
Veröffentlicht am 12. Juni 2026 - 06:00 Uhr

Tobias Krieger forscht zu chronischer Einsamkeit und internetbasierten Interventionen.
Herr Krieger, Frauen geben in Umfragen deutlich häufiger als Männer an, einsam zu sein. Wieso ist das so?
Übersichtsstudien stützen diese Umfrageergebnisse nicht: Hier zeigt sich der Geschlechterunterschied verschwindend klein. Männer sind also genauso von Einsamkeit betroffen wie Frauen. Dass gewisse Befragungen dennoch einen Unterschied finden, kann daran liegen, dass Einsamkeit sehr stigmatisiert ist – besonders bei Männern.
Schämen sich Männer für dieses Gefühl?
Manchen Menschen fällt es schwer, von ihren Einsamkeitsgefühlen zu berichten. Und Studien deuten darauf hin, dass dies für Männer besonders gilt. Das Selbststigma, das mit Einsamkeit einhergeht, macht es schwierig, Daten zu diesem Thema zu erfassen. Ein anderes Bild zeigt sich teilweise, wenn man indirekt fragt und auf Wörter wie «Einsamkeit» oder «einsam» verzichtet. Zum Beispiel: «Wie oft haben Sie das Gefühl, dass Ihnen die Gesellschaft anderer fehlt?»