selber. Als Tontechniker wird er zudem bei Konzerten engagiert. Einer seiner festen Kunden ist Toni Vescoli mit den Sauterelles. «Wenn ich an den Kabeln herum­bastle und mich die Leute nur von hinten sehen, werde ich ab und zu auch mit Vescoli verwechselt.»

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Vor einigen Monaten besuchte eine Frau mit ihrem Sohn seinen Laden. Während sich der Junge die Instrumente anschaute, fragte sie Pellizzola, ob er sich denn nicht mehr an sie erinnere. «Du warst doch der Sean Connery mit dem Bass.» Da dämmerte es ihm: «In den neunziger Jahren trat ich öfter als Bassist auf und wurde manchmal als ‹unser Sean Connery› vorgestellt.» Die alte Bekannte war damals mit einer Freundin an einem seiner Konzerte, und danach hat man sich gut amüsiert. «Gelaufen ist da aber nichts», stellt Pellizzola klar. ­Offenbar hat die Begegnung aber auch ohne Techtelmechtel einen ­bleibenden Eindruck hinterlassen.

Quelle: Luxwerk &nbsp
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«Rihanna trägt jetzt Dreadlocks. Das ist nichts für mich»

Eigentlich ist Jachine «Jay» Länz­linger eine ganz normale 29-Jährige. Sie ist gelernte Detailhandelsfachfrau und frisch gebackene Mutter eines Sohnes. Doch dank ihrem Kurzhaarschnitt, den sie bis vor etwa zwei ­Jahren getragen hat und mit dem sie aussieht wie Rihanna, hat sie es zu ­einiger Berühmtheit gebracht. Zumindest in Serbien.

Der Grund: Der montenegrinische Musiker Dado Polumenta wurde auf sie aufmerksam. Polumenta ist in ­Serbien ein Popstar. «Schon seit ich 14 war, habe ich regelmässig gemodelt und in Musikvideos mitgewirkt», erzählt die im zürcherischen Dübendorf lebende St. Gallerin. Sie ver­mutet, dass Polumenta über den ­Luzerner Regisseur Haris Dubica, der mit Musikern aus Osteuropa zusammenarbeitet, auf sie gekommen ist. ­Polumenta hat damals ein Rihanna-Lookalike für einen Clip gesucht – und Jay Länzlinger gefunden.

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Seither flimmert die 29-Jährige in Serbien regelmässig über die Bildschirme. «Freundinnen, die dort in den Ferien waren, kamen zurück und sagten, sie seien überall bewundert worden, weil sie mich kennen», erzählt sie. Das ist jetzt schon eine Weile her.

Länzlinger verwandelt sich gern. Mal sind ihre Haare blond, dann wieder braun. Mal trägt sie sie in Zöpfen, mal kraus, mal gestreckt, mal kurz, mal lang. Daher ist die Ähnlichkeit mit dem Superstar aus Barbados inzwischen nicht mehr ganz so frappant. ­«Rihanna trägt jetzt Dreadlocks. Das ist nichts für mich», sagt Länzlinger. Wenigstens muss sie sich jetzt auch nicht mehr von Neiderinnen als Möchtegern-Rihanna bezeichnen lassen.

Quelle: Luxwerk &nbsp
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«Ich habe gesagt, ich sei Nicholsons Bruder, aber natürlich nur als Witz»

In den siebziger Jahren betritt Peter Gschwend eine heruntergekommene Spelunke in Downtown Los Angeles. Die Barmaid traut ihren Augen nicht: Hat etwa tatsächlich der berühmte Jack Nicholson den Weg an ihre Theke gefunden?

Sie wird enttäuscht, freut sich dann aber trotzdem über den Lookalike aus der Schweiz; so sehr, dass sie ihm gleich ­einen Drink spendiert. «Eine von vielen lustigen Begegnungen, die mir mein ­Aussehen immer wieder beschert», sagt Peter Gschwend.

Hey Jack!

Sein ganzes Erwachsenen­leben hindurch hört der 67-jährige Teigwarenfabrikant aus Wetzikon ZH immer wieder den ­gleichen Ausruf: «Hey Jack!» Einmal, das war ebenfalls in den USA, sei er auf der Strasse um ein Autogramm gebeten ­worden. «Ich habe zuerst gesagt, ich sei Nicholsons Bruder, aber natürlich nur als Witz», sagt er.

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Und unlängst habe ihn der Sicherheits­beamte bei einer Kontrolle am Flughafen plötzlich schräg angeschaut und wollte wissen, ob er Amerikaner sei.

«Meistens fragen die Leute aber einfach nur, ob ich wisse, wem ich gleiche.» Das nerve ihn nicht. Manchmal erlaubt er sich sogar ein Spässchen. «Einmal wollte ich als Jack Nicholson im Hotel einchecken», schmunzelt er. Natürlich sei er aber gleich aufgeflogen.

Weil die Ähnlichkeit sogar Bekannte ­immer wieder aufs Neue fasziniert, ­nennen ihn manche nur noch Jack. Er ­selber ist allerdings froh, der zu sein, der er ist, und nicht der richtige Nicholson. «Ich habe seine Biografie gelesen. Damit möchte ich lieber nichts zu tun ­haben. Der hat ja schon ziemlich über die Stränge gehauen.»